Oranges Elsner Podcast Cover Folge #30 mit Portraits von Bastian Elsner und Jörg EschkeOranges Elsner Podcast Cover Folge #30 mit Portraits von Bastian Elsner und Jörg Eschke

Elsner Podcast Folge #30: KNX-Kompetenz in der Praxis: Warum ein Zertifikat erst der Anfang ist – mit Jörg Eschke

Worum geht’s in dieser Folge?

Jörg Eschke hat den Weg vom Elektriker auf der Baustelle über den KNX-Dozenten bis zum selbstständigen Trainer und Systemintegrator zurückgelegt. Mit Bastian Elsner spricht er darüber, wie aus anfänglicher Unsicherheit fundierte Expertise wurde und warum Unterricht und praktische Projektarbeit für ihn untrennbar zusammengehören. Erfahrungen aus realen Anlagen fließen direkt in seine Seminare ein, während aus Schulungen immer wieder neue Projekte und langfristige Begleitungen entstehen.

Ein Schwerpunkt der Folge liegt auf der Aussage „Zertifiziert heißt nicht qualifiziert“. Der KNX-Grundkurs ist eine solide Startlinie, kann aber nicht sämtliche Anforderungen realer Gebäudeprojekte abdecken. Entscheidend ist, das Gelernte anschließend anzuwenden, Fehler in einem geschützten Trainingsumfeld zu erleben und kontinuierlich Erfahrung zu sammeln. Ebenso wichtig ist eine saubere Dokumentation: Fehlen Projektdateien, Passwörter oder Sicherheitsschlüssel, werden Wartung, Erweiterung und Rekonstruktion unnötig schwierig.

Zum Abschluss richtet sich der Blick nach vorn. Semantik und automatisierte Verknüpfungen werden die Projektierung verändern und manuelle Routinearbeiten reduzieren. Dafür gewinnen Beratungskompetenz, gewerkeübergreifendes Denken, KNX Secure sowie Kenntnisse angrenzender Systeme und Protokolle an Gewicht. Wer künftig erfolgreich integrieren will, muss deshalb nicht nur programmieren, sondern Zusammenhänge verstehen, Kunden fundiert beraten und Verantwortung für das gesamte Gebäude übernehmen.

Jörg Eschke

Zur Person

Jörg Eschke ist Systemintegrator, Unternehmer und KNX-Trainer mit langjähriger Erfahrung in der Elektrotechnik und Gebäudeautomation. Als Inhaber des Systemintegrationsunternehmens JE Smart Solutions plant und realisiert er intelligente Gebäudelösungen mit KNX sowie weiteren Systemen wie DALI, SMI und Modbus. Sein Spektrum reicht dabei vom privaten Wohngebäude bis zu Projekten in Industrie, Gewerbe und Gastronomie.

Seit vielen Jahren gibt er sein Fachwissen auch als KNX-Trainer und Dozent für Elektrotechnik und Gebäudeautomation weiter. Mit JE Smart Trainings bietet er zertifizierte KNX-Grund- und Aufbaukurse in Süddeutschland und der Schweiz an. Sein Fokus liegt auf herstellerübergreifenden, praxisnahen Lösungen, die zuverlässig, flexibel und nachhaltig funktionieren.

Portrait von Jörg Eschke auf orangem HintergrundPortrait von Jörg Eschke auf orangem Hintergrund

Transkript der Folge #30

Veröffentlichungsdatum: 24. September 2026

[Bastian Elsner] (0:00 - 0:44)
Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Menschen, Lebensräume und Technik, dein Podcast von Elsner Elektronik. Mein Name ist Bastian Elsner und heute sitzt mir Jörg Eschke gegenüber. Ihr kennt ihn aus drei Perspektiven, als Elektriker auf der Baustelle, als Dozent im Seminarraum und heute als Trainer und Berater mit JE Smart Trainings und JE Smart Solutions. Gut 1500 Teilnehmer haben bei ihm ihren KNX Kurs gemacht, und er ist einer der wenigen, die konsequent darüber sprechen, was nach dem Zertifikat eigentlich kommt. Deshalb freue ich mich riesig, dass er heute bei uns im Studio ist. Los geht's.

Jörg, wann hast du eigentlich zum ersten Mal von KNX gehört, und wann hat es dich dann so richtig gepackt?

[Jörg Eschke] (0:51 - 1:32)
Das ist schon eine ganze Weile her. Im Prinzip in der Ausbildung hatte ich das erste Mal davon gehört, das war von 1996 bis 2000, und ich glaube, das müsste 1998 gewesen sein. In der überbetrieblichen Ausbildung hatten wir damals noch mit EIB gelernt, das Ganze geübt, und ich habe es überhaupt nicht verstanden. Ich hatte auch damals ganz andere Themen im Kopf, das war mir im Prinzip alles egal, wie es wahrscheinlich bei vielen Auszubildenden heutzutage auch so ist, wo man sich dann gerne drüber aufregt, bis man merkt, man macht es selbst nicht anders. Aber damals hatte ich es mit der Ausbildung eben noch nicht verstanden.

[Bastian Elsner] (1:32 - 1:37)
Aber was hat man dir denn damals erzählt, was das eigentlich sein soll?

[Jörg Eschke] (1:37 - 1:53)
Irgendwas, was alles miteinander verbindet. Ich habe damals die Software nicht so richtig verstanden, wie das alles ging. Zum Glück hatte mein Kollege, mit dem ich da am Rechner saß, das besser verstanden als ich, und dann konnte ich mich ein bisschen ausruhen, sag ich mal.

[Bastian Elsner] (1:53 - 2:11)
Alles klar. Das heißt, du hast im Prinzip durch den Kollegen, der die Software in dem Moment vielleicht noch etwas besser verstanden hat, auch so den ersten Einblick in die Themen bekommen. Oder hattest du quasi einen Mentor im KNX Thema, oder hast du dir ganz viel selber beigebracht?

[Jörg Eschke] (2:11 - 2:56)
Das Thema war damals dann erstmal für mich gegessen, es kamen andere Themen in der Ausbildung, und ich wollte eigentlich einen ganz anderen Weg einschlagen. Ich wollte eigentlich Architektur studieren, habe dann nach der Ausbildung noch das Fachabi gemacht und wollte dann eigentlich studieren. Dann war die Kohle etwas knapp, und irgendwie bin ich dann erstmal auf der Baustelle hängengeblieben. Das Gebäudeinteresse ist zumindest von der Architektur zur Baustelle geblieben. Dann hatte ich meine zweite größere Erfahrung gemacht, gerade während so einer Leiharbeitertätigkeit, wo ich als Elektriker in Luxemburg tätig war. Das war ein großes Projekt, glaube 150 Elektriker vor Ort, und alle hatten gefühlt die gleiche Ahnung von KNX, nämlich gar keine.

[Bastian Elsner] (2:56 - 2:56)
Krass.

[Jörg Eschke] (2:56 - 3:13)
Der eine hat die Leitung als Ring gelegt, der Nächste hat den Ring wieder geöffnet, und beschriftet wurde sowieso nichts. Es war ein Chaos von Anfang bis Ende. Das war so meine zweite Erfahrung mit KNX.

[Bastian Elsner] (3:11 - 3:13)
Also eigentlich gar nicht so positiv.

[Jörg Eschke] (3:13 - 3:36)
Gar nicht so positiv. Das waren so die ersten Erfahrungen, und dann ging es weiter. Ich war dann für eine Firma in den US-Kasernen tätig und hatte dort die Projekte als Elektriker mitbetreut, angefangen ganz normal und später bis zum Betriebsleiter, für eine Firma, die es inzwischen gar nicht mehr gibt, weil der Betrieb komplett aufgegeben wurde.

[Bastian Elsner] (3:36 - 3:40)
Bist du da noch bei den Kasernen in Luxemburg, oder ist das schon hier bei uns in der Gegend?

[Jörg Eschke] (3:40 - 4:03)
Das ist schon hier bei uns in der Gegend, im Stuttgarter Raum. Da war auch im ein oder anderen Gebäude KNX drin, und wenn etwas nicht funktionierte, musste man sich zwangsläufig damit beschäftigen. Dann kam ich zum ersten Mal wirklich mit etwas reiferen Gedanken in das Thema rein und habe mich bewusst damit beschäftigt.

[Bastian Elsner] (4:03 - 4:17)
Gab es da einen Moment, so einen Auslöser, wo du dachtest, okay, das ist es, damit will ich mich in den nächsten Jahren oder auf unbestimmte Zeit intensiv beschäftigen? Oder kam das erst zu einem späteren Zeitpunkt?

