Orangenes Elsner Podcast Cover Folge #26 mit Portraits von Bastian Elsner und Frank-Oliver GrünOrangenes Elsner Podcast Cover Folge #26 mit Portraits von Bastian Elsner und Frank-Oliver Grün

Elsner Podcast Folge #26: Matter & Thread auf dem Vormarsch: Wo steht der Standard heute? – mit Frank-Oliver Grün

Worum geht’s in dieser Folge?

Wie weit ist Matter wirklich – und was bedeutet das für die professionelle Gebäudeautomation? In Folge 26 geht es um den aktuellen Stand des Smart-Home-Standards, die wachsende Dynamik rund um Thread und die Frage, welche Märkte Matter besonders anspricht.

Bastian Elsner spricht mit Frank-Oliver Grün, der die Matter-Entwicklung seit Beginn intensiv verfolgt, darüber, welche Eindrücke die Messen Light + Building und die CES hinterlassen haben, warum Thread nach einer zögerlichen Startphase jetzt richtig Fahrt aufnimmt und wie eine Kundin aus China zeigt, wo Matter heute schon konkret zum Einsatz kommt.

Eine Folge für alle, die verstehen wollen, wie sich Smart-Home-Technologien weiterentwickeln, wo Matter noch Lücken hat – und warum KNX und Matter keine Gegenspieler sein müssen, sondern perspektivisch zusammenfinden könnten.

Frank-Oliver Grün

Zur Person

Frank-Oliver Grün ist Fachjournalist, Matter-Experte und langjähriger Beobachter der Smart-Home-Branche. Seit über 20 Jahren begleitet er als Autor, Redakteur und Analyst die Entwicklung intelligenter Gebäudetechnologien – mit einem besonderen Blick auf Endnutzer, Interoperabilität und offene Standards.

Mit matter-smarthome.de betreibt er eines der meistgelesenen deutschsprachigen Infoportale rund um den neuen Smart-Home-Standard Matter. Seine Mission: Orientierung schaffen in einem Markt voller Versprechen – durch klare Sprache, fundierte Einordnung und praxisnahe Bewertung. Als früherer Chefredakteur, Producer bei CHIPtv und Inhaber eines Redaktionsbüros in Stuttgart vereint er Technikkompetenz mit journalistischem Handwerk.

Portrait von Frank-Oliver Grün auf orangem HintergrundPortrait von Frank-Oliver Grün auf orangem Hintergrund

Transkript der Folge #26

Veröffentlichungsdatum: 23. April 2026

[Bastian Elsner] (0:00 - 0:53)
Hallo und herzlich Willkommen zu einer weiteren Ausgabe von "Menschen, Lebensräume & Technik", deinem Podcast von Elstern Elektronik. Mein Name ist Bastian Elsner und heute geht es mal wieder um ein Thema, das uns hier im Podcast schon länger begleitet und dieses Thema entwickelt sich gerade extrem dynamisch weiter. Ich spreche von – Trommelwirbel – Matter.

Heute habe ich wieder Frank-Oliver Grün zu Gast. Er beschäftigt sich intensiv mit den Themen und ist nah dran an den Entwicklungen und verfolgt sehr genau mit, was im Markt passiert. Unter anderem rund um die CES in Las Vegas oder auch die Light + Building in Frankfurt und darüber hinaus natürlich noch die vielen neuen Produkte und Ankündigungen.

Darüber möchte ich heute mit Frank sprechen. Frank, schön, dass du da bist.

[Frank-Oliver Grün] (0:53 - 0:54)
Hallo, danke für die Einladung.

[Bastian Elsner] (0:54 - 1:30)
Ich habe das Feedback bekommen, schon nach ein paar Folgen tatsächlich, weil sich auch immer mehr Endkunden auf unseren Podcast verirren. Das freut mich natürlich extrem, aber wir haben einen Kommentar bekommen, dass wir doch erst mal noch die Begriffe erklären sollten, um die es heute geht und das sind für mich drei Begriffe ganz entscheidend. Erst einmal Matter, Thread und KNX.

