Oranges Elsner Podcast Cover Folge #31 mit Portraits von Bastian Elsner und Dr. Thomas LübbekeOranges Elsner Podcast Cover Folge #31 mit Portraits von Bastian Elsner und Dr. Thomas Lübbeke

Elsner Podcast Folge #31: KNX für Bauherren: Smart Home selbst planen – mit Dr. Thomas Lübbecke

Worum geht’s in dieser Folge?

Mit Bastian Elsner spricht Dr. Thomas Lübbeke, Gründer von CASAIO, darüber, was ein Smart Home wirklich intelligent macht und wie Häuser künftig mithilfe von Sensorik und KI auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner reagieren könnten.

Ein Schwerpunkt liegt auf KNX als robuster, offener und zukunftsfähiger Basis für Licht, Heizung und Beschattung. Entscheidend sind jedoch nicht allein die Produkte, sondern eine sorgfältige Bedarfsanalyse, gewerkeübergreifende Planung und ein Bedienkonzept, das zum Alltag der Bewohner:innen passt.

Mit der KNX Masterclass unterstützt CASAIO Bauherr:innen dabei, eigene Projekte zu planen und zu programmieren. Die Folge zeigt, was sie selbst übernehmen können, wann professionelle Begleitung sinnvoll ist und woran sich ein guter Systemintegrator erkennen lässt.

Dr. Thomas Lübbeke

Zur Person

Dr. Thomas Lübbecke ist Diplom-Psychologe, promovierter Technikwissenschaftler und Gründer der CASAIO GmbH. Nach seinem Psychologiestudium an der Universität Würzburg forschte er zur Mensch-Technik-Interaktion und zur nutzerfreundlichen Gestaltung von Fahrerassistenzsystemen. 2015 promovierte er an der Universität Klagenfurt im Bereich Technische Wissenschaften und Informatik-Systeme.

Seit 2010 entwickelt und realisiert er mit CASAIO hochwertige, nutzerzentrierte Gebäudeautomation für Privathäuser. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf offenen KNX-Lösungen, die Komfort, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit verbinden. Mit der KNX Masterclass unterstützt er zudem Bauherr:innen dabei, ihre eigene Gebäudeautomation fundiert zu planen, zu programmieren und langfristig selbst weiterzuentwickeln.

Portrait von Dr. Thomas Lübbeke auf orangem HintergrundPortrait von Dr. Thomas Lübbeke auf orangem Hintergrund

Transkript der Folge #31

Veröffentlichungsdatum: 22. Oktober 2026

[Bastian Elsner] (0:01 - 1:08)
Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Menschen, Lebensräume und Technik, dein Podcast von Elsner Elektronik. Mein Name ist Bastian Elsner und heute sitze ich in Veitshöchheim bei Thomas Lübbecke von CASAIO. Thomas hat die Firma 2010 gegründet und baut seitdem mit seinem Team die Technik in anspruchsvolle Privathäuser, konsequent mit KNX. Davor hat er an der Uni erforscht, ob Menschen mit den Assistenzsystemen im Auto eigentlich zurechtkommen. Dazu kommt etwas, das mich besonders interessiert. Sein Team bringt Bauherren bei, ihr eigenes Haus zu planen und zu programmieren. Darüber will ich heute sprechen, wie zugänglich KNX eigentlich ist und wie zugänglich es noch werden kann. Los geht's.

Thomas, für alle, die euch vielleicht nicht kennen, wer seid ihr, für wen arbeitet ihr und was macht ihr vielleicht anders als der ein oder andere Systemintegrator?

[Thomas Lübbecke] (1:08 - 1:24)
Hallo Bastian, erstmal vielen Dank für die Einladung. Schön, dass ich heute in deinem Podcast teilnehmen darf. Es ist mir eine große Ehre, und grundsätzlich gibt es ja nicht so viele Podcasts im KNX-Bereich, von daher finde ich es total toll, dass du auch die Initiative hast, dieses Thema in die Welt zu tragen. Das ist erstmal super.

[Bastian Elsner] (1:24 - 1:24)
Super, danke.

[Thomas Lübbecke] (1:25 - 1:56)
Also was machen wir? Die Firma CASAIO sitzt in Veitshöchheim im schönen Würzburg, weil ich da damals studiert habe. Wir machen hochwertige Gebäudeautomation für Privathäuser. Das ist unser Spezialthema. Ich habe immer gesagt, wenn man Privathäuser durchgespielt hat, dann kann man auch ein Hotel programmieren oder ein Büro in Betrieb nehmen, weil am Ende die Komplexität in einem Privathaus ein Stück weit höher ist, weil so viele Themen zusammenkommen, als in einem Gewerbeobjekt, wo ich vielleicht in dem Hotelzimmer ein bisschen Licht, ein bisschen Klima, ein bisschen Beschattung habe und im Privathaus kommen einfach noch 20 Themen dazu.

[Bastian Elsner] (1:57 - 2:18)
Das stimmt, und vielleicht auch noch mal ein bisschen andere Nutzungsanforderungen, vielleicht auch irgendwie ein anderes Verständnis der Technik gegenüber, wie jetzt vielleicht im Zweckbau, weil es da auch noch mal andere Ansprechpartner gibt. Ich denke, das sind Themen, da gehen wir bestimmt noch mal ein auf die Nuancen, die es vielleicht dann auch im Residential-Bereich gibt, die es im Zweckbau vielleicht nicht so hat. Wie groß ist denn die Firma CASAIO? Wie kann man sich euch vorstellen?

[Thomas Lübbecke] (2:19 - 3:13)
Wir sind jetzt so zehn, zwölf Mitarbeiter. Wir sind inzwischen auch eine kleine Unternehmensgruppe, haben seit letztem Jahr auch ein Lichtplanungsbüro an Bord geholt, sozusagen ongeboardet, mit dem wir schon lange zusammengearbeitet haben. Das ist die Firma LUMETICS mit dem Sitz in München. Ich sage mal, wir sind schon lange am Markt, obwohl wir klein sind, kein Start-up am Ende des Tages. Einfach, weil wir schon seit 2010 in diesem Space unterwegs sind, haben wir schon extrem viel gesehen, und ich kann später noch ein bisschen darauf eingehen. Ich glaube, Gebäudeautomation im Privathaus haben wir durchgespielt, und das macht uns total viel Spaß, dieses Wissen weiterzugeben, egal in welcher Art von Projekten, entweder in sehr anspruchsvollen, einfach hochwertigen Häusern. Im Villen-Bereich fühlen wir uns sehr wohl, ich sage mal, Bausumme 1 bis 5 Millionen. Das ist so unser Standard, aber auch im Rahmen unseres Coaching-Programms, das wir seit ein paar Jahren haben, auch, ich sage mal, den klassischen Häuslebauer zu enablen, sich mit dem Thema KNX auseinanderzusetzen.

[Bastian Elsner] (3:14 - 3:32)
Sehr cool, da freue ich mich extrem drauf, wenn wir in dieses Thema noch ein bisschen tiefer einsteigen können. Vielleicht noch mal zur Einordnung. Wir sprechen heute am 7. Oktober miteinander, und das ist tatsächlich auch ein Tag nach den KNX Awards, und da kann ich dich auch beglückwünschen, Thomas. Euer Projekt hat nämlich gewonnen. Möchtest du da auch noch ein bisschen was drüber sagen?

[Thomas Lübbecke] (3:32 - 5:16)
Das ist ja das zweite Mal, dass wir uns beworben haben und tatsächlich auch gewonnen haben. Der erste Versuch war jetzt vor acht Jahren, also 2018, da haben wir schon mal gewonnen. Damals ging es um ein Plus-Energiehaus. Also wir haben schon immer das Glück gehabt, sehr spannende und anspruchsvolle Bauherren zu begleiten, die sehr disruptiv mit dieser KNX-Technologie coole Gebäude bauen wollten. Damals war das der Bauherr, der gesagt hat, ich baue ein super schickes Haus, das soll ein Wohnwürfel sein, das soll total modern sein, das soll aber trotzdem ein ökologisches Plus-Energiehaus sein. Also irgendwie diese Quadratur des Kreises zwischen Design und dem klassischen, ich sag mal, Öko-Haus, was eigentlich kleine Fenster hat und so weiter, damit es keine Energie verliert.

Und das war eine Machbarkeitsdemonstration damals schon, im Sinne von, wir haben ganz viel PV und auch eine vierseitige Solarpanele und so weiter. Das sieht total abgespaced aus und sollte zeigen, ich kann modern bauen und kann trotzdem ein super innovatives Energiemanagement haben und bringe diese Themen irgendwie zusammen. Das war schon immer so ein bisschen Fluch und Segen bei uns, dass wir, ich sag mal, energetisch im Einklang waren mit diesen Bauherren, die out of the box gedacht haben.

Und das Projekt jetzt dieses Jahr, für das wir nominiert waren, hat noch mal eins draufgesetzt. Das hat den Arbeitstitel The World's Smartest [Smart Home], und das ist dort auch wirklich Programm. Da ist ein Forschungsteam inzwischen in diesem Bauprojekt. Da steht in Hamburg das Haus, und da wird das Wohnen der Zukunft erforscht. Die Idee und die Vision ist so ein bisschen, wir bauen einen digitalen Assistenten tatsächlich, und das Haus erkennt die Intention des Benutzers. Da geht mir persönlich das Herz auf, weil da ganz viele Forschungsfragen drin sind. Weil das gibt es ja noch nicht so in dieser Form.

[Bastian Elsner] (5:17 - 5:45)
Irgendwie schießt mir gerade gleich direkt was in den Kopf. Das finde ich immer an Autos eigentlich so geil, weil du setzt dich rein, du hast dann ein entsprechendes Profil. Also das geht nicht bei allen Autos, aber ich sag mal, ab einer gewissen Preisklasse ist das zu erwarten. Ich setze mich rein und der Sitz fährt eigentlich schon auf die Position, die ich brauche. Kann ich mir das so ähnlich vorstellen? Das Haus erkennt, welche Nutzer da gerade reinkommen. Der hat seine eigenen Temperaturpräferenzen, hält sich in den Räumen zum Beispiel auf, oder wie? Mach es mal konkret für mich.

[Thomas Lübbecke] (5:45 - 7:30)
Genau, das Haus, sobald du da zur Tür reinläufst, eigentlich schon, sobald du das Grundstück betrittst, erkennt eine Kamera dich. Du kennst vielleicht diese tanzenden Knochenmännchen, die man so aus YouTube kennt, wo man nur so die Gelenke quasi sieht. Das sind so Open-Source-Modelle, die dann hinten dran laufen, und dadurch wird schon die Person erkannt.