[Jörg Eschke] (4:17 - 4:54)
Das kam tatsächlich auch nochmal zu einem späteren Zeitpunkt. Ich hatte damals noch kein Zertifikat für KNX, und wir hatten bei solchen Aufträgen immer einen Subunternehmer beauftragt. Aber ich hatte gemerkt, das ging dort gehörig auf die Nerven, dass man immer eine externe Firma dafür brauchte. Das ist übrigens auch etwas, was ich jetzt in den Seminaren immer wieder höre, genau dieselbe Thematik. Die Leute sind es leid, von externen Leuten abhängig zu sein, gerade Betriebselektriker, die dann irgendwas reparieren müssen.

[Bastian Elsner] (4:54 - 5:12)
Ist das auch einer der Gründe, warum die Leute hauptsächlich zu deinem Kurs kommen, dass sie selbstständig werden, beziehungsweise dass man keinen Subunternehmer mehr rufen muss? Ich fand das Stichwort mit dem Betriebselektriker gerade sehr spannend, weil ja eigentlich jede größere Firma oder jedes größere Gebäude so jemanden hat.

[Jörg Eschke] (5:12 - 5:36)
Ja genau, es ist nicht der Hauptgrund, warum die Leute zu den Seminaren kommen, aber ein wichtiger Grund. Ich würde sagen, so ein Drittel der Leute kommt aus diesem Grund. Die werden dann von der Firma beauftragt, so ein Seminar zu besuchen, damit sie künftig kleinere Reparaturen oder kleinere Programmierungen selbst durchführen können. Das funktioniert manchmal gut, manchmal weniger gut.

[Bastian Elsner] (5:36 - 6:38)
Ich fand es eine coole Überleitung, weil es ja auch schon offensichtlich geworden ist, wir kommen beide aus dem Stuttgarter Raum. Wir kennen uns auch schon eine Weile, aber wir haben uns gar nicht so richtig über die KNX-Schiene kennengelernt. Mein erster Berührungspunkt mit dir war eigentlich, ich wusste, du bist Trainer im ETZ in Stuttgart. Und das ist zufällig auch der Ort, wo nahezu alle unsere Azubis, also nicht die allerersten KNX Berührungspunkte, die haben sie meistens bei uns hier in Ostelsheim, aber die erste Zertifizierung, die ist dann meistens bei dir. Du hast schon sehr viele meiner Kollegen im Prinzip durch die Basic Zertifizierung gebracht. Das bringt mich zur nächsten Frage. Wir haben jetzt deine ersten Berührungspunkte mit KNX, auch im Ausland, die Arbeitserfahrung besprochen. Du hast dann irgendwann beim ETZ in Stuttgart angefangen, KNX Kurse zu geben. Wie kam es dazu?

[Jörg Eschke] (6:38 - 7:12)
Der Auftrag, den wir in den Kasernen hatten, war irgendwann vorbei, und ich hatte während dieses Zeitraums auch den Meister am ETZ in Stuttgart gemacht, Energie und Gebäudetechnik. Da wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in diesem Bereich Gebäudeautomation tätig zu sein. Ich habe dann auch meinen Trainer gemacht, also einen KNX-Tutor, den ganzen Kurs durchlaufen, den Tutor gemacht, und dann losgelegt mit den Seminaren.

[Bastian Elsner] (7:12 - 7:34)
Cool, und was hat dich daran gereizt? Es ist ja doch schon mal etwas ganz anderes, irgendwie von einem echten Projekt, bitte versteh mich nicht falsch, ein echtes Projekt wie eine Kaserne zum Beispiel, wirklich hands on, dann nochmal zurück in den Theoriepart. Was hat dich da gereizt?

[Jörg Eschke] (7:34 - 8:08)
Zum einen das Unterrichten, das macht mir immer Spaß. Ich bin da manchmal so ein bisschen erklärfreudig, das hat mir immer Spaß gemacht und gereizt. Und dann fand ich das Thema Gebäudeautomation wesentlich interessanter als den Standard Elektriker-Unterricht, wo es um Wohnen, Biegeradien, Absicherung, Leistungsberechnung und so weiter geht. Das konnte ich, okay, aber ich fand es weniger interessant oder herausfordernd als das Thema Gebäudeautomation. Da habe ich die Zukunft gesehen.

[Bastian Elsner] (8:08 - 8:12)
Cool. Erinnerst du dich noch an deinen allerersten Kurs?

[Jörg Eschke] (8:12 - 8:51)
Ja, genau, daran erinnere ich mich, vor allem, wie aufgeregt ich war. Du denkst, okay, jetzt darf ich nichts Falsches sagen, das muss alles sitzen. Kriege ich das alles richtig hin? Und wenn jemand ein Problem hat, kriege ich das gelöst, wenn jemand am Rechner nicht weiterkommt, das Gerät sich nicht programmieren lässt, irgendein anderer Fehler ist? Wie oft schlägt der Vorführeffekt zu? Da war ich mega aufgeregt. Mittlerweile ist es so, wenn jemand sagt, er hat einen Fehler, dann weiß ich meistens schon, wenn er mir erklärt, um was es geht, ohne auf den Rechner zu schauen, was los ist. Man hat da eine gewisse Routine drin.

[Bastian Elsner] (8:51 - 9:02)
Gerade bei deinem ersten Kurs, ich weiß es zwar, aber vielleicht für die Zuhörer, wie groß kann man sich so einen typischen Kurs im ETZ vorstellen? Wie viele Teilnehmer sind da ungefähr dabei?

[Jörg Eschke] (9:02 - 9:26)
Es sind maximal 16 Teilnehmer, acht Unterrichtswände, an denen verschiedene Bauteile aufgebaut sind, Aktoren, Sensoren, die im Lauf der Woche zusammengeführt und programmiert werden. Und es arbeiten immer zwei Leute an einem Rechner an einer Wand.

[Bastian Elsner] (9:26 - 10:09)
Ich finde das total spannend, weil man das auch immer nochmal unterscheiden muss, etwas machen zu können, also gerade eine KNX-Installation zu parametrieren oder aufzusetzen, und das Ganze dann zu erklären und das Wissen zu transferieren, das ist ja nochmal was ganz anderes. Ich kenne das selbst aus dem Arbeitsleben, wenn man irgendwas hunderttausend Mal gemacht hat, dann sitzt das so tief, dass man es fast automatisch macht. Und ich erwische mich selbst manchmal dabei, dass es gar nicht so einfach ist, das für jemand Dritten, der das gerne mal machen würde, verständlich rüberzubringen. Was war das für dich? Gehst du überhaupt mit, dass das Erklären und das Selbermachen zwei grundunterschiedliche Sachen sind?

[Jörg Eschke] (10:09 - 10:32)
Ja, auf jeden Fall, das sind verschiedene Sachen. Man hat den Automatismus, wenn man es selber macht. Und das zu erklären, da muss man erst mal nachdenken, okay, wie kann ich das jetzt am besten rüberbringen? Was ist alles nötig, welche Grundlagen brauche ich, damit er überhaupt versteht, was ich ihm erklären will? Und was ist für mich vielleicht selbstverständlich, was für den anderen eine völlige Neuigkeit ist? Da muss man erst mal das Level einschätzen.

[Bastian Elsner] (10:32 - 10:54)
Das stelle ich mir total schwer vor, weil ich das selbst bei unseren Azubis kenne, da hat man manchmal wirklich ein homogenes Level, was die KNX Kenntnisse angeht. Und ich denke, bei dir im Kurs sitzen auch ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, der eine hat vielleicht schon zwei, drei Jahre Vorerfahrung, der andere macht zum ersten Mal die ETS auf. Ob es wirklich so krass ist, weiß ich nicht.

[Jörg Eschke] (10:54 - 11:54)
Es ist tatsächlich so krass, nicht in jedem Kurs. Es gibt Kurse, die sind recht homogen, da haben alle eine ähnliche Vorerfahrung, die meisten haben schon mal in die Software reingeschaut, ein bisschen damit gearbeitet, aber nicht viel. Es gibt aber auch Kurse, da hast du Leute drin, die noch nie irgendwas damit zu tun hatten, die werden quasi reingeschmissen. Da ist die Motivation auch reduziert, weil sie es eigentlich selbst nicht wollen, sondern vom Betrieb geschickt werden.