Für alle, die zum ersten Mal reinhören, möchte ich deswegen kurz sicherstellen, dass wir alle auf dem gleichen Stand sind. Frank, starte du gerne mal mit Matter und Thread. Was steckt da dahinter und worum geht es bei diesen beiden Begriffen eigentlich?

[Frank-Oliver Grün] (1:30 - 3:27)
Also Matter ist ein Kommunikationsprotokoll, das eine, sagen wir mal, Gemeinschaftsaktion von ganz, ganz vielen Herstellern ist, die in der Connectivity Standards Alliance verheiratet oder verbunden sind. Die Entwicklung ist 2019 gestartet. 2022 kam der Matter-Standard dann in der ersten Version mit den ersten Spezifikationen auf den Markt und er hat die Aufgabe, eine herstellerübergreifende Kompatibilität herzustellen von Endprodukten, dass sich also Leuchten, Aktoren, Sensoren, Staubsaugerroboter, Kühlschränke, was auch immer die vernetzbar sind, in unterschiedlichsten Smart Home Steuerlösungen, ob das nun Apple Home oder Google Home oder eine andere ist, verwenden, steuern und automatisieren kann.

Und Matter bedient sich dazu wiederum verschiedener Verbindungstechnologien, also die Produkte können auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Netzwerk verbunden werden. Da ist zum einen mal der ganz klassische Weg über ein Netzwerkkabel, über Ethernet, dann über WLAN, Wifi, wie das in den USA heißt und die dritte Verbindungstechnologie, die jetzt in der letzten Zeit einfach unheimlich viel auch ein bisschen durch die Medien geistert, das ist Thread, ein Verbindungsprotokoll, das sehr energiesparend ist, das eine Mesh-Topologie hat, bei der verschiedene Geräte innerhalb des Netzwerks sich gegenseitig verstärken und Signale weiterleiten und dadurch sich sozusagen selber stabilisieren und das Netzwerk vergrößern mit neuen Geräten, die in das Netzwerk kommen.

Das ist also gerade für Smart Home Anwendungen mit vielen Geräten und auch für batteriebetriebene Geräte, die mit WLAN einfach nicht so richtig lange laufen, die bessere Lösung und es ist letztendlich das Thema, was uns gerade in der Matter-Szene so ein bisschen bewegt, weil Thread hatte am Anfang, sagen wir mal, Ladehemmung und ist jetzt sehr langsam nur in die Gänge gekommen und seit einigen Monaten ist da jetzt richtig Dynamik drin.

[Bastian Elsner] (3:27 - 6:13)
Sehr schön, da freue ich mich auch extrem heute im Gespräch noch ein bisschen tiefer einzusteigen in die ganze Thread-Thematik, weil das ist für uns ein Thema, da setzen wir uns auch ziemlich intensiv mit auseinander. Ich würde es noch mal weitermachen mit der KNX-Definition und KNX ist ein seit Jahrzehnten etablierter offener Standard für die professionelle Gebäudeautomation, kommt ursprünglich aus Europa, ist aus dem EIB, also European Installation Bus, entstanden und wird weltweit in professionellen Installationen eingesetzt. Dabei sind die Hauptmerkmale auf die Lichtsteuerung, aber auch auf die Beschattung und bis hin zur Heizung.

Das heißt: KNX bedient im Prinzip die klassischen Gewerke, die wir bei uns in der Bauindustrie abwickeln müssen. KNX läuft ganz klassischerweise über ein eigenes Buskabel, ist extrem stabil und sehr tief planbar, aber eben auch komplex und wie viele im Markt behaupten, da gehe ich nicht ganz mit, auch nicht ganz günstig. Und genau da liegt auch ziemlich der unterscheidende Unterschied zu dem, worüber wir heute hauptsächlich sprechen.