Und wenn man diesen Gedanken weiter verfolgt, dann kann man das Gangmuster zum Beispiel dieser Person erkennen, und daraus könnte ich ableiten, wie müde bist du heute? Bist du betrunken oder nicht? Also ich weiß nicht nur, welche Person das ist, sondern auch, wie fühlt die sich möglicherweise? Und man kann das in ganz viele Richtungen weiterdenken. Da ist sehr viel Kamerasensorik unterwegs. Mit dieser Kamerasensorik kann ich auch Emotionen im Gesicht messen. Ich kann Herzschlag, ich kann Pulsschlag messen tatsächlich, wenn ich die richtige Sensorik habe. Und dann kann ich daraus natürlich ganz neue Daten ableiten am Ende des Tages. Also habe ich gut geschlafen? Brauche ich jetzt einen Kaffee? Wie geht es mir heute? Und aus diesem Forschungsgedanken heraus kann ich mir dann natürlich einen Assistenten überlegen, der proaktiv irgendwann auch Dinge dann vorschlägt, für mich macht. 

Und dann verlassen wir diese Ebene von, wir bauen erst mal ein Technikhaus. Ein Haus mit KNX ist ja erst mal auch nur ein Gebäude, wo ich auf digitalem Weg Dinge steuere. Und wir sagen immer, eigentlich sind ganz viele Smart Homes gar keine Smart Homes, sondern das sind nur hochgezüchtete Häuser mit viel Technologie, die gar nicht so viel Mehrwert bieten für die Benutzer, außer dass ich halt auf sehr komplexem technischem Weg das Licht an und aus mache. Und wir wollen aber Mehrwert in die Häuser bringen. Wir wollen den Komfort erhöhen. Wir wollen Sicherheit erhöhen. Und dann schalte ich natürlich ganz neue Level frei, wenn ich andere Sensorik habe, um andere Sachen zu erkennen. Diese Schicht gibt es ja oft in den Häusern nicht, weil alles erst mal nur wenn-dann-basiert ist. Und jetzt durch KI und durch welche gearteten Modelle hintendran auch immer kann ich plötzlich neue Sachen machen. Und das ist total spannend.

[Bastian Elsner] (7:31 - 7:52)
Wow. Also ich bin wirklich beeindruckt. Das sind wirklich super spannende Use Cases, die man so auch nicht unbedingt die ganze Zeit hört bei uns in der Branche. Vielleicht höchstens mal als Konzeptpapiere, oder es wäre doch eigentlich möglich, das so zu machen. Aber dass ihr das dann wirklich in einem Projekt umgesetzt bekommen habt, da ist der Name dann wirklich Programm. Wie war der Name? The World's Smartest Smart Home.

[Thomas Lübbecke] (7:53 - 8:33)
Ich kenne kein anderes Projekt, und ich bin sehr offen, wenn da jemand von den Zuhörern vielleicht auch was Ähnliches kennt. Wir sind da sehr offen, uns auch dazu zu vernetzen. Es gab dieses Bill-Gates-Haus damals, glaube ich, schon in den 80er Jahren. Da gab es schon so Forschungsansätze. Das Haus, ich habe einen Sprachassistenten und der Kühlschrank weiß, was drin ist und so weiter. Aber dieses Thema, wir erkennen die Intentionen des Benutzers und können damit irgendwie umgehen in irgendeiner Form. Also dieses Prädiktive, das Adaptive auch am Ende des Tages. Wie kann das Haus mit seinem Verhalten auf die Bewohner zugeschnitten werden? Das ist doch sehr disruptiv. Und da sind auch Universitäten dann am Ende mit beteiligt, weil da ganz viele Forschungsfragen drin sind.

[Bastian Elsner] (8:33 - 9:08)
Super spannend, aber das macht natürlich auch die Beratung um einiges komplexer. Ich habe vorhin ja schon ein bisschen was zu deinem Background erzählt, und jetzt hast du gerade über Adaptivität gesprochen zum Beispiel. Das ist eigentlich für mich das Stichwort, weil du kommst ja eigentlich aus der Automobilforschung. Stichwort Verkehrspsychologie an der Uni Würzburg. Also vielleicht ein kleiner Side-Fact: Ich bin eigentlich Wirtschaftspsychologe, ich habe also auch irgendwo einen marktforschenden Hintergrund. Und dann bist du aber irgendwann im Gebäude gelandet. Also kannst du das mal irgendwie zusammenbringen, weil auf den ersten Blick hat das nicht so viel miteinander zu tun.

[Thomas Lübbecke] (9:09 - 10:11)
Ich habe damals, als ich 18 war, in meinem Kinderzimmer gesessen zu Hause. Ich bin in Göttingen geboren tatsächlich und habe gesehen, da in Würzburg gibt es eine Universität, die setzen sich mit dem Autofahren der Zukunft auseinander. Es gab tatsächlich einen Lehrstuhl vom damaligen Professor Krüger, der dann auch einen Fahrsimulator gebaut hat, hier in Veitshöchheim tatsächlich, wo jetzt unsere Firma ist. Und die haben am Autofahren der Zukunft geforscht. Und zwar waren das Psychologen, weil die verstanden haben, die Ingenieure bei den Automobilherstellern in Deutschland, die können alles bauen. Freihändig mit 180 über die Autobahn, gar kein Problem. Aber will Oma Lieschen das. Was passiert denn, wenn plötzlich mein, keine Ahnung, Tesla eine falsche Spur sieht und lenkt, obwohl er nicht lenken soll und so weiter? Da stecken ganz viele Sicherheitsthemen hintendran, aber auch Systemverständnisfragen. Wie muss denn ein System designt sein, was mehrere Features hat? Ein Teilsystem fällt aus, wird abgeworfen, jetzt hält es nur noch den Abstand, lenkt aber nicht mehr automatisch. Wie kann ich da mit dem Nutzer interagieren? In diesem Space habe ich geforscht, Diplomarbeit gemacht damals und so weiter.

[Bastian Elsner] (10:12 - 10:51)
Sehr cool. Vielleicht, wenn ich da kurz was ergänzen darf, so aus Herstellerperspektive: Ich bin ja in sehr vielen Produktentwicklungen da auch beschäftigt, und ich muss wirklich sagen, wenn wir irgendwie über UI- und UX-Sessions sprechen, wo muss jetzt der Knopf sein, wie viele Steuerungsebenen oder wie oft muss der Kunde klicken, bis er seine Temperatur verstellen kann, das sind so wichtige Punkte. Man kann es natürlich nicht ganz mit dem Auto vergleichen, das ist schon noch mal ein anderes Level. Aber da muss ich auch sagen, das tut immer extrem gut, sich da den Nutzer irgendwie ins Gedächtnis zu rufen. Und das dann aber wirklich an der Universität über so einen Lehrstuhl zu machen, wow, total geil. Hätte ich gerne für meine eigenen Produkte in der Gebäudeautomation.

[Thomas Lübbecke] (10:51 - 11:47)
Genau. Und so bin ich dann irgendwann vom automatisierten Autofahren zum Smart Home gekommen, weil es technologisch gar nicht so weit weg ist, wenn man drüber nachdenkt. Ich habe auch einen Bordcomputer im Auto, der mit CAN-Bus halt vernetzt ist. Der Blinker sagt halt nicht direkt dem Relais Bescheid, sondern da ist auch ein digitaler Steuerungsbus zwischengeschaltet. Und das haben wir einfach kennengelernt, weil wir mit den Herstellern da viel geforscht haben und in Prototypen da rumgefahren sind. Und das fand ich total faszinierend, wie das technologisch funktioniert. Und dann bin ich irgendwann auf dieses Thema KNX gestoßen. Ah, für ein Haus gibt es das auch, das ist ja total cool. Und dann habe ich als Student mir so eine Rolle grünes Kabel damals gekauft, bei dem ersten großen Internetshop, den es da damals gab, und habe angefangen rumzuspielen. Ich habe in der Studentenwohnung kleine Schlitze in die Wand gemacht, habe das Buskabel versteckt und habe den Badlüfter intelligent gemacht, weil mich der genervt hat. Das waren so die ersten Use Cases. Ich habe einen Bewegungsmelder unter das Bett geschraubt, habe gezählt, wie oft steht jemand nachts auf und geht auf die Toilette, all solche Späße.

[Bastian Elsner] (11:47 - 12:14)
Wahnsinn. Okay, super, super spannend. Das ist jetzt erst mal nicht so ungewöhnlich, sage ich mal, der Einstieg. Man probiert selber aus, man versucht selber irgendwie die eigenen Schmerzpunkte durch Automation so ein bisschen weniger zu machen und den eigenen Komfort zu erhöhen. Und ganz viele bleiben dann eigentlich dabei. Ich habe ganz viele Personen bei uns in der Branche kennengelernt, die sind und bleiben auch Einzelkämpfer. Aber du hast da ja einen anderen Weg gewählt mit CASAIO, wie ihr da aufgestellt seid.

[Thomas Lübbecke] (12:15 - 14:10)
Ja, also das ist dann so entstanden. Man muss verstehen, Würzburg ist ja nicht am Starnberger See und ist auch nicht Wiesbaden. Deswegen war so die Frage, wo finde ich denn den ersten Kunden irgendwie? Wo ist denn jemand, der ein teures Haus baut und einen Systemintegrator braucht? Und dann bin ich damals ins KNX-User-Forum gegangen und habe gesagt, ich habe schon ein bisschen rumgespielt bei mir zu Hause, wem soll ich kostenlos helfen?

So habe ich die ersten Kunden gesucht und bin dann über Zufälle an ein sehr spannendes Projekt im Münchner Raum gelangt, von einem jungen Unternehmer. Und sinnbildlich hat er dann gesagt, hier, nimm mal 50.000 Euro, tüftel das mal alles aus bei dir im Büro, und wenn es fertig ist, dann baust du es ein bei mir. Dann hatte ich irgendwann so einen Turm an. Damals ging es um Multiroom, Control4-Verstärker auf dem Tisch. Ich habe das ausprobiert, ausgetüftelt, Videomatrix mit HDMI und so weiter. Und dann haben wir das ausgerollt in dem Haus, und dann haben natürlich Sachen funktioniert und Sachen haben auch nicht funktioniert auf Anhieb, wie das halt so ist. Und dann hat dieser Kunde mich im Urlaub angerufen, als wir gerade mit unserem Baby auf dem Arm im Allgäu saßen. Und da war mir klar, das ist total cool, was ich da mache, aber irgendwie muss man das anders aufstellen. Man braucht ein Team. Und es sind so viele Themen unten drunter in dieser Nische von Multiroom, von Sonnenschutz, was euer Thema ist, dass man das als einzelne Person nur schwer auf einem gewissen Level einfach durchspielen kann.

Daraus ist so die Idee entstanden zu sagen, okay, ich will das als Team machen. Und dann bin ich losgelaufen und habe den ersten Mitarbeiter gesucht und gesagt, willst du helfen? Ich bring dir das bei, was ich weiß. Und dann sind die Prozesse entstanden, die es nicht gab damals. Und dann sind wir so ein bisschen in das Thema Elektroplanung auch reingerutscht, weil sehr schnell klar geworden ist, das, was wir da programmieren wollen, muss irgendwie vorher auf dem Blatt Papier gezeichnet werden. Und dann habe ich Elektroplanungssoftware gesucht und so weiter. Ich bin ja Diplompsychologe, also eigentlich völlig fachfremd in diesem ganzen Spiel gewesen. Aber der Spieltrieb und die Begeisterung hat mich dann halt irgendwie immer weiterlaufen lassen. Und Gott sei Dank haben wir heute Spezialisten im Team, also haben wir Elektroingenieure und wirklich Profis dann auch dabei.