Und dann sitzen andere Leute drin, die machen das schon seit zwei, drei Jahren und brauchen eigentlich nur noch das Zertifikat, um zum nächsten Kurs weiterzugehen. Diese heterogene Gruppe trotzdem zufriedenzustellen, das heißt, die Langsameren nicht zu überfordern und die Schnelleren trotzdem zu fordern, das ist dann die Krux. Die einen bekommen ein paar Aufgaben mehr, die anderen werden etwas mehr betreut. Aber am Ende hat es bisher immer gereicht, die Gruppe insgesamt gut zufriedenzustellen.

[Bastian Elsner] (11:54 - 12:32)
Das stelle ich mir extrem herausfordernd vor. Hatte das Unterrichten oder das Geben von Trainings auch Einfluss auf deine Arbeit auf der Baustelle? Oder befeuert sich das gegenseitig? Du warst ja nicht nur am Unterrichten, du hast ja nebenbei immer noch Systemintegration gemacht, warst in vielen Projekten unterwegs. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das gegenseitig befeuert, dass sowohl das Unterrichten das Projekt unterstützt als auch umgekehrt, weil man ja auch mitnimmt und selbst mit neuen Problemstellungen konfrontiert wird.

[Jörg Eschke] (12:32 - 14:39)
Genau, das ist der Punkt, ich muss kurz ausholen. Ich war erst Angestellter im Bildungszentrum in Stuttgart, und während dieser KNX-Aufbaukurse kamen immer mehr Anfragen, ob ich nicht da und dort unterstützen könnte. Ich hatte auch gemerkt, wenn ich nur noch unterrichte, in Anführungszeichen, bleibe ich fachlich irgendwo auf der Strecke. Die ganzen aktuellen Themen bekomme ich zwar theoretisch mit, aber die ganzen Praxisprobleme, die in so einem Projekt auftauchen, Positionierung, Präsenzmelder, Montagehöhe und so weiter, was ist, wenn das Projekt fehlt, wie gehe ich vor, wie funktioniert eine Rekonstruktion et cetera, das sind alles Dinge, die würde ich gar nicht so kennen, hätte ich nur unterrichtet.

Deswegen war 2017 dann der Schritt, mich selbstständig zu machen, als Integrator. Ich habe dort meine Firma JE Smart Solutions gegründet, aber weiterhin auch die Seminare für das ETZ gegeben, und ich habe auch ein eigenes Trainingscenter, wo ich jetzt Seminare anbiete. Der Vorteil in Kombination ist, dass ich die Praxisprobleme aus den Projekten direkt in die Seminare mit einbauen kann. Es ist also kein Fach Idiot, der davorsteht und nur theoretisches Wissen hat, sondern ich kann es wirklich aus der Praxis vermitteln. Das sind manchmal ganz banale Dinge, zum Beispiel, bevor ihr die Jalousien fahrt, bevor ihr sie aus der ETS startet, schaut mal, ob nicht irgendwo noch das Gerüst steht und da eine Folie drauf ist oder etwas beschädigt werden könnte. Das steht in keiner Trainingsunterlage, kommt aber aus der Praxis.

[Bastian Elsner] (14:39 - 14:39)
Oder bevor ihr die Wetterstation programmiert, kommt ihr überhaupt an die Wetterstation ran, oder wie ist sie positioniert?

[Jörg Eschke] (14:39 - 14:39)
Genau, das sind nur ein paar kleine Beispiele, aber das bekommt man in der Praxis mit und kann es dann wunderbar im Unterricht verwenden.

[Bastian Elsner] (14:39 - 15:01)
Jetzt sind wir schon ein bisschen über den Punkt hinweg, aber ich würde gerne noch mal eine kleine Rolle rückwärts machen. Wir haben vorhin über die Heterogenität der Teilnehmer in deinen Kursen gesprochen. Was war vielleicht, verrückt ist das falsche Wort, aber der unerwartetste Teilnehmer vom Profil her, wo du gedacht hast, okay, was macht denn eine Person mit so einem Hintergrund überhaupt bei mir im Kurs?

[Jörg Eschke] (15:01 - 15:54)
Ich habe da zwei Beispiele. Das eine war mal ein Arzt, ich hatte auf einmal einen Arzt im Kurs, weiß gar nicht mehr, welche Fachrichtung, aber das war egal. Er hatte ein eigenes Einfamilienhaus, und sein ursprünglicher Programmierer beziehungsweise Elektriker war insolvent gegangen. Er hatte dann ein, zwei andere ausprobiert, dabei aber immer wieder negative Erfahrungen gemacht, entweder fehlte die Erfahrung beim Elektriker, oder man bekam es nicht mehr richtig zusammen. Er war ziemlich unzufrieden und hat sich gesagt, okay, wenn die es nicht hinkriegen, dann programmiere ich es jetzt eben selbst. Das Haus stand ja schon, es war alles installiert und abgenommen, er brauchte nur noch ein paar Änderungen und Programmierungen. Dann war er bei mir im Seminar und hat es am Ende besser hinbekommen als mancher andere im Kurs.

[Bastian Elsner] (15:54 - 15:54)
Krass.

[Jörg Eschke] (15:54 - 16:30)
Das ist das eine Beispiel. Das andere war ein Elektriker, der eigentlich schon in Rente war und sich in der Rente etwas dazuverdienen wollte, indem er für Planungsbüros Programmierdienstleistungen ausführt. Das Problem war, er hatte noch nie in seinem Leben einen Rechner in der Hand gehabt, Drag and Drop, Umgang mit Fenstern und so weiter. Das ging natürlich schief. Ich habe dann mit ihm darüber gesprochen, ob das überhaupt Sinn macht. Er hat es versucht, und es ist leider schiefgegangen.

[Bastian Elsner] (16:30 - 16:34)
Schade. Also auch das kann es geben.

[Jörg Eschke] (16:34 - 17:13)
Ja, mal so, mal so. Die Kurse sind ja nicht ohne Grund da, sie sollen dazu dienen, sich das Know-how anzueignen, um hinterher in der Lage zu sein, ein realistisches Projekt umzusetzen, und sei es auch nur ein kleines wie ein Einfamilienhaus oder eine Wohnung. Aber wenn das Wissen nicht da ist, es geht ja auch um das Zertifizierungslogo, wir wollen ja hinterher keinen KNX-Partner haben, der nicht in der Lage ist, ein Projekt zu realisieren. Und wenn man das im Kurs nicht geschafft hat, dann wird es schwierig.

[Bastian Elsner] (17:13 - 18:10)
Da wird es schwierig, ja. Darauf möchte ich später noch mal eingehen, auch das Thema Qualitätssiegel, KNX-Partner, zertifiziert, qualifiziert. Aber das heben wir uns für den Schluss auf. Wir haben bei unseren Zuhörern ja auch super viele Systemintegratoren. Ich habe auf der Messe schon Leute gehört, die meinten, ich überlege gerade, in die Gebäudeautomation einzusteigen, mich in der KNX-Programmierung selbstständig zu machen. Wir hatten sogar schon Leute direkt nach der Gründung hier im Podcast. Ich glaube, das ist wirklich ein spannendes Thema, wo unsere Zuhörer noch etwas mitnehmen können. Ich möchte noch etwas über deine Selbstständigkeit sprechen, beziehungsweise über deinen Weg. Du hast mir im Vorgespräch erzählt, du bist seit 2017 selbstständig, habe ich das richtig gespeichert? War das eigentlich geplant und strukturiert, oder war das eher ein Sprung ins kalte Wasser?

[Jörg Eschke] (18:10 - 18:13)
Das war komplett ein Sprung ins kalte Wasser.

[Bastian Elsner] (18:13 - 18:14)
Krass.

[Jörg Eschke] (18:14 - 19:03)
Es waren damals verschiedene Umstände, die dazu geführt hatten, dass ich beim Bildungszentrum gekündigt und die Selbstständigkeit gestartet habe. Aber es war auch ein bisschen Glück dabei, ich hatte Glück, dass mich das ETZ weiterhin gebucht hat, auch als Honorardozent oder Beauftragter für die Seminare. Das ist eine sehr gute Kooperation, die ich bis heute mit dem ETZ habe. Also ein bisschen Glück war dabei, aber trotzdem war es ein Sprung ins kalte Wasser, man wusste ja nicht, wie viele Projekte kommen. Es ist eine Umstellung, vom Angestelltsein, wo man regelmäßig sein Gehalt bekommt, hin zu, guck mal selber, dass es reinkommt. Und dann macht man monatelang nichts, dann kommt wieder mehr. Aber es ist spannend, und ich würde es nie wieder anders haben wollen.