[Bastian Elsner] (14:11 - 14:36)
Aber so ist es halt entstanden damals. Ja, sehr cool. Wahnsinn. Ich möchte jetzt, oder ich weiß, ihr baut sehr viel von eurem Geschäft auf KNX auf. Das war ja bestimmt irgendwann mal eine Abwägung für euch. Könntest du das vielleicht noch mal auch für die Zuhörer darstellen, die gerade vielleicht eine Entscheidung haben, für welches Smart-Home-System soll ich mich überhaupt entscheiden? Warum trifft bei euch das ganz oft auf KNX?

[Thomas Lübbecke] (14:37 - 16:16)
Als ich angefangen habe, damals gab es nicht so viel in der Branche. Wenn du dich jetzt zurückrollst und sagst 2010, da gab es nicht so viel. Es gab, glaube ich, Homematic schon irgendwie als System. Und Loxone wurde 2008 gegründet, glaube ich. Als ich im ersten Jahr war, hatte ich schon den netten Vertriebsanruf von der netten jungen Dame aus Österreich, die gesagt hat, es gibt da jetzt diesen Miniserver, jeder auf der Welt muss das jetzt ausprobieren. Ich habe den auch bestellt und habe mir das angeguckt und bin dann zu der inneren Überzeugung gekommen, damals erst mal, das ist jetzt auch schon wieder 15 Jahre her, das macht keinen Sinn. Es braucht etwas, was offen ist irgendwie. So kannte ich das ja auch aus der Automobilforschung. Man muss irgendwie an die Schnittstellen drankommen. Man will nach außen kommunizieren.

Ich hatte damals Berührungspunkte mit der Firma KITEO und damals war das noch DMX. Und da gab es dann Protokollthemen. Ich will von KNX irgendwie auf DMX. Und in meinem Kopf war sofort klar, okay, es braucht einen offenen Standard. Das macht total Sinn, dass man irgendwie aus allen Richtungen sich mit dieser Gebäudeautomation verbinden kann. Wenn du mich jetzt 15 Jahre später fragst, würde ich sagen, es hängt so ein bisschen davon ab, in welchem Projekt macht was Sinn. Es gibt vielleicht so Nachrüstlösungen. Da kann ich auch eine Shelly-Funksteckdose irgendwo reinstecken. Macht total Sinn, habe ich auch zu Hause hinter meiner Kaffeemaschine, ist auch völlig okay. Aber ich habe bis heute die Überzeugung, dass in den allermeisten Fällen der KNX-Bus die sinnvollste technologische Basis ist für ein, ich spreche jetzt mal von einem Familienhaus, bis zu 50 Millionen [so im Original, vermutlich Versprecher oder verhört], würde ich sagen. Auch das Gebäude jetzt von dem Award haben wir auch, 21 KNX-Linien, skaliert einfach auch nach oben, erst mal völlig problemlos. Und das ist total sinnvoll, das auf KNX aufzusetzen, weil das einfach ein in alle Richtungen offener Standard ist. Das ist eigentlich so der größte Pluspunkt, den ich sehe.

[Bastian Elsner] (16:17 - 16:58)
Ich finde es super spannend, wie du es gesagt hast. Ich glaube, ich möchte auch eine Lanze brechen irgendwo für proprietäre Systeme, weil wir wissen ja alle, wie das im Markt draußen ist. Es ist nicht immer nur alles auf KNX. Dann ist mal die Visualisierung irgendwie über einen österreichischen Hersteller gelöst oder über eine andere Drittlösung. Das ist einfach die Realität. Dann nehme ich auch irgendwie Best of both Worlds. Aber ich sage eben auch bei KNX einfach, wie die Technologie aufgebaut ist, mit der Reliabilität, mit der Robustheit, gerade im Raum, auf der Feldebene ist es für mich unschlagbar. Über die Visualisierung können wir gerne streiten, aber eben auch die Dezentralität. Aber ich möchte jetzt gar nicht in diese 0815-Argumente für KNX abrutschen.

[Thomas Lübbecke] (16:59 - 18:23)
Es ist einfach eine stabile, sichere, ausgereifte, robuste Basis für ein Gebäude. Und darüber macht es total Sinn, das Licht zu steuern, auch wenn ich noch das DALI dann als Übersetzung dazwischen drin habe. Da habe ich auch noch mal einen Protokollwechsel. Aber KNX auf DALI ist ausentwickelt, das funktioniert robust. Über KNX Jalousieaktoren, Jalousien rauf und runter zu fahren, funktioniert sehr gut. Heizungssteuerung funktioniert einfach sehr gut. Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund, nicht auf KNX zu setzen, was diese Dinge betrifft. Das heißt ja nicht, dass ich Musikdaten über KNX transportieren will, dafür ist der Bus sowieso viel zu langsam. A

ber für ein instantanes Gefühl von, ich drücke auf den Knopf und das Licht geht irgendwo an, funktioniert es einfach so. Und da gibt es eigentlich auch kein Gegenargument, woanders draufzugehen, wenn ich einen Pool habe an 500 Herstellern, 8000 Produkten. Das macht total Sinn. Und dann kann ich, wie du sagst, obendrauf alles draufsetzen. Ich kann meine Home-Assistant-Visualisierung obendrauf setzen oder was auch immer ich möchte. Ich habe erst mal eine stabile Grundlage. Und wir haben so viele Kunden, die zu uns kommen und sagen, ich habe schon mal gebaut, ich habe etwas anderes ausprobiert, ich habe es mit Funk probiert, es war einfach nicht das Gelbe vom Ei. Es ist nicht 102 Prozent stabil. Und das ist einfach die Erwartungshaltung, die ich als Benutzer habe. Und da schließt sich ja so ein bisschen der Kreis. Ich will einfach eine stabile Lösung haben. Wenn ich auf den Lichtschalter drücke, soll das Licht angehen. Und da darf nicht die Batterie leer sein und keine Ahnung was sein. Ich will nicht vom WLAN abhängen. Es muss einfach funktionieren.

[Bastian Elsner] (18:23 - 18:47)
Genau, es muss einfach funktionieren. Ich brauche den Peace of Mind vor allen Dingen bei den wichtigen Gewerken. Ich meine, wir sprechen hier über Beschattung, Heizung und Licht. Ohne das geht es schlichtweg nicht. Jetzt ist ja KNX auch leider behaftet mit dem ein oder anderen negativen Vorurteil. Also ich vermute eins, mit dem euch ja öfters mal entgegengetreten wird, widerlegt das gerne: KNX ist zu teuer. Was sagst du dazu?

[Thomas Lübbecke] (18:49 - 19:44)
Ja, KNX war sehr teuer. Bis vor zehn Jahren würde ich sagen, war es tatsächlich auch nur in Luxusimmobilien drin. Das fing ja schon damit an, dass das 15-Zoll-Touch-Display, was an der Wand hing, mit so einer Touchfolie irgendwie, 5.000 Euro oder Mark gekostet hat früher. Und das war nichts für jeden. Auch die Aktoren waren sehr teuer. Und es gab sehr wenig Spezialisten vor 10, 15 Jahren. Es war schon ein Luxusgut. Es hat eher zum gehobenen Wohnbau gepasst. Ich glaube aber, das ist Geschichte. Wir haben ein YouTube-Video, da erklären wir, wie man mit drei, vier, 5.000 Euro im Prinzip, Hardwarekosten, ein komplettes Einfamilienhaus ausstatten kann. Und das ist bei einer Bausumme, ich sage jetzt mal 500.000 Euro. Kann man darüber diskutieren, will ich ein Prozent meiner Bausumme in dieses Thema investieren oder nicht? Von daher war das früher so, aber das ist nicht mehr so, weil einfach sehr viel Preisdruck im Markt durch viele neue Hersteller da einfach sehr viel bewegt hat, was toll ist.

[Bastian Elsner] (19:44 - 20:26)
Aber gehst du damit, dass sich dieses Vorurteil trotzdem noch sehr hartnäckig im Markt erhält? Oder sagst du, das kommt inzwischen auch bei den Entscheidern, bei den klassischen Bauherren zu? Weil ich habe es eben auch erlebt. Ich habe auch schon Angebote gesehen von Elektrofirmen, die bieten eine konventionelle Elektroinstallation und dann eine Installation mit KNX. Die KNX-Installation ist teilweise dreimal so teuer. Ich gucke mir die Komponentenliste an, ich gucke mir den Aufwand an und frage mich dann immer, warum, woher kommt denn eigentlich das Geld? Und da habe ich leider auch manchmal das Gefühl, da hat man so ein bisschen Berührungsängste mit der Technologie und macht dann eher ein Angebot, das den Kunden dann nicht so ganz attraktiv erscheinen lässt. Ob das heute noch Stand der Dinge ist, weiß ich nicht. Ich glaube, du sprichst mit ein paar mehr Endkunden als ich.

[Thomas Lübbecke] (20:26 - 21:39)
Ja, wir sehen sehr oft Einfamilienhäuser, Angebote 100.000 Euro plus, wenn da KNX draufsteht. Und das ist ja genau das, was du beschreibst. Da sind sehr viele Angstzuschläge in irgendeiner Form drin. Und das liegt ein Stück weit natürlich daran, dass die Gesamtkomplexität ein bisschen höher ist und dass es eine gute Planung braucht, wenn man mit KNX baut, und dass da sehr wenig optimiert wird im Sinne von Produktauswahl und so weiter. Es braucht eine gute Planung, und die ist aufwendiger, und ich brauche ein bisschen mehr Material. Das ist ja auch erst mal Fakt. Und es steckt ein bisschen Zeit drin in konzeptioneller Arbeit, im Grundriss möglicherweise, weil ich mir schon überlegen muss, wo will ich denn eine Bedienstelle haben, und überlege mir das nicht erst, wenn ich mit Kreide durch den Rohbau laufe. Das ist nicht wegzudiskutieren. Und auch die Inbetriebnahme und Programmierung war sehr lange ein Kostenblock von 5.000 bis 10.000 Euro, der einfach dann dazugekommen ist, logischerweise, wenn die Bauherren das nicht selber machen. Das ändert sich jetzt ein bisschen durch KI-Möglichkeiten und so weiter. Da kann man auch Sachen leichter selber richtig machen. Aber ich gehe erst mal mit, dass die Komplexität ein Stück weit höher ist, weil ich an vielen Stellen blöde abbiegen kann und dann Fehler mache, die auch am Ende zu unzufriedenen Benutzern führen.

[Bastian Elsner] (21:40 - 22:01)
Aber wenn ich dich richtig verstehe, sagst du auch, die erhöhte Komplexität rechtfertigt trotzdem nicht den Mehrpreis, wie du ihn in dem ein oder anderen Angebot siehst. Oder ist das schon fair, weil die Komplexität so hoch ist, und dann kann ich sagen, okay, eine KNX-Installation muss gezwungenermaßen 40 Prozent teurer sein, also ich schieße gerade aus der Hüfte.

[Thomas Lübbecke] (22:01 - 22:47)
Nein, muss sie nicht. Das Problem ist, dass die Mannschaft oft nicht richtig zusammengestellt ist. Die Elektro-Installationsfirma, die einmal im Jahr so ein KNX-Angebot machen soll, die ist natürlich nicht so schnell, die ist nicht so geskillt, die plant nicht so effizient möglicherweise wie jemand, der das tagtäglich macht. Deswegen haben wir die KNX Masterclass ins Leben gerufen, um zu zeigen, wie man auch mit 25.000 Euro, ich sage mal vereinfacht gesagt, das 100.000-Euro-Ergebnis bekommen kann, wenn man an der richtigen Stelle als Bauherr einfach die Tätigkeiten übernimmt, die man übernehmen kann, nämlich planen, programmieren, vielleicht ein bisschen mithelfen auf der Baustelle an der einen oder anderen Stelle. Also genau da, wo konzeptionelle Gehirnarbeit notwendig ist, da kann man ja super unterstützen als ambitionierter Bauherr.

[Bastian Elsner] (22:47 - 22:55)
Und das ist ja auch meistens im eigenen Interesse, weil genau da fällt das Kind ja auch leider meistens in den Brunnen, und dann merkt man es irgendwann später, wenn man selber im Haus wohnt.

[Thomas Lübbecke] (22:55 - 23:47)
Und ein zweiter Punkt noch ist, viele Architekten haben sich ja die Finger verbrannt mit der KNX-Technologie in den vergangenen Jahren, weil sie gesagt haben, da kommt ein Bauherr und der will das haben. Und dann ist es versucht worden umzusetzen, ohne den Benutzer zu befragen, ohne an den Benutzer zu denken. Und da schließt sich so ein bisschen der Kreis auch zu unserem Intro. Man muss das aus Nutzersicht denken und nicht aus Installationssicht. Wir sehen ja oft diese konventionellen Installationen dann übertragen in die KNX-Welt. Das sind dann die Schalterbatterien, wo für jede einzelne Funktion 28 Wippen dann im Wohnzimmer sind. Das geht schlauer, und das ist kein Vorwurf, dass das jemand nicht besser weiß, wenn er das nicht oft genug macht. Man muss das anders denken. Und das braucht einen Profi und das braucht Begleitung. Und wenn das gut gemacht ist und gut konzipiert ist, dann ist es auch nicht so viel teurer. Man muss ja die richtigen Dinge tun, wenn man mit KNX plant, damit es gut wird. Das ist schon so, ja.

[Bastian Elsner] (23:47 - 23:57)
Super, okay. Also finde ich total spannend, aber wenn ich es richtig verstehe, hilft dann eigentlich nur eine entsprechende Gegenrechnung zu machen und das irgendwie auch in Verhältnis zu setzen.

[Thomas Lübbecke] (23:58 - 24:24)
Ja, und nicht so blauäugig zu sein, zu sagen, ich mache das das erste Mal im Leben und das wird super. Also sich einfach professionelle Begleitung, von ganz klein bis groß, je nachdem, wo man sich positioniert, einfach dazuzuholen. Es wird auch keiner auf die Idee kommen zu sagen, ich mauere jetzt mein Haus selber, nur weil ich weiß, dass man zwei Steine aufeinanderlegen muss. Es braucht ein bisschen Erfahrung, wie bei jedem Gewerk. Und das ist alles erlernbar, aber man sollte es gezeigt bekommen, damit es gut wird. Das ist schon so, ja.

[Bastian Elsner] (24:24 - 24:56)
Super, okay. Ich habe erst im letzten Monat mit einem KNX-Trainer eine Folge aufgenommen, und da war unser Credo im Prinzip, zertifiziert ist nicht gleich qualifiziert. Das ist eben auch das Thema. Man muss seine Erfahrungen machen. Man muss vielleicht auch den einen oder anderen Fehler machen, um das in seiner Gänze wirklich zu verstehen. Und die Komplexität, die wird nicht weniger. Es kommen zwar keine klassischen Gewerke dazu, aber ich sage mal, die Anforderungen einfach ans Gebäude, auch was für den Nutzer vielleicht jetzt normal ist, was unbedingt möglich sein wird, war vor ein paar Jahren vielleicht noch das Nonplusultra.

[Thomas Lübbecke] (24:58 - 25:31)
Ja, der Bauablauf ist natürlich, wenn jeder in seinem einzelnen Gewerk denkt, es gibt einfach Schnittstellenthemen, die zu koordinieren sind. Und das kommt oft dazu als zusätzliche Schicht. Und die darf man nicht weglassen. Das ist halt zwangsläufig einfach so, wenn man komplexer baut. Und Bauen wird immer komplexer, weil immer mehr Glas kommt, deswegen immer mehr Beschattung, immer mehr Technologie. Die Klingelanlage ist jetzt nicht einfach nur noch ein Ding-Dong, sondern da habe ich plötzlich Videotelefonie, die ich machen muss und so weiter. Also Bauen ist schon auch anspruchsvoller geworden auf technologischer Seite. Und diese Technologien muss man irgendwie einfangen und handeln. Das ist einfach so.

[Bastian Elsner] (25:31 - 26:06)
An der Stelle muss ich noch mal den Sonnenschutz irgendwie erwähnen. Die Sommer werden auch nicht kühler. Ich glaube, wir haben dieses Jahr den kühlsten Sommer unseres restlichen Lebens erlebt. Nächstes Jahr wird wahrscheinlich noch mal ein Stückchen heißer. Und das, nicht wahrscheinlich, der wird auf jeden Fall heißer, sorry. Aber das sind eben die Gebäude, und die Gebäude, die wir heute planen, sind die überhaupt noch für die Sommer ausgelegt, die wir in Zukunft unter anderem haben werden? Und das sind natürlich Themen, die dieses Komplexitätslevel von so einer Bauplanung entsprechend anheben. Und da brauche ich aber auch eine Technologie, die dementsprechend mitwachsen kann.

[Thomas Lübbecke] (26:06 - 26:07)
Absolut, ja.

[Bastian Elsner] (26:07 - 26:38)
Jetzt hat KNX ja nicht nur den Ruf, dass es teurer ist, oder dass KNX teuer ist. Es hat ja auch den Ruf, dass KNX kompliziert ist. Und ich würde sagen, ja, KNX kann kompliziert sein. Aber ich bin auch der Meinung, ganz viel Komplexität wird gerade rausgenommen. Ich glaube, du bist da noch tiefer drin. Ich kenne das eben aus den Applikationsteilen, so ein bisschen aus der Herstellerbrille. Vielleicht aus deiner Warte die Anwendersicht: Gehst du mit dem Statement mit, dass KNX jetzt schon einfacher wird?

[Thomas Lübbecke] (26:39 - 28:10)
Erst mal ist es einfacher geworden, dass es mehr Hersteller gibt, mehr Produkte gibt. Ich kann mir noch besser meinen individuellen Blumenstrauß zusammenpflücken. Das ist schon mal erst mal super. Der große Nachteil, der KNX ja immer angedichtet und zugeschrieben wird: Ich habe da diese 1990 anmutende ETS-Parametrier-Software, die nur auf Windows geht. Und da muss ich irgendwie Sachen miteinander verknüpfen, um zwei Geräte miteinander zu koppeln am Ende des Tages. Also um dem Lichtschalter zu sagen, bitte schalt doch jetzt mal das Relais, muss ich da irgendwie komische Sachen verknüpfen. Das ist so aus der Historie gewachsen, und das hat auch seine Daseinsberechtigung.

Ich behaupte mal, in ein, zwei, drei Jahren ist es nicht mehr relevant, dass man das macht, weil die KI-Assistenten das für uns machen werden, oder weil auch die ETS sich als Software weiterentwickelt, weil ich diese Schicht irgendwann gar nicht mehr sehe am Ende des Tages. Stand heute ist das noch ein bisschen mühselig und ein bisschen Fleiß, da diese Projekte zusammenzustöpseln. Das ist aber überhaupt kein Grund, sich gegen diese Technologie zu entscheiden. Wenn ich einmal im Leben ein Haus baue, ist das eine gute Übungsaufgabe, auch technologisch zu verstehen, wie interagieren denn die Dinge miteinander. Der Lichtschalter schickt ein Signal an das Relais, das Relais schaltet sich ein, schickt ein Signal zurück an die LED im Lichtschalter, damit die dann auch an ist und zeigt, das Licht ist eingeschaltet und so weiter. Das ist ja nicht falsch, wenn man dieses Grundprinzip auch mal manuell durchgespielt und Fehler gemacht hat. Dann muss ich zweimal drücken, bis das Licht angeht. Warum ist das so? Es gibt Zentralfunktionen und so weiter. Das lernt man dann, und das ist auch nicht falsch für das Grundprinzip.

[Bastian Elsner] (28:10 - 29:09)
Ich glaube, man kann da auch dem Bauherrn wirklich ein bisschen mehr zutrauen, weil ich habe das auch schon in dem einen oder anderen Projekt erlebt. Da sieht der Bauherr am Ende eigentlich nur das Licht, die Jalousie und die Heizung, hat aber manchmal auch ein bisschen Probleme nachzuvollziehen, für was bezahlt man da eigentlich. Aber was ich mit Zutrauen meine, ist eigentlich, den noch aktiver mitzunehmen, auch in die Parametrierung irgendwie, die Wünsche, das Nutzerverhalten, was ich da zum Beispiel auch total spannend finde. Wie sieht es denn aus? Wir bauen jetzt das Haus, wohnen da vielleicht zu viert drin, irgendwann werden die Kinder erwachsen, die ziehen aus. Wie können wir dieses Haus umnutzen? Wie sind wir da zukunftssicher aufgestellt? Also diese Flexibilität zum Beispiel. Und das sind meiner Meinung nach ganz arg Fragen, da muss man wirklich das Gehirn vom Bauherrn einmal nach außen stülpen. Aber wenn man dem Bauherrn eben nur sagt, es gibt das Licht, es gibt die Heizung und es gibt die Jalousie am Ende, das wird dem Ganzen eben nicht gerecht. Die Kunst ist, die richtigen Fragen zu stellen.

[Thomas Lübbecke] (29:09 - 30:11)
Wenn ich jeden unserer Bauherren frage, wie möchtest du deine Lichtschalter belegt haben am Ende des Tages, da sind drei Wippen drauf, dann kriege ich 28 Antworten, und alle 28 sind aus der Theorie und dadurch möglicherweise nicht alltagstauglich, weil ich muss dann zweimal klicken, oder ich mache Jalousie rauf runter über eine Taste, einmal drücken rauf, einmal drücken runter und so weiter. Das klingt in der Theorie vielleicht irgendwie benutzbar, aber spätestens in der Praxis, wenn die Ehefrau das bedienen will oder die Haushälterin oder wer auch immer in diesem Gebäude ist, die verzweifelt und lost. Also man muss die richtigen Fragen stellen, nämlich wie nutzt du dein Gebäude, hast du Kinder, wirst du irgendwann vielleicht mal zu Hause arbeiten, wo könnte ein Raum im Gebäude sein, wo der Pfleger später mal wohnt, der dich betreut, kannst du dir vorstellen, auf einer Ebene zu wohnen und so weiter und so weiter. Diese Fragen, in die Zukunft gedacht, die muss man stellen, und da kriegt man auch sehr valide Antworten, weil da sind die Familien eigentlich sehr klar. Es kann keiner in die Zukunft gucken und weiß, ob er krank wird oder nicht, das natürlich nicht, aber was die Lebensentwürfe sind, was Randbedingungen sind, da kriegen wir schon sehr klares Feedback, und das muss einfließen in die Planung. Da müssen wir uns die richtigen Fragen stellen, würde ich sagen.