[Bastian Elsner] (19:03 - 19:08)
Geil, cool, finde ich stark. Erinnerst du dich noch an deinen allerersten Auftrag?

[Jörg Eschke] (19:08 - 19:41)
Oh ja, doch, war dann sogar noch lange Jahre ein Kunde von mir. Es war ein Architekt, zu dem mich der Elektriker dazugeholt hatte, wie es oft so ist, ein Elektriker kommt auf mich zu. Gestern nach der Rückfahrt von der IFA hat mich auch wieder ein Elektriker angerufen, der meinen Kontakt über drei Ecken bekommen hatte und mich gefragt hat, ob ich Unterstützung bei der Programmierung habe. Und so war es damals auch. Das war eine große Villa, wirklich ein schönes Objekt nahe Offenburg. Aber Chaos pur, auch da wieder.

[Bastian Elsner] (19:41 - 19:49)
Cool. Ich fand es total gut, dass du gerade gesagt hast, du würdest es nie wieder anders machen. Gibt es denn eine Sache, die du gerne vor deiner Selbstständigkeit gewusst hättest, bevor du es gemacht hast?

[Jörg Eschke] (19:49 - 20:11)
Ich habe den Meister 2011 gemacht, und da hat man das ganze Thema Recht und Steuern mit drin. Das hätte ich etwas ernster nehmen sollen. Da stolpert man am Anfang ein bisschen drüber. Aber das Schöne ist, wenn man das durchzieht, kennt man sich irgendwann auch ganz anders damit aus.

[Bastian Elsner] (20:11 - 20:17)
Das ist wohl wahr. Da kann man ja fast in allen Bereichen mitreden, das ist gefühlt allumfassend.

[Jörg Eschke] (20:17 - 21:41)
Ich hatte da keine Vorgeschichte, ich habe das von zu Hause aus nicht gelernt oder gesehen, wie man das mit Steuern macht oder ähnliches, das war alles neu für mich. Ich hatte zwar die Meisterschule, aber das ist eben Schule, also Theorie, keine Praxis. Heute bin ich froh, dass eine Kollegin und ich uns die Aufgaben so ein bisschen aufteilen konnten, großen Respekt, das alles irgendwie zu wuppen. Es ist schon, wie eben gesagt, allumfassend, und großen Respekt an der Stelle.

Ansonsten, selbstständig machen, da werde ich oft gefragt: Wie ist denn das, das sind wirklich viele Fragen, die in Seminaren auch kommen, wie soll man vorgehen mit der Selbstständigkeit, ist es ein großes Risiko? Hey du, wenn du es machen willst, wenn du Bock drauf hast, dann schau, dass du erstmal einen Nebenerwerb gründest. Mach das im Nebenerwerb, dann musst du nicht gleich kündigen, klärst mit deinem Arbeitgeber, dass der auch nichts dagegen hat. Dann machst du erstmal ein bisschen Programmierung im Nebenerwerb, das ist auch okay. Und wenn du dann merkst, nee, ist geil, da habe ich Bock drauf, dann machst du es richtig, also nicht der Sprung ins kalte Wasser, sondern einfach mal den großen Zeh reinhalten und gucken, wie sich das anfühlt. Und wenn ich mich dann selbstständig mache, dann gleich das Thema Steuern angucken. Ich glaube, ich bin nicht der Einzige, der das erzählt.

[Bastian Elsner] (21:41 - 21:57)
Ja, habe ich schon öfter gehört. Ich habe vorhin schon erwähnt, du bist eigentlich gerade mit zwei Firmen unterwegs, einmal JE Smart Trainings und dann JE Smart Solutions. Wie unterscheidest du das, beziehungsweise warum hast du das getrennt?

[Jörg Eschke] (21:57 - 23:30)
JE Smart Solutions ist die Firma, mit der ich 2017 gestartet bin, das ist die Integration, die Beratung, die Dienstleistung für Kunden aus dem Privatgeschäft, aus dem Baugewerbe. Da habe ich unterschiedlichste Kunden, die ich im Bereich Beratung beziehungsweise Projektbegleitung unterstütze. Ich hatte zum Beispiel neulich eine Firma aus dem Baugewerbe, die bei mir über JE Smart Trainings ein Firmenseminar für acht Leute gebucht hat. Dort haben wir Grundlagen zum Thema KNX geklärt, dazu Integration und Energiemanagement, spezifisch zu den Anforderungen, die die hatten. Und die haben jetzt im Nachgang direkt ein größeres Projekt, bei dem sie nicht gleich ins kalte Wasser springen wollen, sondern an die Hand genommen werden wollen. Dann mache ich zusätzlich Projektbegleitung, unterstütze sie dabei, das selbstständig umsetzen zu können. Ich programmiere dort aber nicht selbst, sondern unterstütze, mache Meetings und so weiter.

[Bastian Elsner] (23:30 - 23:40)
Ich finde das total gut, weil aus einer Unternehmerperspektive, wenn ich mich in die Situation eines Kunden hineinversetze, ist das eine total gute Möglichkeit. Ich kann ein Projekt erstmal abwickeln, habe mich abgesichert, weil du im Hintergrund noch mit am Start bist. Gleichzeitig baue ich Kompetenzen auf und habe im Nachgang die Möglichkeit, solche Projekte selbst zu machen. Das finde ich einen coolen Weg, machen wir in anderen Bereichen ganz ähnlich mit externen Beratern. Ich hatte eigentlich noch die Frage aufgeschrieben, ob sich die beiden Firmen gegenseitig befruchten, oder ob das zwei komplett getrennte Welten sind, aber ich glaube, das hast du gerade eigentlich schon beantwortet, dass sich das gegenseitig befeuert.

[Jörg Eschke] (23:40 - 25:03)
Das befeuert sich komplett gegenseitig. Über die Projekte bekomme ich Praxiserfahrung, die ich in den Seminaren umsetzen kann, egal ob bei mir oder im ETZ oder wo auch immer ich ein Seminar gebe. Und aus den Seminaren kommt hinterher immer wieder mal ein Folgeauftrag zustande. Das befeuert sich gegenseitig, und alles zusammen ist eine tolle Sache, gerade wie bei dem Projekt, das ich beschrieben habe, das ist eine Win-win-Situation für alle.

Es bringt ja nichts, wenn ich dort hingehe und alles programmiere, nachdem die bei mir ein Seminar hatten, am Ende wissen sie immer noch nicht, wie es geht. Und dann meldet sich der Kunde wieder, du musst wieder antanzen, so kann man es aber auch über andere Wege machen. Für mich ist das Ziel von so einem Seminar, die Leute dahin zu führen, dass sie es selbstständig machen können, dass sie in der Lage sind, es selbst umzusetzen.

Da habe ich schon verschiedene Firmen begleitet, auch eine Firma in Ludwigsburg, einen Hersteller, der verschiedene Objekte hatte, bei denen das Betriebspersonal am Anfang keine Ahnung hatte. Am Anfang musste ich erst mal das ganze Projekt aufräumen, auf den neuesten Stand bringen, Adressstrukturen ändern, alles neu betiteln und so weiter. Das hat dann auch gepasst, aber ich habe immer den Betriebselektriker mit an die Hand genommen. Mittlerweile macht er das wirklich gut, komplett selbstständig, nur bei speziellen Fragen ruft er mich an, dann bin ich mal einen halben Tag oder einen Tag vor Ort, und dann kriegt man das auch geklärt. Das ist für mich der Weg.

[Bastian Elsner] (25:03 - 25:29)
Sehr cool, da gehe ich voll mit, das ist eine Win-win-Situation. Gerade der Betriebselektriker, wenn der sich irgendwann auch noch in eine andere Richtung weiterentwickeln will, hat er jetzt die Kenntnisse. Ich finde, das war auch eine perfekte Überleitung zu meinem nächsten Punkt, weil ich jetzt einfach mal etwas raushauen möchte, und da würde mich ganz arg interessieren, wie du dazu stehst, vor allem als Trainer. Zertifiziert heißt nicht qualifiziert.

[Jörg Eschke] (25:29 - 25:30)
Richtig.