[Bastian Elsner] (30:11 - 30:44)
Super, und das finde ich sehr spannend, weil das ist ja eigentlich über die, sage ich mal, vielleicht ganz offensichtliche Aufgabe von einem Systemintegrator, es geht ja völlig drüber hinaus eigentlich. Weil man denkt ja, okay, irgendwie, ich sage es mal ganz böse, die Gruppenadressen hin und her schubsen und eben gucken, dass es einfach funktioniert. Aber das ist ja wirklich eine ganzheitliche Beratung, die man eben verstehen muss. Und ich denke, da braucht es eigentlich auch den Systemintegrator, wenn nicht sogar den Architekten, aber der bringt halt meistens nicht das Verständnis auf dem Level mit, wie man es vielleicht jetzt braucht für eine KNX-Installation.

[Thomas Lübbecke] (30:44 - 31:21)
Wenn es gut werden soll, braucht es dieses Spezialwissen, denn wenn ich, ich sage mal, Ersttäter bin, dann weiß ich einfach nicht, wie gut harmoniert die Elsner-Wetterstation mit dem Jalousie-Aktor von Hersteller Y? Wie verknüpfe ich die am besten? Was ist da Best Practice? Welche Hierarchie in den Sicherheitsfunktionen soll ich denn am Anfang erst mal einstellen, damit die Familie da klarkommt und so weiter? Diese Fragen, die kann man gar nicht wissen, weil man das zum ersten Mal macht. Und da macht es total Sinn, einen Profi zu fragen und sich da diese Hilfe zu holen. Das Doing in der Software am Ende, die Umsetzung, das ist eigentlich nicht des Pudels Kern, sage ich mal am Ende des Tages.

[Bastian Elsner] (31:22 - 31:39)
Spannend. Vielen Dank für die Ausführung. Warst du denn auch, also wenn, du hast jetzt von der Rolle gesprochen, die muss erst mal ausgefüllt werden, im besten Fall von einem Systemintegrator. Wurdest du denn auch schon mal in Projekte dazugerufen, wo das Kind quasi schon im Brunnen lag? Da hat man angefangen, aber diese Rolle wurde eben nicht ausgefüllt.

[Thomas Lübbecke] (31:39 - 32:36)
Ganz oft von Bauherren, die zum zweiten Mal bauen. Die sagen, ich lade dich mal ein in das Haus, wo ich jetzt wohne. Da habe ich nämlich diese Schalterbatterie. Hallo, da kannst du mal meine Frau fragen. Die kriegt nämlich die Bang & Olufsen Anlage nicht an, und, keine Ahnung, ich habe 27 Apps auf meinem iPad, was an der Wand hängt. Ich kann sehr viele schmerzvolle Geschichten erzählen, und ich habe sehr viele Post-its an Klingelanlagen draußen gesehen, wo draufsteht, bitte klopfen. In hochmodernen Häusern. Das ist dann die Realität, weil irgendwo ein Gateway aus dem IP-Netzwerk rausgeflogen ist und keine Ahnung was. Und diese Bauherren kommen dann beim zweiten Mal oft auf uns zu, ich will nicht sagen etwas geläutert, und sagen dann, diesmal möchte ich es besser machen. Also gar nicht, ich habe es falsch gemacht, aber ich verstehe jetzt, dass eine gewisse Komplexität da drin ist in den Details und dass man über Bedienkonzepte nachdenken muss und dass man Nutzerverhalten sich überlegen muss und dass man ein bisschen Erfahrung braucht zu wissen, wo hänge ich jetzt das Touch-Panel hin und wie viele hänge ich denn da jetzt hin und so weiter. Das ist eigentlich die Expertise, die die Bauherren dann einsehen, sage ich mal, dass sie die brauchen.

[Bastian Elsner] (32:37 - 33:01)
Ja, super. Also echt, finde ich total spannend. Aber wenn die Bauherren dann, gerade die, sage ich mal, Wiederholungstäter, die zum zweiten Mal kommen, haben die dann gesagt, okay, KNX ist irgendwie blöd, das liegt an der Technologie, oder wird da dann schon differenziert? Okay, da ist nicht die Technologie schuld, sondern das ist, wie die Technologie geplant, eingesetzt, parametriert worden ist. Also findet die Unterscheidung statt?

[Thomas Lübbecke] (33:02 - 34:10)
Ja, ich glaube schon, dass zumindest die Bauherren, die dann beim zweiten Mal zu uns kommen, die wollen ja wieder mit der Technologie sich auseinandersetzen. Aber auch da muss man sehen, jedes Auto ist für jeden. Wenn ich irgendwie einen Kombi brauche, weil ich die Familie durch die Gegend fahre, macht halt einfach der Zweisitzer nicht so viel Sinn. Und wenn ich überhaupt nicht technisch affin bin und bin froh, dass ich ein sehr ökologisches, sehr naturbelassenes Haus baue, ist vielleicht auch diese Technologie nicht die richtige. Ich glaube aber, Gebäudeautomation ist im Jahr 2026 de facto eigentlich Standard für einen Neubau. Die Frage ist nur, in welchem Umfang. Ich kann ja auch sehr wenig oder sehr klein anfangen, sage ich mal, indem ich nur meine Beleuchtung steuere und das schön mache und meine Fußbodenheizung steuere und meine Jalousien, das sind so die drei Standardgewerke. Das ist, ich will nicht sagen kostenneutral, aber da habe ich eine sehr geringe Einstiegshürde. Ich bin aber sehr zukunftsfähig dann damit. Und das macht total viel Sinn. Und das zweite Missverständnis ist, dass Gebäudeautomation immer übergeneralisiert wird. Es heißt ja immer, ja, jetzt habe ich da 100.000 Euro auf dem Angebot stehen, aber da ist ein WLAN-Netzwerk mit drin. Das hat mit KNX ja oder nein gar nichts zu tun.

[Bastian Elsner] (34:10 - 34:11)
Das wäre so oder so dabei.

[Thomas Lübbecke] (34:12 - 34:39)
Genau, da ist eine Klingellösung drin. Da muss ich mich entscheiden. Habe ich eine Haustür mit Motorschloss und will ich Video-Gegensprechen? Will ich das weiterleiten aufs Handy und so weiter? Aber auch das hat mit KNX ja oder nein nichts zu tun. Und das muss man sehr differenziert betrachten, und das geht, glaube ich, sehr oft durcheinander. Und deswegen entsteht auch diese Misswahrnehmung im Markt. Ah, KNX ist so teuer. Aber es ist oft gar nicht der KNX-Teil, sondern es ist die grundlegende Ausstattung oder die gesamte technische Ausstattung in dem Gebäude, die sich dann halt aufsummiert, wenn ich viele Gewerke auf einem gewissen Level zusammenbringe. Das ist eher das.

[Bastian Elsner] (34:39 - 35:15)
Ja klar. Und die Komplexität kommt natürlich dazu. Ich mache das nicht jeden Tag. Ich gucke mir nicht jeden Tag so ein Angebot an. Ich sehe das, wie oft baut man im Leben? Ein- bis zweimal? Ich denke, das ist wahrscheinlich schon die Ausnahme. Man ist damit auch einfach nicht so viel konfrontiert. Und das ist ein fremdes Thema. Das ist auch sehr anstrengend, sich da entsprechend reinzudenken. Und ich kann es schon leider verstehen, warum es manchmal so passiert und dann eben der Ruf irgendwie nicht so ein guter ist. Aber das liegt eben meistens auch an vielschichtigen Gründen und eben nicht ganz offensichtlich. Okay, KNX ist irgendwie doof.

[Thomas Lübbecke] (35:15 - 35:48)
Und man muss einfach trennen. Das Thema Elektroinstallation und Gebäudeautomation, das sind zwei Gewerke. Ich brauche jemanden, der handwerklich einen exzellenten Job macht auf der Baustelle. Wir brauchen ja die Elektrofirmen, die sind ja super, super wichtig. Wir wollen die ja gar nicht weglassen. Aber es kommt einfach eine Schicht dazu. Und bei dieser Schicht, die dazukommt, muss man sich fragen, wer kann diese Rolle, diese Schicht am besten planen, ausführen, begleiten. Derjenige mit dem Werkzeugkoffer auf der Baustelle ist halt nicht derjenige mit dem Laptop. Und ich brauche aber beide, blöderweise, in dieser Technologie. Vielleicht sind es auch dann schlauerweise zwei Personen.

[Bastian Elsner] (35:48 - 36:20)
Spannend, spannend. Vor allen Dingen da noch mal die Unterscheidung. Ich weiß, wir haben den einen oder anderen Bauherrn bei unseren Zuhörern dabei, die auch gerade drüber nachdenken, in der Evaluierungsphase sind, welche Technologie könnte es denn irgendwann mal werden. Und viele sind da bestimmt auch am Überlegen, okay, die Entscheidung, mache ich das selber, ziehe ich da einen Profi zu Rate, der mich da ein bisschen an die Hand nimmt. Ist jetzt vielleicht eine Fangfrage, aber deiner Meinung nach, woran erkennt ein Bauherr, ob er einen guten Integrator erwischt hat oder vielleicht einen nicht ganz so guten?

[Thomas Lübbecke] (36:21 - 37:10)
An den Fragen, die der Integrator stellt und wo er im Prozess ansetzt. Unser erster Leistungsbaustein ist immer eine Bedarfsanalyse. Wir müssen mit den Kunden erst mal herausfinden, wer bist du, wer wohnt da, ist dein Haus auf Mallorca oder in Deutschland, arbeitest du im Homeoffice oder nicht? Das sind ja ganz elementare Dinge, die den Ausstattungsstandard dann möglicherweise definieren und auch die Anforderung. Brauche ich einfach super gute Beleuchtung an meinem Homeoffice-Arbeitsplatz, weil ich da überwiegend arbeite, oder ist es halt einmal im Monat, dass ich da zwei Stunden sitze? Das macht ja einen Unterschied. Ich glaube, an den Fragen, die einem gestellt werden als Bauherr am Anfang des Prozesses, bevor ein Angebot geschrieben wird. Wenn du mich jetzt fragen würdest, welches Auto soll ich kaufen, kann ich auch nicht sagen, kauf ein X oder Y, sondern ich muss erst mal verstehen, was willst du denn machen mit dem Auto? Willst du deine Kinder zum Kindergarten fahren oder willst du Bauschutt durch die Gegend fahren? Was willst du denn machen damit?

[Bastian Elsner] (37:10 - 37:11)
Nutzerverhalten.