[Bastian Elsner] (25:30 - 26:12)
Ich, aus meiner Warte, du weißt, ich bin sehr tief im KNX-Standard verankert, ich stehe auch wirklich dahinter, die Philosophie gefällt mir richtig gut, aber ich habe manchmal ein Problem damit, wenn ich online von manchen Leuten lese, mach das Basic Training bei uns, und du kannst selbst Projekte umsetzen. Es gibt wenige, die ihre Kurse so bewerben, aber ich habe das schon das eine oder andere Mal gesehen, und ich finde, das ist mit Vorsicht zu genießen. Wie stehst du dazu? Ich glaube, du hast da noch mal einen ganz anderen Einblick als ich aus meiner Herstellerbrille.

[Jörg Eschke] (26:12 - 26:49)
Ich gebe dir recht, man ist dann zertifiziert, aber ob das als Qualifikation reicht, ein komplettes Einfamilienhaus zu programmieren, ist sehr individuell. Bei den meisten Leuten würde ich sagen, nicht direkt. Im Grundkurs KNX hat man viele Themen noch nicht, die zum Beispiel für ein Einfamilienhaus relevant wären, Heizungsregelung, Klimaregelung sind nicht Bestandteil des Trainingsgrundkurses. Oder andere Themen, Visualisierung, Sicherheitstechnik, was fällt mir noch alles ein, das fällt mir gerade nicht mehr ein.

[Bastian Elsner] (26:49 - 27:27)
Ich kenne das ja nur von den Trainingskits, welche Hardware im Prinzip mitgenommen werden muss, und das ist ja schon irgendwo abgestuft, dass man wirklich das Entry Level hat und dann eben auch die Advanced Techniken. Ihr kennt uns ja von dem Thema Wettersensorik, und ich glaube, eine Wetterstation muss im Basic Kurs nicht unbedingt sein, wenn man da mal die 300 Objekte hat. Aber widersprich mir da gerne, weil ich mir eben auch vorstellen könnte, dass man die Leute verliert und aus dem ganzen Thema aussperrt, wenn der Basic Kurs erstmal zu viel ist.

[Jörg Eschke] (27:27 - 29:34)
Im Grundkurs geht es eigentlich, zumindest nach den offiziellen Ausbildungsunterlagen der KNX Association, erstmal um das Thema Schalten, um das Thema Dimmen, Jalousiesteuerung und Koppler, also linienübergreifende Funktionen. Dann kommt noch etwas zum Thema Secure und zum Thema Funk, also KNX RF, als weiteres Übertragungsmedium, und natürlich noch theoretische Inhalte. Das ist gut und solide, ist aber auch relativ viel für viele. Eine Wetterstation kommt eigentlich nicht zwingend dran, und viele andere Themen auch nicht.

Aber ich sehe das in der Praxis etwas anders, wenn ich bei JE Smart Trainings ein Seminar gebe, dann habe ich die Wetterstation immer dabei, auch im Grundkurs. Ich baue die Anlagen so auf, dass wir nicht nur jeder an seinem eigenen Koffer arbeiten, sondern ein gemeinsames Projekt machen. Nicht immer, jeder startet am Montag natürlich mit einer Aufgabe, an der er alleine arbeitet. Aber wir müssen ja auch mit verschiedenen Linien oder größeren Projekten arbeiten können. Deswegen mache ich es am Mittwoch so, dass ich mit den Leuten ein gemeinsames Projekt mache. Jeder arbeitet in seiner Etage, du hast Etage 1 mit Linie 1, ich habe Etage 2 mit Linie 2 und so weiter. Dann koppeln wir alles zusammen und realisieren auch eine Wetterstation, um zu sehen, wie es mit Windalarmen, Wetteralarmen, Überwacherkommunikation funktioniert. Was passiert, wenn man die Koppler falsch einstellt, auf Durchzug stellt und dann jede Menge Buslast hat und so weiter. Wir bauen also Fehler ein, um die Leute wirklich auf die Probleme zu stoßen, was passiert, wenn ich einen Ring gebaut habe, oder was passiert, wenn ich die Linie mit der Hauptlinie verbinde.

[Bastian Elsner] (29:34 - 29:34)
Aber lieber passieren die Fehler bei dir im Trainingsfeld, als dass sie dann draußen im Feld passieren.

[Jörg Eschke] (29:34 - 30:07)
Ja cool, darum geht es. Deswegen, es gibt die Grundlagen, die Sachen, die man im Grundkurs machen muss, aber ich finde, das reicht oftmals nicht ganz aus. Gerade auch das Thema, wirklich ein richtiges Projekt zu realisieren, sowie ein paar andere Themen, Heizung, Einzelraumregelung zum Beispiel zu realisieren und so weiter. Es klappt nicht immer, manchmal klappt es im Kurs, je nachdem, wie die Teilnehmer drauf sind, aber ich versuche meistens mehr reinzupacken, als offiziell drinsteht.

[Bastian Elsner] (30:07 - 30:49)
Ja klar. Wenn ich dich richtig verstehe, musst du im Prinzip den offiziellen Teil abdecken, und alles, was du darüber hinaus machst, ist ein Benefit für die Teilnehmer. Wenn ich jetzt diese Zertifizierungsstufen für mich anpeile, wir haben einmal die Basic Zertifizierung, dann die Advanced Zertifizierung, und dann noch die Tutor Zertifizierung, richtig?

[Jörg Eschke] (30:49 - 30:49)
Es gibt die drei.

[Bastian Elsner] (30:49 - 30:49)
Kann ich denn jetzt sagen, so eine einfache Faustregel, vermutlich ist es nicht so einfach, aber ich probiere es trotzdem. Ich mache den Basic Kurs, ich mache den Advanced Kurs, würdest du sagen, dann sollte ich eigentlich das Level haben, um selbst Projekte umsetzen zu können? Oder sind wir da wieder beim Thema, zertifiziert ist nicht gleich qualifiziert?

[Jörg Eschke] (30:49 - 34:06)
Im Prinzip gilt hier genau dasselbe, es kann bei vielen Personen passen, bei einigen vielleicht nicht. Der Aufbaukurs hat sehr viele Inhalte, und das dünnt man jetzt auch etwas aus. Es gibt seit Jahren diesen weiteren KNX zertifizierten Kurs HVAC, also für Klimaanwendungen, Heizungsregelungen, Integration von Klima und Lüftungsanlagen. Das ist ein zweitägiger Kurs, den man buchen kann, mit Zertifikat und Prüfung am Ende. Seitdem es diesen Kurs gibt, ist das Thema Heizungsregelung im Aufbaukurs nur noch informativen Charakters. Ich mache es trotzdem im Aufbaukurs mit, weil jeder, der im Aufbaukurs sitzt, selbstverständlich erwartet, dass er auch etwas zum Thema Heizungsregelung mitbekommt, das ist mit das wichtigste Gewerk, wir kommen ja auch mehr aus dem Heizungsland als aus dem Kühlungsland.

Und so geht es weiter mit anderen Themen, zum Thema Energiemanagement gibt es auch einen zertifizierten Kurs, von der KNX Association zertifiziert, ebenfalls ein zweitägiges Seminar. Eigentlich ist das Thema auch im Aufbaukurs als Kapitel enthalten, aber es gibt auch ein separates Seminar dafür, trotzdem ist es wichtig, das im Aufbaukurs zu behandeln. Der Aufbaukurs ist wirklich vollgepackt mit vielen Themen, von ausfallsicherer Planung über Logikfunktionalitäten, Visualisierung, was muss ich da beachten, Sicherheitstechnik, Multimedia, Koppler, das Thema Interworking, also Datenpunkte, Flags, ETS Apps und so weiter. Das schafft überall einen guten Einblick, aber du kannst dir vorstellen, wenn ich so viele Themen habe, kann ich nicht jedes bis zum Ende durcharbeiten, sodass jeder in jedem Thema Profi wird. Es gibt einen Einstieg, und wenn man gut mitmacht, eignet man sich vieles andere selbst an.

[Bastian Elsner] (34:06 - 34:30)
Ich glaube, das muss man sich, ich merke es jetzt gerade auch wieder in unserem Gespräch, immer wieder ins Gedächtnis rufen, worüber wir hier eigentlich sprechen. KNX ist ja kein Standard, der nur im Einfamilienhaus zum Einsatz kommt. Es gibt ganze Flughäfen, die auf der Feldebene mit KNX-Komponenten ausgestattet sind, und je höher die Komplexität, je krasser das Projekt in diesem Sinne, desto höher sind auch die Anforderungen.

Schau dir zum Beispiel unser Büro an, wir haben Lichtregelung drin, Konstantlichtregelung, die man sauber erwerben und programmieren muss, wir haben Jalousien, eine Wetterstation, eine Sonnenstandsnachführung, da muss man auch vieles erklären, und allein eine Wetterstation komplett zu erklären, ich glaube, 700 Objekte kann man da einstellen, das ist ja nicht ohne.