[Thomas Lübbecke] (37:11 - 37:26)
Genau. Und ich glaube, da muss man anfangen. Und daran erkennt man, ob jemand vorne in der Kette anfängt zu denken oder ob er von den Produkten irgendwie, ich sage mal, großhandelsgetrieben kommt und sagt, ich möchte jetzt das Hersteller-XXX-Smart-Home irgendwie jemandem verkaufen. Das ist meist der falsche Weg.

[Bastian Elsner] (37:26 - 37:45)
Spannend. Okay, also auch gerade noch mal, das heißt für mich eigentlich, die Produkte, also das interessiert mich natürlich als Hardwarehersteller, die kommen aber eigentlich im Prozess erst relativ spät. Nach HOAI, ist das diese Bedarfsanalyse, ist das wirklich die offizielle Phase 1, oder ist das so eine Phase 0, die ihr da, also CASAIO im Prinzip, nach vorne heranstellt?

[Thomas Lübbecke] (37:45 - 39:03)
Wir arbeiten in den Privathäusern oft nicht nach HOAI, weil die diesem Workflow oft nicht gerecht wird. Der Architekt denkt in Leistungsphasen, Vorentwurf und so weiter. Man könnte das einsortieren in die Vorentwurfsphase am Ende des Tages, wenn man das hart in diese Nomenklatur pressen will. Wir haben ja auch in der Elektroplanung, da weiß ich nicht, welche Leistungsphase das ist, dann in der Ausführungsplanung haben wir auch eine integrale Fachplanung, nennen wir das. Man muss ja irgendwie die einzelnen Fachplanungen von Heizung, Lüftung, Sanitär, vom Küchenplaner, vom Poolbauer, vom Fliesenspiegel vielleicht, den sich einer irgendwo überlegt hat, Oberflächen und so weiter, das muss man ja in der Zusammenschau betrachten, um dann ein gutes Gesamtkonzept daraus zu machen. Ganz plakatives Beispiel: Ich muss diese Bauteile an der Decke irgendwie hübsch sortieren, und der Lichtplaner sagt, ja, ich will schon, dass meine Leuchte in den Schrank reinguckt. Das macht total Sinn. Dem Lüftungsbauer ist es total egal, wo sein Lüftungsauslass ist im Raum. Der sagt, ich habe halt da Abluft in diesem Raum. Dem Rauchmelder ist es mehr oder weniger egal, ich muss halt gewisse Normen einhalten, ich darf nicht zu dicht an die Außenwand gehen. Und dem Präsenzmelder ist es überhaupt nicht egal, wo der sitzt. Der muss genau dort sitzen, wo er halt positioniert werden soll, damit er sinnvoll seine Aufgabe erfüllt. Und diese Zusammenschau ist aber notwendig. Und das ist ja so in der HOAI gar nicht so richtig berücksichtigt, dass es diese Schicht auch noch gibt.

[Bastian Elsner] (39:03 - 39:29)
Ich meine, das ist ja auch meistens das Thema, wo es dann schiefgeht, die gewerksübergreifende Kommunikation. Das ist ja auch meistens in der Planung das Problem. Man kennt das ja auch selber. Der Heizungsbauer möchte am allerliebsten seinen Thermostat noch mitverkaufen. Dann kommt noch im Prinzip der Klimatechniker, der dann auch noch mal eine Fernbedienung irgendwo an die Wand heften möchte. Das ist natürlich, als jemand, der weiß, wie man mit KNX arbeitet und wie man Gewerke entsprechend zusammenbringt, das ist natürlich das Grauen. Aber mehr als genug Projekte sieht man dieser Art.

[Thomas Lübbecke] (39:30 - 40:05)
Ja, ist ja auch ein sehr undankbarer Job, irgendwie am Ende des Tages allen immer wieder hinterherzulaufen, die gar kein Bewusstsein für das große Ganze haben. Da kann ja keiner was dafür. Der Schreiner weiß, ich habe da irgendwie eine F90-Brandschutztür zu meiner Garage. Und der Bauherr sagt, aber ich hätte da gerne ein Motorschloss, weil da gehe ich immer rein, wenn ich mein Auto in der Garage parke. Dann gehe ich gar nicht durch meine Haupthaustür, sondern die ist nur für die Gäste. Ich gehe immer durch die Garage. Ich brauche da auch ein Motorschloss. Dieses Bewusstsein dann zusammenzubringen, dass man aus seinem einzelnen Gewerk rausspringt, um das große Ganze zu sehen, das ist ja auch für den Einzelnen gar nicht leistbar. Aber es ist notwendig, damit das Endergebnis gut ist.

[Bastian Elsner] (40:05 - 40:22)
Finde ich total spannend. Ich frage da natürlich auch so ein bisschen aus eigenem Interesse: Wie kann da eigentlich ein Hersteller unterstützen? Oder was erwartet ihr da von Herstellern? Oder sind Hersteller überhaupt in der Lage, solche Probleme zu lösen? Oder müsste man da eigentlich an jemand anderen rangehen?

[Thomas Lübbecke] (40:22 - 41:41)
Ich stehe so ein bisschen auf dem Kriegsfuß mit dem Großhandelsprinzip, was ja in der Elektroinstallationsbranche üblich ist. Es gibt den Hersteller, und der Hersteller redet gar nicht mit dem Endkunden. Ihr als Elsner habt maximal Fachhandelspartner. Ganz klassischerweise habt ihr den dreistufigen Vertriebsweg. Ihr verkauft eure Produkte an den Großhandel. Und was ja schwierig ist, dass die Planer gar nicht genau wissen, was kann denn das Produkt? Wo ist denn die Grenze? Natürlich gibt es eine Support-Hotline, und die Hersteller sind sehr bemüht.

Aber wir haben ganz oft stundenlang Fehler auf der Baustelle gesucht und dann ganz entnervt nach 14 Tagen irgendwann den Hersteller angerufen, und dann hieß es, ja, das war ein Bug, den kannten wir, der ist halt in irgendeiner Softwareversion drin gewesen. Natürlich schreibt das keiner auf seiner Webseite irgendwie: Hallo, wir haben hier in dem Produkt XYZ an irgendeiner Stelle in irgendeinem Untermenü einen blöden Fehler, und deswegen geht irgendwas nicht. Als Anwender, also Integrator, läufst du aber genau in diese Fehler irgendwann rein. Ich weiß nicht, wie man das auflöst, aber das ist zum Beispiel ein Schmerzpunkt, wo die Hersteller irgendwie helfen müssten, indem sie zumindest intern irgendwie, sie müssen ja nicht jedem Endkunden da draußen erzählen, unser Produkt hat da und da irgendwelche Grenzen. Aber jemand, der es verarbeitet, muss wissen, da ist ein Stolperstein. Da haben wir sehr viel Lebenszeit schon verloren, weil wir uns einfach mit Problemen herumgeärgert haben, die bekannt waren, aber wir wussten es einfach nicht.

[Bastian Elsner] (41:42 - 42:24)
Ja, das sind natürlich sehr komplexe Themen. Ich bin auch nicht so ein krasser Freund des dreistufigen Vertriebs, aber das hat vielleicht andere Gründe. Für mich ist es einfach extrem schade, nicht zu sehen, wo die Produkte eingesetzt werden, wer die Produkte einsetzt und was er überhaupt von diesem Produkt nutzt. Das ist natürlich für die zukünftige Produktentwicklung extrem wertvoll. Deswegen, da kann ich jetzt aber nur für die Firma Elsner sprechen, haben wir ein großes Interesse zuzuhören, rauszugehen, solche Gespräche wie auch unsere Podcastaufnahme heute zu machen. Das sind alles Learning Opportunities für eine Firma, um die Produkte hinten raus ein Stückchen besser zu machen. Aber das ist eben auch begrenzt. Wir haben nur 24 Stunden Zeit am Tag und können nur mit so und so vielen Menschen sprechen. Und wenn wir nicht wissen, wo die Produkte hingehen, haben wir sowieso keine Chance.

[Thomas Lübbecke] (42:24 - 43:03)
Diesen Feedbackloop zu schließen, das ist das Problem, was das klassische Elektroplanungsbüro oft nicht hinbekommt. Die machen eine Ausschreibung, die planen was, und die sagen, wir planen jetzt die Elsner-Wetterstation da ein, Modell X, und das wird schon passen. Die kriegen nie das Feedback, was ist denn auf der Baustelle passiert, was hat denn der Monteur für eine Schwierigkeit gehabt, was könnten die denn lernen aus dieser Rückmeldung der Realität. Das ist so ein bisschen unsere Superpower, weil wir ja nicht nur planen, sondern dann auch programmieren und diesen Regelkreis schließen können, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Da sitzen die Hersteller natürlich noch mal vorne dran. Die müssten irgendwie auch dieses Marktfeedback vorne wieder einkippen, das wäre irgendwie total sinnvoll.

[Bastian Elsner] (43:03 - 43:34)
Ich habe leider noch keine Lösung gefunden. Ich werde selber mit Leistungsverzeichnissen konfrontiert, wo teilweise Produkte ausgeschrieben sind für Projekte, die in den nächsten paar Jahren realisiert werden sollen, von Produkten, die es seit über 15 Jahren nicht mehr gibt. Also mit irgendwelchen DCF-Empfängern, da steht heute normalerweise immer GPS dran, worüber wir das Zeitsignal bekommen. Und du merkst schon, wenn du dir eine Ausschreibung von dem einen oder anderen Planungsbüro durchliest, dann weißt du eben, da geht die Schublade im Prinzip auf, da wird eine alte Ausschreibung rausgeholt. Und das ist natürlich auch extrem frustrierend, wenn das schon viele Varianten hinten raus gibt.

[Thomas Lübbecke] (43:34 - 43:47)
Was die Hersteller vielleicht machen können: mehr Praxiserfahrung zu teilen, mehr Use Cases zu generieren, damit die Planer besser verstehen, wann macht denn welches Produkt Sinn. Also aus einem Datenblatt abzuleiten, passt das jetzt für das, was ich da vorhabe? Das ist extrem schwierig.

[Bastian Elsner] (43:48 - 44:11)
Ja, verstehe ich. Cool, vielen Dank für die Tipps und für die Hinweise. Das nehme ich auf jeden Fall mit. Ich habe es vorhin angekündigt, und auch wenn ich so ein bisschen auf die Zeit schiele, wird es wirklich höchste Eisenbahn, dass wir zum eigentlichen Thema kommen, und zwar die Zugänglichkeit. Du hast es vorhin auch schon so ein bisschen erwähnt, ihr habt da nämlich eine KNX Masterclass. Magst du mal so ein bisschen erzählen, worum es da geht?

[Thomas Lübbecke] (44:11 - 45:46)
Im Wesentlichen geht es darum, dass viele Häuslebauer offen sind für das Thema Gebäudeautomation. Aber, und das kann unterschiedliche Motive haben, entweder sie haben nicht die 100.000 Euro übrig, um das Thema Elektroinstallation von jemandem komplett machen zu lassen, weil das sind oft tatsächlich realistische Zahlen, die wir sehen für das Thema Elektro. Oder die haben einfach auch Spaß daran, diese Technologie zu verstehen. Nicht nur den Prozess zu begleiten, also ein bisschen das Modelleisenbahn-Bauen darf ja auch Spaß machen, aber die wollen einfach die Technologie verstehen, die wollen die Hintergründe verstehen, damit sie später auch befähigt sind, selber Dinge weiterzuentwickeln, weil es ja gerade ein System ist, das sich in der Zukunft anpassen kann an meine noch nicht jetzt bekannten Bedürfnisse.

Und das macht ja total Sinn, gar nicht dieses Wissen in dem Systemintegrator nur zu bündeln, sondern als Bauherr gut aufgeschlaut, gut aufgeskillt, einen Grundlagenkurs zu bekommen, oder wie sagen wir, einen Führerschein zu bekommen für das Thema, damit ich danach auch selber damit proaktiv gute Dinge tun kann und nicht meine Lebenspartnerin aus dem Fenster springt, weil sie total genervt ist, weil schon wieder irgendwas nicht funktioniert. Wir wollen eigentlich den Bauherren was Gutes tun, um sie zu befähigen, selber das Thema KNX zu beherrschen und um sinnvoll zu planen, weil man baut idealerweise nur einmal. Es muss auf den ersten Wurf richtig sein, dafür muss man ein paar Dinge richtig machen, und dann hat man sehr viel Zeit hinten raus, das System zu erweitern. Das ist eigentlich so ein bisschen der Ansatz, also den Häuslebauern Sicherheit zu geben, einerseits in diesem Prozess, damit die sicher über die Ziellinie laufen und ein cooles Startsystem haben, oder je nachdem, was halt die persönliche Ziellinie ist, das kann variieren. Dafür haben wir die Masterclass entwickelt, also Bauherrenbegleitung.

[Bastian Elsner] (45:47 - 46:31)
Okay, finde ich total spannend, weil gerade diese Accessibility oder die Zugänglichkeit vom eigenen System, das auch wirklich in der Gänze zu verstehen und dann eben auch sagen zu können, in die Richtung sollten wir die Anpassung machen oder nicht, habe ich auch selber als so ein, was heißt klein, das ist eigentlich ein großes Manko vom KNX-Standard. Es liegt zum einen auch an der ETS, das ist ein kleines Investment, das muss ich erst mal tätigen, bis ich darauf zugreifen kann. Ich will es nur mal von der anderen Seite beleuchten. Bei uns im Portfolio haben wir ein KNX-Matter-Gateway, und ich war felsenfest davon überzeugt, das kauft sich nur jemand, der eine KNX-Installation hat und der hat dann irgendwo vergessen, noch einen Fensterkontakt hinzumachen. Und deswegen braucht er das Matter-Gateway, um da irgendwie noch so einen ganz günstigen IKEA-, Shelly-, was auch immer Fensterkontakt zu integrieren.

[Thomas Lübbecke] (46:31 - 46:31)
So dachtest du?

[Bastian Elsner] (46:32 - 47:14)
So dachte ich. Und dann haben wir mal eine Umfrage gemacht, ob das wirklich so ist, weil das hat uns einfach interessiert. Wir überlegen auch, wollen wir in Zukunft irgendwie Matter-Produkte machen? Könnte ja eine ganz spannende Geschichte für Sensorhersteller sein. Mich hat es echt schockiert, weil die Leute haben gesagt, nee, ich habe da noch kein einziges Matter-Produkt integriert. Mir ging es eigentlich nur darum, ich trage doch schon immer meine Visualisierung in der Hosentasche mit rum. Mein Apple Home oder mein Google Home, das kenne ich. Da weiß ich auch, wie ich eine kleine Automation mache. Da komme ich mir zurecht. Da kann ich es direkt steuern, und ich kann es auch von woanders aus steuern. Und das war wirklich so ein Accessibility-Thema, dass die Leute eine Benutzeroberfläche, die sie ohnehin schon kannten, über ihre vielleicht ganz tolle KNX-Visu drüberlegen können. Und das hat einfach besser gepasst. Zugänglichkeit.

[Thomas Lübbecke] (47:15 - 47:49)
Spannend, ja. Das ist ja so ein bisschen die Hürde. Ich brauche diese ETS-Software, da muss ich parametrieren. Dann habe ich immer noch keinen Visualisierungsserver, ist ja so unser Fachbegriff. Ich habe immer noch keine App dazu. Am Ende des Tages muss ich mich noch mal entscheiden, dann was mache ich, Home Assistant oder irgendwas von einem bekannten Hersteller. Das ist halt die Frage. Und da ist ja auch sehr viel Unsicherheit in diesem Markt, weil dieser Markt sehr unübersichtlich ist tatsächlich. Und diese Orientierung zu geben, das macht uns sehr viel Spaß. Und da kann das ja genau diese Antwort sein am Ende des Tages: Hallo, hol dir irgendwo ein Gateway zu einer von dir schon vertrauten Umgebung. Und dann hast du diese Brücke geschlagen.

[Bastian Elsner] (47:50 - 48:01)
Super. Es kommt auch wieder zurück zu den Nutzungspräferenzen. Ich lege nichts drüber [Satz im Original inhaltlich unklar]. Wie wird das denn angenommen? Ich weiß nicht, kannst du da so ein bisschen über Zahlen sprechen? Wie viele Teilnehmer habt ihr im Jahr, im Monat?

[Thomas Lübbecke] (48:02 - 49:26)
Wir sind immer eine relativ nette, überschaubare Gruppe. Das Thema ist, das Bauen dauert ja eine Weile. Ich brauche am Anfang ein bisschen Anschubenergie mit unserer Hilfe, Grundlagen zu verstehen, das Konzept zu verstehen. Dann gibt es ja auch eine Phase, wo dieses Gebäude realisiert wird. Da sind wir dann so ein bisschen Ansprechpartner im Hintergrund. Da geht es dann auch um Bauablauf. Welche Halux-Dose auf der Betondecke? Wie kriege ich da jetzt das Leerrohr angeschlossen und so weiter? Was kann ich da bauüberwachend als Bauherr unterstützen? Wie kann ich Fehler erkennen auf der Baustelle? Wir begleiten im Prinzip den ganzen Prozess.

Deswegen dauert die Begleitung oft, ich sage mal, zwölf, 15 Monate. Und dadurch entzerrt sich so ein bisschen auch der Supportbedarf, sage ich mal, auf unserer Seite, weil ich immer in bestimmten Phasen tiefer drin bin im Thema, mich mehr mit Elektro auseinandersetze. Und dann habe ich aber auch, wenn ich kernsaniere zum Beispiel, auch einfach Monate, da muss ich mich erst mal um die Dämmung, ums Dach und so weiter kümmern. Dann kann man uns auf Pause drücken, sozusagen, und später wieder einsteigen. Wir begleiten den ganzen Bauprozess und haben, ich sage mal, immer so 10, 15, 20 aktive Teilnehmer. Und das ist eine super Schwarmintelligenz dann auch. Wir haben immer gedacht, alle Leute wollen 1 zu 1 Betreuung haben, weil ich will ja 1 zu 1 mit dem Profi reden. Wollen die gar nicht. Die finden das total gut, und das ist, auch das durften wir lernen, eine Riesenbereicherung, wenn ich aus den Themen der anderen lernen kann. Wenn ich auch einfach die mal fragen kann, so wie habt ihr das denn gemacht? Habt ihr das auch so und so gelöst? Oder wo habt ihr denn euer Touch-Display im Wohnzimmer hingehängt? Welche Hersteller mögt ihr denn gerne? Die freuen sich total über diesen Austausch auch untereinander.

[Bastian Elsner] (49:26 - 49:27)
So eine positive Selbsthilfegruppe.

[Thomas Lübbecke] (49:28 - 50:16)
Genau. Ich habe selber sehr viel Coaching gemacht. Wir machen zum Beispiel eine WhatsApp-Gruppe mit den Kunden. Das habe ich damals auch kennengelernt. Wir haben also mit jedem Kunden eine individuelle WhatsApp-Gruppe und als zweite Schicht Live-Calls, die wir dann im Gruppensetting machen. Und diese Kombination ist so ein bisschen der Sweet Spot. Ich kann mal schnell eine Frage stellen und kriege sehr schnell eine Antwort. Brauche ich jetzt wirklich ein fünfadriges Kabel für die Rollos? Ich habe doch nur, keine Ahnung, rauf und runter. Dann können wir das in zwei Minuten beantworten. Das ist für uns eine einfache Frage, aber für die Bauherren total essenziell, das jetzt auch zu wissen und um keinen Fehler zu machen. Und manchmal sind es auch Sachen, da will man was diskutieren, was besprechen. Da macht dieses Gruppensetting dann plötzlich total viel Sinn. Und dann zeichnen wir auch diese Live-Calls auf. Ich kann also auch in der Vergangenheit gucken, was haben andere Leute für Fragen gestellt. Das ist ein total cooles Konzept in Kombination. Das sind auch Puzzlesteine am Ende, die sich zusammensetzen, um jedem den Support zu geben, den er braucht, um ein cooles Ergebnis zu kriegen.

[Bastian Elsner] (50:17 - 50:41)
Also das hört sich wahnsinnig spannend an. Ich denke, auch die Fragestellungen, die darin betrachtet werden, vor allem, wenn sich die Fragen wiederholen, da ergibt sich natürlich auch ein ganz schöner Wissensschatz. Und auch irgendwie die Probleme und natürlich auch extrem Know-how für euch. Was sind denn eigentlich die Problemstellungen von den Bauherren? Weil ja, man kann viel überlegen, man kann auch viele Vermutungen anstellen, aber am meisten weiß man es tatsächlich im direkten Austausch.

[Thomas Lübbecke] (50:41 - 51:23)
Und wir öffnen ganz vielen Bauherren auch die Augen für das Thema Lichtplanung. Also ein schönes Gebäude. Was sehe ich denn am Ende des Tages, wenn ich ein KNX-Haus habe? Ich habe Lichtschalter, mit denen ich interagiere. Ich habe vielleicht irgendeine App, die ich sehe. Ich habe auch hübsche Beleuchtung, die irgendwie wirken soll, die nicht flackern soll, die indirekt ist und so weiter. Das Thema Lichtplanung nehmen wir auch sehr tief mit. Und da öffnen wir sehr oft die Augen bei den Bauherren, die sagen, ich habe noch nie eine Sekunde über das Thema Lichtplanung nachgedacht, aber ich verstehe jetzt, wie wichtig das ist und welche Fragen man sich stellen muss, und nehme mir auch die Zeit dafür, dann diese Fragen alle durchzugehen, weil das auch noch mal ein Riesenhebel ist im Gesamtergebnis. Bauen ist einfach komplex, hat viele Schichten, und KNX ist ein Puzzlestein, wenn man es richtig einsetzt, wirkt gar nicht so für sich alleine, sondern in der Zusammenschau oft mit anderen Dingen.

[Bastian Elsner] (51:24 - 51:45)
Ja, cool. Also ein Gedanke oder die Frage, die kann ich mir jetzt nicht verkneifen, weil eigentlich kannibalisierst du dich ja selber. Du enablest ja eigentlich Leute, die auch potenzielle Kunden für dich gewesen wären, eine ganzheitliche, integrale Systemintegration zu machen. Was ist da der Hintergedanke? Habt ihr da nicht Angst, dass ihr euch selber irgendwie die Kunden abluchst?