[Jörg Eschke] (34:30 - 35:48)
Das ist nicht ohne, aber deshalb ist es wichtiger, dass man im Aufbaukurs einen Einstieg bekommt, versteht, wie es grob funktioniert, und wenn man mehr Informationen zum Thema braucht, sich entweder mit dem Hersteller in Verbindung setzt, der macht dann zum Beispiel für die Wetterstation ein Seminar bei euch, oder man besucht spezielle Seminare zu den Themen.

[Bastian Elsner] (35:48 - 36:26)
Finde ich gut. Bevor ich zum nächsten Thema komme, möchte ich dir noch eine Abschlussfrage stellen. Wenn du dir bei diesem Trainingssystem, wie es jetzt gerade dasteht, noch etwas wünschen könntest, oder wenn du am System etwas ändern dürftest, gäbe es da irgendwas, was du direkt machen würdest?

[Jörg Eschke] (36:26 - 37:20)
Ich würde zum Beispiel die Grundkursprüfung etwas verschärfen. Ich verstehe schon, es geht darum, KNX-Partner zu finden, also Leute zu zertifizieren, damit sie weitermachen, und natürlich nicht abzuschrecken. Auf der anderen Seite habe ich manchmal Leute, die die Prüfung bestehen, dann KNX-Partner sind und das Partnerlogo nutzen dürfen, wo man aber so ein Bauchgefühl hat, irgendwo hat er es nicht so richtig verstanden. Und ihn dann direkt loszuschicken zu den Kunden, wo er tätig wird, da habe ich manchmal Bauchschmerzen. Da wünsche ich mir, dass die Prüfung vielleicht etwas anders strukturiert ist.

Und das Zweite, der Aufbaukurs hat zu viele Themen drin. Ich finde, der Weg, den wir jetzt einschlagen, dass er in einzelne Seminare zu den Themen aufgesplittet wird, Heizungsregelung, Energiemanagement, Logikfunktion, Visualisierung und so weiter, das ist der richtige Weg. Wir haben noch nicht zu jedem Thema einen zertifizierten KNX-Kurs, aber alles zusammengepackt in einer Woche ist für die meisten Leute einfach zu aufwendig.

[Bastian Elsner] (37:20 - 37:24)
Verstehe. Vielen Dank für das Feedback. Ich bin mir sicher, da hört auch der ein oder andere KNX-Profi mit, bin gespannt, ob wir dazu einen Kommentar bekommen, ob sich das noch mehr Leute in der Branche wünschen würden, würde mich wirklich interessieren. An der Stelle natürlich auch der Hinweis, Kommentare freuen uns immer wahnsinnig bei unserem Podcast, weil das uns hilft, die Themen für das nächste Mal noch besser abzustecken.

Auch mit einem kleinen Seitenblick auf die Zeit, wir sind heute schon ziemlich weit fortgeschritten in unserem Gespräch, aber ich möchte unbedingt noch ein Schlussthema mit dir aufmachen. Wir sind gerade alle mit einer enormen technischen Geschwindigkeit konfrontiert, in der Neuerungen rauskommen. Ich glaube, gerade die künstliche Intelligenz ist das Thema, das am meisten Unsicherheit, aber eben auch neue Möglichkeiten mit sich gebracht hat. Und ich stelle mir die ganze Zeit die Frage, wie sieht Systemintegration in der Zukunft aus? Ich komme da vielleicht aus einer etwas anderen Warte, ich verkaufe KNX-Hardware, ich verdiene mein Geld mit dem klassischen Hardwareverkauf. Für einen Systemintegrator sieht das anders aus, aber wir bekommen zum Beispiel neue Möglichkeiten wie die semantische Verknüpfung. Und wenn ich das richtig verstanden habe, hier auch ein kleiner Disclaimer, ich kenne mich zwar relativ gut mit KNX aus, aber ich bin Wirtschaftspsychologe, kein Systemintegrator und auch kein Ingenieur. Deswegen auch cool, wenn wir da noch mal deine Einschätzung dazu bekommen, Jörg.

Gerade die Semantik, da ändert sich für uns auf Herstellerseite erstmal richtig viel Arbeit. Aber ich sehe den Sinn eben ganz stark darin, weil das irgendwann die Arbeit vom Systemintegrator etwas reduziert, und vielleicht auch die Themen, die in der Projektierung gar nicht so viel Spaß machen, von uns abwendet, weil das Ganze automatisiert läuft.

Status quo heute ist, ich habe zum Beispiel eine Wetterstation, bleiben wir bei uns, ein ganz neues Modell von uns Windancer secure, mit rund 300 Objekten. In unseren Datenblättern, in den User Manuals, in unseren Videos erklären wir immer, wofür jedes Objekt steht, zum Beispiel Objekt 214 ist der Windalarm. Das muss man irgendwann mal gehört oder gelernt haben. Jetzt gibt es beim Beschattungsaktor ein anderes Objekt, und da ist eigentlich klar, wie die Schutzfunktion verknüpft werden muss, das hast du, oder jemand anderes, irgendwann mal gehört, und macht das dann entsprechend. Das ist irgendwie Wissen. Aber mit der semantischen Verknüpfung habe ich das, was von der Funktionalität und Bedeutung her zusammengehört, schon im Produkt drin. Brauche ich dann überhaupt noch diese Erkenntnisse? Das bringt mich zu der Frage, was muss ein Systemintegrator in Zukunft wirklich mitbringen, was sind die Kernkompetenzen? Ich stelle einfach mal die Behauptung auf, es wird nicht mehr das richtige Verknüpfen von Gruppenadressen sein.

[Jörg Eschke] (38:53 - 40:35)
So sehe ich das auch, diese Semantik ist längst überfällig.

Die Art und Weise, wie man derzeit teilweise noch vorgehen muss, um Objekte verschiedener Geräte miteinander zu verbinden, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Es ist klar, dass es in einem herstellerübergreifenden, offenen System schwierig ist, das alles unter einen Hut zu bringen, aber die Semantik ist wahnsinnig wichtig. Die einzelnen Objekte mit einzelnen Gruppenadressen zu verknüpfen, die Gruppenadressen manuell anzulegen, man kann natürlich viel mit Copy and Paste arbeiten. Es gibt jetzt auch die tolle Möglichkeit des Multilinking, mehrere Objekte auf einmal zu verknüpfen, aber ich muss sie trotzdem manuell in der richtigen Reihenfolge auswählen und kann sie dann schnell verknüpfen.

Und da fehlt mir eigentlich die Funktion, die theoretisch schon seit Jahren in der ETS mit dem Projektassistenten möglich ist, dass man ein Projekt erstellt, einzelne Funktionen anlegt, geschaltetes, gedimmtes Licht, eine Jalousie und so weiter, diese Funktion einfach mit dem jeweiligen Gerät verknüpft, und über die Semantik erkennt die ETS dann, welches Objekt womit verbunden werden muss. Also verbinde ich nicht mehr einzelne Objekte, sondern gehe intuitiv vor. Ich habe eine Funktion, die soll auf die Wippe drauf, ich habe eine Jalousie, die soll auf den Aktor drauf. Und über die Semantik, über die exakte Bezeichnung und Zusatzinformation zum jeweiligen Objekt, erkennt die ETS automatisch, was womit verbunden wird. Das wird die Arbeit künftig enorm erleichtern.

[Bastian Elsner] (40:35 - 40:42)
Wenn du dich mal aus dem Fenster lehnen möchtest, so ein klassisches Projekt, wie viel Prozent wird das schneller? Sprechen wir da über 50 Prozent Zeitersparnis, 20, 10 Prozent? Ich kann es für mich noch nicht so richtig greifen.

[Jörg Eschke] (40:42 - 40:58)
Irgendwas zwischen 50 und 70 Prozent schneller, denke ich. 

[Bastian Elsner] (40:58 - 40:58)
Heftig.

[Jörg Eschke] (40:58 - 41:44)
Ja, kann ich mir vorstellen. Vor allem über die Semantik hast du noch mehr Vorteile, weil du sie dann auch direkt in die Visualisierung mit reinbringst, sodass dann auch schon alles automatisch fertig ist. Anpassungen sind trotzdem noch nötig. Zu deiner Frage, was der Integrator künftig können muss, er muss das Ganze trotzdem verstehen, er muss auch in Bestandsanlagen Fehler erkennen und lösen können, er muss prüfen können, ob etwas richtig gemacht wurde, und er muss das Ganze auch betreuen können, dazu braucht er das Wissen, was im Hintergrund passiert. Er kann sich nicht nur darauf verlassen, dass die Objekte über die Semantik sauber verknüpft werden. Es wird also weiterhin Arbeit für den Integrator geben, aber sie wird deutlich anders aussehen als jetzt.