[Thomas Lübbecke] (51:46 - 52:19)
Du musst dir das vorstellen so ein bisschen wie eine Agentur, die Webseiten baut, sage ich mal. Es gibt einfach immer Leute, die wollen das Ergebnis haben: Bau mir bitte eine Website. Und es gibt Leute, die wollen gezeigt kriegen, wie man eine Webseite baut. Und der eine ist der eine, der andere ist der andere. Also jemand, der es selber machen will, sucht in aller Regel keinen Systemintegrator, der alles für ihn macht. Und jemand, der sagt, ich brauche aber, ich habe keine Zeit, ich bin Unternehmer, ich habe keine Lust, mich damit auseinanderzusetzen, aus welchem Grund auch immer, der will es nicht selber machen. Es sind eigentlich eher zwei verschiedene Kundenavatare am Ende des Tages. Von daher, nein, das ergänzt sich sehr schön.

[Bastian Elsner] (52:20 - 53:02)
Cool, cool, okay. Ja, finde ich total spannend. Ich meine, das habe ich im Gespräch mit dem ein oder anderen Online-Großhändler mal gehört. Die haben ihre Zielgruppe als den Tech-savvy Individual. Also total fancy Begriffe, aber es ist im Prinzip der Einzelnutzer, der schon auch Bock hat, sich in der Tiefe mit den Themen auseinanderzusetzen. Und das sind auch die, die sich ganz gerne mal das Material selber kaufen und dann auch Hand anlegen. Und sie sagen, das ist eine Zielgruppe, die wird größer. Und ich denke, auch wenn sich der KNX-Standard da vielleicht noch in eine noch mehr zugängliche Richtung entwickelt, noch ein bisschen einfacher wird, noch simpler eben, wird das vielleicht auch noch viel relevanter in der fernen Zukunft. Ich fände es als Hersteller natürlich total schön, weil die Flut würde alle Schiffe irgendwo anheben.

[Thomas Lübbecke] (53:03 - 53:56)
Wir machen das ja aus Leidenschaft in erster Linie. Ich glaube, das wird auch klar, wenn man mit uns redet. Uns macht dieses Thema einfach Spaß, und wir freuen uns über jeden, den wir in die richtige Richtung schubsen können. Und wenn der einen Online-Kurs braucht oder nur unser Buch liest, um eine Orientierung, einen Einstieg zu finden, ist das auch wunderbar. Jeder soll das kriegen, was er braucht. Das ist uns total wichtig. Dafür stehen wir auch einfach. Und wenn einer sagt, komm in ein kostenloses Beratungsgespräch, dazu sind alle herzlich eingeladen. Geht auf casaio.de, bucht euch ein Erstgespräch, redet mit uns eine Viertelstunde. Das kostet nichts. Da kann man nur schlauer rausgehen. Wir haben ja alle Konstellationen gesehen. Mit Bauträger, ohne Bauträger, mit Architekt, Kernsanierung, Neubau. Das kennen wir alles. Wir können sehr schnell einfach aus der Vielzahl der Gespräche, die wir geführt haben, eine Richtung sehen, die sinnvoll ist. Und das geben wir ja kostenlos mit. Das ist ja überhaupt kein Thema. Das ist eigentlich das, was uns antreibt, was uns Spaß macht. Und dann sind es natürlich Leute, die dann auch hängen bleiben, die sagen, ja, ich will trotzdem mit euch arbeiten, in welcher Form auch immer. Aber wir sind nicht böse, wenn jemand am Ende nicht unser Kunde wird.

[Bastian Elsner] (53:57 - 54:34)
Verstanden. Also finde ich total cool. Also nicht nur, weil ich bei euch heute hier bin. Ich finde, es ist wirklich ein innovativer Ansatz, der auch wirklich der ganzen Branche zugutekommt. Ich bin gespannt, wann der eine oder andere die Idee mit der Masterclass abschaut, ob es da vielleicht irgendwann noch mehr Programme gibt. Jetzt muss ich noch mal so ein bisschen auf die Zeit schielen. Wir sind echt schon weit vorangeschritten in unserem Gespräch heute. Ich fand es total cool. Ich durfte selber auch wieder eine Menge lernen. Aber ich habe noch so ein paar klassische Abschlussfragen. Und zwar, wenn du der KNX-Branche etwas wünschen dürftest, was vielleicht in fünf Jahren anders ist als heute, was für einen Wunsch würdest du mitgeben?

[Thomas Lübbecke] (54:35 - 55:24)
Macht es den Endanwendern einfacher. Schafft mal diese initialen Kosten ab. Warum muss ich denn eine Software kaufen als Häuslebauer, der einmal im Leben ein Haus baut? Das halte ich nicht für zeitgemäß. Dass die Profi-User eine Profi-Lizenz brauchen, weil sie Hunderte Projekte machen, das ist ja okay. Wir sind ja auch Profi-User. Aber warum muss ich denn als Einmal-im-Leben-ich-baue-ein-Haus-Mensch irgendwie da eine teure Software kaufen? Das halte ich nicht für zeitgemäß. Und das löst sich jetzt ein Stück weit auf, macht diese Konfiguration einfacher am Ende des Tages. Löst euch mal von diesem Windows-95-Mindset. Da hilft uns jetzt KI ein bisschen. Da kann man Sachen jetzt automatisch verknüpfen und so weiter. Das ist was, was sich zum Glück von alleine auflösen wird jetzt. Das sind eigentlich so die Engpässe, die ich sehe in diesem Markt.

[Bastian Elsner] (55:24 - 55:30)
Super. Dann würde ich gerne noch die andere Seite der Medaille hören. Was soll denn bitte genauso bleiben, wie es jetzt gerade ist?

[Thomas Lübbecke] (55:30 - 56:09)
Die Produktvielfalt. Das ist ja das Tolle an diesem Markt, dass ich diese 500 Hersteller habe und dass ich mir wirklich meinen individuellen Blumenstrauß zusammenbauen kann. Ich kann mir die Rosinen rauspicken. Vielleicht brauche ich eine Elsner-Wetterstation, weil ich Jalousien oder Rollladen habe, weil mir gewisse Dinge wichtig sind. Brauche ich vielleicht Lichtschalter, die einen gewissen Designanspruch erfüllen und so weiter. Das ist ja genau der Charme, den dieser KNX-Standard mit sich bringt. Und je mehr Auswahl es gibt, auch wenn es natürlich dann die Vielfalt auch unübersichtlich macht, logischerweise, da braucht es ein bisschen Orientierung. Die Qual der Wahl. Aber das ist eigentlich der Riesenvorteil. Wir können wirklich dieses Cherry-Picking machen. Da kann es nicht genug von geben. Also super.

[Bastian Elsner] (56:10 - 56:27)
Das nehme ich natürlich als Hersteller auch gerne mit. Perfekt. Also erst mal vielen, vielen Dank für den Austausch heute. Ich bin mir sicher, wir haben jetzt den einen oder anderen Zuhörer wirklich neugierig gemacht. Wo kann man denn noch mehr über dich, Thomas, oder vielleicht auch über CASAIO erfahren, über euer Bauherrenprogramm?

[Thomas Lübbecke] (56:28 - 56:35)
Also das Bauherrenprogramm ist sehr einfach. Es ist knx-masterclass.de. Das findet man im Internet. Einfach eintippen. CASAIO Masterclass zum Beispiel.
[Bastian Elsner] (56:35 - 56:36)
Hauen wir auch in die Shownotes.

[Thomas Lübbecke] (56:36 - 57:02)
Sehr gerne. Ansonsten casaio.de, unsere normale Website, da findet man uns. Folgt uns auf Instagram. Da kriegt ihr ein bisschen mit, wie wir als Unternehmen ticken. Was machen wir so? Wo sind wir unterwegs? Wir dürfen ja nicht immer alles zeigen, was wir so machen. Aber ich glaube, das ist auch lohnenswert, uns da zu folgen. Genau, das sind eigentlich so die wichtigsten Punkte. Und einfach mit uns in den Dialog gehen, egal auf welchem Weg. Ein kostenloses Beratungsgespräch buchen, findet ihr auf der Website. Mit uns mal reden. Da kann ich nur jeden zu ermutigen.

[Bastian Elsner] (57:02 - 57:30)
Ja, super. Vielen Dank. Die ganzen erweiterten Links, die hauen wir auf jeden Fall alle unten in die Shownotes. Aber einen würde ich noch zusätzlich dazu hauen, und zwar den Link zu eurem YouTube-Channel. Den habe ich nämlich auch erst vor Kurzem selber entdeckt, und das ist auch eigentlich der Grund, warum ich heute bei euch war. Wir haben nämlich auch ein Video zusammen aufgenommen, und ich denke, das könnte auch ungefähr zeitgleich rauskommen. Also schaut unbedingt mal auf dem YouTube-Kanal vorbei. Da sind richtig spannende Videos dabei. Ich habe da einen schönen Abend lang mich mal informieren können.

[Thomas Lübbecke] (57:30 - 57:55)
Vielen Dank. Das ist eigentlich unser wichtigstes Marketing-Instrument. Ich habe es jetzt glatt vergessen. Ja, YouTube ist natürlich ein super Medium, auch als Bauherr einfach was zu lernen. Ich finde, Video ist ein super Format. Wir reden ja gerne mit Herstellern. Wir zeigen Produkte. Das ist total wichtig, sich zu informieren, ein Gefühl zu kriegen für die Menschen, die da in der Branche unterwegs sind. Und natürlich auch für die Hersteller und die Produkte. Das muss man sehen. Das aus dem Katalog funktioniert nicht. Deswegen ist YouTube ein total tolles Medium.

[Bastian Elsner] (57:56 - 58:07)
Super. Ja, finde ich auch. Ich bin auch großer Fan. Thomas, vielen lieben Dank für das Gespräch heute und auch, dass ich heute bei euch sein durfte. Es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht, mich mit dir auszutauschen.

[Thomas Lübbecke] (58:07 - 58:10)
Bastian, herzlichen Dank. Wir sehen uns wieder, wenn es neue Wetterstationen von euch gibt.

[Bastian Elsner] (58:11 - 58:12)
Auf jeden Fall.

[Thomas Lübbecke] (58:12 - 58:12)
Vielen Dank.

[Bastian Elsner] (58:12 - 58:44)
Auf jeden Fall. Und an alle euch da draußen: Ich hoffe, die heutige Ausgabe hat euch so gut gefallen, wie uns das Gespräch Spaß gemacht hat. Wenn das der Fall ist, würden wir uns über eine Fünf-Sterne-Bewertung wahnsinnig freuen. Auch ein Kommentar auf Spotify, Deezer, Apple Music, auf der Podcast-Plattform eures Vertrauens, hilft uns da wirklich extrem weiter. Ich würde mich freuen. Ich verbleibe bis zur nächsten Folge von Menschen, Lebensräume und Technik, deinem Podcast von Elsner Elektronik. Bis zum nächsten Mal.

Stand: 10/2026

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