[Bastian Elsner] (41:44 - 42:27)
Okay. Und vielleicht als zweiter Teil derselben Frage, was muss der Integrator in zehn Jahren können, was er heute vielleicht noch nicht auf dem Schirm hat? Weil ich raushöre, wir schätzen, wir wissen es noch nicht genau, die Semantik entsteht gerade, sehr viele Hersteller arbeiten daran, aber es wird noch eine Weile dauern, bis das wirklich in die Breite und in die Projektierung kommt. Deswegen habe ich dich auch nach dem Blick in die Glaskugel gefragt, weil das heute noch keiner genau wissen kann.

[Jörg Eschke] (42:27 - 43:11)
Was ich heute sehe, oft geht der Blick Richtung Energiemanagement, GLT et cetera. Viele, die KNX programmieren, kennen sich da wunderbar aus, aber gerade die ganzen angrenzenden Themen werden bei manchen in der Firma noch etwas stiefmütterlich behandelt, also die ganzen anderen relevanten Themen wie GLT, BACnet, Modbus, auch M-Bus et cetera. Diese Themen werden derzeit bei vielen etwas ausgeklammert, weil man sich nicht damit beschäftigen muss. Künftig wird es aber eher nötig sein, sich damit zu beschäftigen.

[Bastian Elsner] (43:11 - 43:53)
Das kommt vielleicht auch von meinem eigenen Leid, ich würde mich gerade viel lieber mehr mit Kunden und Projekten beschäftigen, aber ich werde gerade ziemlich stark in Compliance Themen reingezogen, gerade den Cyber Resilience Act. Ich sehe da schon den Sinn dahinter, das hat auch alles Hand und Fuß, man muss es aber machen, das ist auch irgendwie Hygiene. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, ändert sich da auch einiges für den Systemintegrator, weil er durch die technische Gebäudeausrüstung, die er bringt, die er wartet, oder wo er Teil der Kette ist, entsprechend auch etwas auf ihn zukommt.

[Jörg Eschke] (43:53 - 44:35)
Definitiv, gut, dass du das ansprichst. Das Thema KNX Secure ist ein sehr wichtiges Thema, damit müssen sich jetzt viele beschäftigen, nicht nur ihr als Hersteller, sondern gerade auch die Integratoren, die beraten müssen, das heißt entsprechend den Kunden erklären müssen, was wann notwendig ist, wann er unter diesen Bereich fällt und wann nicht. Künftig wird es nur noch KNX Secure geben, irgendwann kommen wir da nicht drum herum. Auch bei Einfamilienhäusern wird das kommen, ich weiß nicht, ob es im engeren Sinne Pflicht wird, aber es wird kommen, und es stellt sich nicht mehr die Frage, ob das Sinn macht oder nicht, sondern es ist einfach die aktuell sichere Variante, wie man Gebäude ausstattet.

[Bastian Elsner] (44:35 - 45:34)
Ich sehe es genauso, das Thema ist durch, das Rennen ist eigentlich auch schon gewonnen. KNX darf sich das, glaube ich, wirklich auf die Fahnen schreiben. Ich beobachte das auch gerade, du hattest vorhin die GLT angesprochen, in unserem letzten Vlog denke ich viel über Modbus nach und auch über andere Protokolle, weil da, glaube ich, etwas auf uns zukommt, vielleicht auf uns gar nicht so sehr, aber auf den klassischen MSRler, der jetzt auf einmal ein ganz krasses Interesse an KNX Secure Produkten hat, was ich vorher noch nicht so gesehen habe. Ich glaube, die Regulatorik, die sowohl auf meiner als auch, denke ich, auf deiner Seite sehr viel Arbeit verursacht, wird uns auch entgegenkommen, weil sie einfach nach noch mehr KNX fragt, weil KNX Probleme lösen kann, die andere Protokolle, mit denen man auf der Feldebene immer ein bisschen im Wettbewerb stand, eben nicht mehr so gut lösen können. Insofern ist es wie immer auch ein zweischneidiges Schwert, es ist nicht alles schlecht an diesen Themen.

[Jörg Eschke] (45:35 - 46:23)
Ja, definitiv. Ich sehe bei KNX Secure eigentlich durchweg Vorteile. Der einzige Nachteil ist, dass es etwas aufwendiger ist, man muss andere Dinge beachten, vielleicht mehr segmentieren, um die Buslast zu reduzieren oder Ähnliches. Es gibt höhere Anforderungen an die Dokumentation, definitiv, die ganzen Sicherheitsschlüssel müssen sauber dokumentiert sein, ohne Schlüssel gibt es keine Rekonstruktion, das ist alles so. Es ist mehr Aufwand, aber es folgt daraus eben eine höhere Sicherheit, und diese Sicherheit hebt uns eben ab gegenüber anderen Systemen oder Protokollen, bei denen das noch nicht geht.

[Bastian Elsner] (46:24 - 46:49)
Noch nicht, ja. Ich glaube, die Zeit tickt, wir sind schon ziemlich weit, ich fühle mich sehr wohl mit der Entscheidung, ich glaube, wir haben da wirklich auf das richtige Pferd gesetzt. Gut, ich muss nochmal kurz auf die Zeit schielen, wir sind schon ganz schön fortgeschritten, aber ich muss dir noch eine Abschlussfrage stellen. Wenn du dir etwas wünschen dürftest für die KNX-Branche, wie sie in fünf Jahren aussieht, was würdest du dir wünschen?

[Jörg Eschke] (46:50 - 47:57)
Eigentlich recht eindeutig, dass die Hersteller mehr miteinander arbeiten und kommunizieren, um gerade das Thema Semantik auf die Schiene zu bringen, dass mehr am KNX Standard gearbeitet wird von den Herstellern, anstatt an proprietären Subsystemen, die KNX im Hintergrund nutzen. Ihr wisst wahrscheinlich alle, wovon ich rede, und es ist ja nicht nur ein Hersteller, es sind viele Hersteller, die KNX nutzen, aber am Ende nur mit ihrem eigenen System wieder funktionieren. Dass man sich wieder mehr auf das Thema KNX fokussiert, dazu bekennt, auch als Hersteller, denn als KNX System haben wir wirklich eine gute Basis, so ein tolles System mit so vielen Herstellern, die so viele unfassbar gute Produkte auf den Markt bringen, wo man als Anwender die Wahl hat, und fast schon die Qualität, das ist faszinierend. Und das wird immer mehr zerstört, wenn mehr Hersteller nur ihr eigenes Süppchen kochen. Das würde ich mir wünschen, ein Bekenntnis zum KNX-System.

[Bastian Elsner] (47:58 - 48:09)
Finde ich spannend, ich glaube, über das Thema könnten wir fast eine eigene Episode machen, bringt mich echt auf Ideen, was du angesprochen hast.

[Jörg Eschke] (48:09 - 48:11)
Gerne, ja.

[Bastian Elsner] (48:11 - 48:39)
Vielen Dank für das Feedback. Ich weiß, dass der ein oder andere Hersteller auch gerne bei unserem Podcast mithört, vielleicht fühlt sich der ein oder andere angesprochen, wir müssen heute keine Namen nennen, ich glaube, das weiß dann jeder für sich selbst. Jörg, vielen, vielen Dank für das Gespräch, hat mir mega Spaß gemacht. Ich muss jetzt noch eine Abschlussfrage stellen, die ich immer stelle. Wenn unsere Zuhörer jetzt noch mehr über dich erfahren wollen, wo finden sie dich am besten?

[Jörg Eschke] (48:39 - 49:07)
Am besten über meine Website, www.je-smartsolutions.com, ich bin da auch immer dran, wird bestimmt irgendwann fertig, aber zumindest sind dort meine Kontaktdaten hinterlegt. Oder eigentlich am besten über LinkedIn, einfach Jörg beziehungsweise JE Smart Solutions oder JE Smart Trainings, oder eben mein Name, Jörg Eschke, da werdet ihr mich finden.

[Bastian Elsner] (49:07 - 49:58)
Perfekt, die Links habe ich auch zur Verfügung, die packe ich in die Shownotes, dann könnt ihr euch das bei Apple Music, Spotify oder wo auch immer ihr audiomäßig unterwegs seid, nochmal reinziehen. Ich würde gerne noch einen kleinen Abschluss machen und für mich zusammenfassen, was ich heute mitgenommen habe, und ich lade dich herzlich ein, wenn du mit den Aussagen nicht einverstanden bist, gib gerne noch mal deinen Senf dazu, widersprich mir ruhig. Es ist auch ein bisschen on the fly zusammengestellt, aber ich glaube, es passt ganz gut.

Also erstens, zertifiziert heißt nicht qualifiziert, das können wir beide unterschreiben. Der Grundkurs ist eine super Startlinie, aber ganz sicher nicht das Ziel. Und dazu kommt, was ich sehr ermutigend finde, KNX ist keine Rocket Science, es ist nicht schwer, aber es braucht Übung, es braucht Projekte, und es braucht jemanden, der einem von Anfang an ehrlich sagt, was mit so einer Basic Zertifizierung überhaupt realistisch möglich ist.

[Jörg Eschke] (50:06 - 50:08)
Kann ich da ganz kurz ergänzen?

[Bastian Elsner] (50:08 - 50:10)
Unbedingt, bitte.

[Jörg Eschke] (50:10 - 51:27)
Also definitiv, das würde ich für uns auch nochmal so sagen, KNX ist eigentlich so einfach, wenn man einmal verstanden hat, wie es funktioniert. Das Schwierige bei KNX ist oftmals, den Überblick zu behalten, über die Möglichkeiten, über die Geräte, über die Produkte, die es gibt, was welcher Hersteller alles kann, welche Möglichkeiten es gibt. Grundsätzlich, wie KNX funktioniert, ist seit 36 Jahren gleich. Das ist auch so ein toller Vorteil, dass man diese Abwärtskompatibilität hat, und du aus einem Haus aus den Neunzigern noch einen aktuellen Taster oder ein aktuelles Bedienpanel integrieren kannst, aber das ist ein anderes Thema.

Es ist eigentlich wahnsinnig einfach, keine Rocket Science, wie du sagst. Man muss aber die Erfahrung sammeln, damit arbeiten, damit arbeiten. Was ich immer wieder sehe, und deswegen spreche ich es an, dass Leute auf ein Seminar kommen und dann nichts mehr damit machen. Das heißt, sie haben zwar das Zertifikat, bekommen aber in der Firma nicht die Möglichkeit, weiter damit zu arbeiten. Ich merke das auch, wenn ich dieselben Leute ein, zwei Jahre später im Aufbaukurs habe und sie frage, was sie in der Zwischenzeit gemacht haben. Naja, eigentlich hatten wir dafür keine Zeit. Und das ist dann schade, man muss weiter damit arbeiten, sonst ist das eigentlich für die Katz.

[Bastian Elsner] (51:27 - 51:48)
Ja, dranbleiben. Den zweiten Punkt, den ich mitnehme, ist glaube ich auch einer der wichtigsten, die Rolle des Systemintegrators verschiebt sich. Gruppenadressen verknüpfen wird künftig viel weniger Arbeit, der Blick aufs ganze Gebäude dafür umso mehr wert. Und wer sich heute schon in die Themen Beratung statt nur Programmieren einarbeitet, wird in fünf Jahren ziemlich gut dastehen.

[Jörg Eschke] (51:53 - 52:20)
Absolut, hundertprozentig. Es geht nicht mehr ums Gruppenadressen hin und her schubsen, sondern wirklich um die Beratung für den Kunden. Ich habe es oft erlebt, dass der Kunde gegenüber dem Elektriker schon mehr Ahnung hatte, weil er sich anders vorbereitet hatte. Und das darf eigentlich nicht sein. Am Ende muss der Elektriker beziehungsweise der Integrator derjenige sein, der den Kunden sauber berät und die Gewerke zusammenführt. Das ist sein Job.

[Bastian Elsner] (52:20 - 52:47)
Ja, super. Drittens, eine Anlage ohne Dokumentation ist eine verwaiste Anlage. Und wenn der neue Eigentümer nicht weiß, wer das gebaut hat, ärgert er sich nicht nur über den Installateur, sondern über den ganzen Standard. KNX-Übergabe gehört zur Leistung dazu, und nicht nur ans Ende der Rechnung.

[Jörg Eschke] (52:47 - 52:47)
Darf ich dazu eine kleine Anekdote erzählen?

[Bastian Elsner] (52:47 - 52:51)
Bitte, unbedingt.

[Jörg Eschke] (52:51 - 54:26)
Vor einem Vierteljahr hat mich mal ein Immobilienmakler angerufen. Eine Kundin von ihm hatte zwei Wohnungen in einem Wohnhof gekauft, und in dem Gebäude war offenbar KNX verbaut. Nur wusste keiner, dass es KNX ist, und irgendetwas funktionierte nicht. Er hat mich gefragt, ob ich unterstützen kann. Ich habe dann per Remote Support beziehungsweise am Telefon erstmal mit der Kundin geklärt, ob irgendetwas übergeben wurde. Und es wurde natürlich nichts übergeben, es gab keine KNX Projektdatei, gar nichts, keine Passwörter, nichts.

Ich glaube, das passiert sehr häufig. Das ist wirklich ein Problem, das wir derzeit haben, Dokumentation ist wahnsinnig wichtig. Ich selbst würde befürworten, das ist auch meine Idee, dass es ein zentrales Projektarchiv gibt, in dem sämtliche Projekte abgelegt sind. Egal ob ich, du oder wer auch immer ein Projekt für den Kunden macht, wird es am Ende in diesem zentralen, von der KNX Association gehosteten, verschlüsselten Projektarchiv abgelegt. Und der Kunde hat, wenn er die Rechnung bezahlt hat, die Adminrechte für dieses Projekt und kann aussuchen, welcher Integrator Zugriff bekommt, dann wären die Projekte einfach da. In dem Beispiel hatte ich noch Glück, weil ich über drei Ecken jemanden kannte, der damals an diesem Haus in Göppingen gearbeitet hatte, und man hat es dann hinbekommen. Dieses Glück hat man leider nicht immer.

[Bastian Elsner] (54:26 - 54:32)
Das hat man leider selten.

[Jörg Eschke] (54:32 - 54:51)
Und das wäre, deswegen, Dokumentation ist wichtig, aber irren ist menschlich. Da passiert halt der Fehler, dass ein Projekt nicht übergeben wird, die Firma insolvent ist oder was auch immer, und dann die Projekte auf einmal einfach weg sind.

[Bastian Elsner] (54:51 - 55:08)
Kennt man leider zu gut, diese Horrorstories, habe ich auch schon das eine oder andere Mal gehört.

Ich möchte jetzt nicht so viel spoilern, aber ich glaube, wir können uns beide extrem auf die Light & Building 2028 freuen, da könnte das eine oder andere Neue kommen. Aber mehr möchte ich an der Stelle nicht verraten.

Jörg, vielen, vielen Dank, dass du den Weg nach Ostelsheim auf dich genommen hast, um uns heute zu besuchen. War richtig cool, die Aufnahme mit dir, hat mir mega Spaß gemacht. Und ja, vielen Dank fürs Vorbeikommen.

[Jörg Eschke] (55:20 - 55:26)
Ja, danke, vielen, vielen Dank für die Einladung. Mir hat es auch mega Spaß gemacht, mein erster Podcast, aber es war richtig gut, danke.

[Bastian Elsner] (55:26 - 56:12)
Ja, fand ich auch, ein cooles Gespräch, hat Spaß gemacht. Und an euch alle da draußen, wir haben schon geklärt, wo ihr mehr über Jörg erfahren könnt. Mich findet ihr natürlich auch auf LinkedIn, ich packe euch noch ein paar erweiterte Informationen in die Shownotes, dann könnt ihr das dort alles finden. Vielleicht noch zur Einordnung, wir haben heute den 9. September, als wir diese Folge aufgenommen haben, Jörg ist gerade erst frisch von der IFA gekommen, nur damit ihr das zeitlich ein bisschen einordnen könnt.

Vielen, vielen Dank fürs Zuhören, eine Bewertung würde uns riesig freuen, Kommentare von euch natürlich auch. Und dann sage ich schon mal, bis zur nächsten Ausgabe von "Menschen, Lebensräume & Technik", deinem Podcast von Elsner Elektronik. Tschüss.

Stand: 09/2026

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