Und ich würde sagen, jetzt haben wir auch mal die Begriffe geklärt und wir können auch eigentlich direkt reingehen. Frank, ich habe in unserem Vorgespräch, habe ich schon so eine ganz kleine Anekdote mal zum Besten gegeben, das würde ich für unsere Zuhörer gerne nochmal wiederholen. Ich hatte jetzt nach der Light + Building letzte Woche hatte ich noch eine, ja eine Kundin bei uns aus China.

Sie kommt ursprünglich aus Shanghai, aber macht inzwischen im kompletten Fernosten Projekte rund um die Gebäudeautomation. Also man könnte sie als Systemintegratorin bezeichnen, aber sie macht eigentlich noch ein bisschen mehr. Ursprünglich kommt sie aus dem Bereich absolute Luxusapartments.

Sie durfte ich auch schon sehen in Shanghai. Das ist wirklich extrem beeindruckend, was dort passiert und da ist KNX ganz klar gesetzt. Da kommt nichts anderes rein. Da ist auch der Fokus hauptsächlich auf Waren aus Europa. Das ist eine ganz spezifische Kundengruppe. Jetzt hat sie sich aber in einen neuen Markt vorgearbeitet und hat eine neue Niederlassung in Hongkong eröffnet.

Und da sprechen wir bei einem Luxusapartment bereits über Quadratmeterzahlen von 25 bis 50 Quadratmeter. Das ist in Hongkong absolute Luxus. Und hier kommt sie mit klassischen Systemen wie KNX nicht zurecht, weil sie sind zu komplex.

Sie sind zu aufwendig in der Infrastruktur und für ein einzelnes kleines Apartment in einem High-Rise-Gebäude ist es dort nicht passend. Deswegen guckt sie sich gerade nach anderen Technologien um und das, worauf sie gerade einiges setzt, ist tatsächlich Thread vom technologischen Unterbau und als Protokoll hat sie sich ganz konkret Matter angeschaut.

Frank, wenn du so eine Geschichte hörst oder das, was ich lernen durfte von meiner Kundin aus China, ist das genau der Markt, für den Matter eigentlich gemacht worden ist?

[Frank-Oliver Grün] (6:13 - 9:28)
Ob das der Markt ist, für den Matter gemacht worden ist, das weiß ich gar nicht, weil Matter ist natürlich schon auch durch die Unternehmen, die das Ganze ins Rollen gebracht haben, sehr stark jetzt Endkonsumenten getrieben und nicht so das klassische Feld auf dem Systemintegratoren sich tummeln.

Aber wenn ich mir anschaue, was ich jetzt gerade auf der Light + Building gesehen habe, was ich Gespräche geführt habe, dann ist es schon zu bemerken, dass es eine Entwicklung gibt, die auch für Systemintegratoren oder für Unternehmen, sagen wir mal, die die professionelle Gebäudeautomatisierung machen, spannend ist und die sie genau beobachten sollten, weil traditionell ist es ja so, dass eine Gebäudeinstallation, die wird vom Fachbetrieb irgendwie gemacht, die wird von ihm geplant, der Kunde spricht da zwar mit und äußert seine Wünsche und so weiter, aber das Ganze ist in den Händen des Fachbetriebs im Normalfall bis zur Inbetriebnahme, bis zur Übergabe und oftmals auch Automatisierungen.

Matter kommt jetzt aus dem Endkonsumentenmarkt und hat letztendlich einen Background, der so aussieht, dass Leute mit ihrer Apple Home App oder mit ihrer SmartThings App oder was auch immer eigentlich ganz viel selber machen und ihre Automatisierung selbst planen, bewerkstelligen, in Betrieb nehmen und auch ausbauen. Und wenn man sich jetzt mit Unternehmen wie zum Beispiel WAGO unterhält, die auf der Light + Building ja ihre ersten Matter-fähigen Produkte, sowohl WLAN als auch Thread vorgestellt haben, dann sagen die zum Beispiel, dass sie eine Entwicklung oder einen Trend sehen, bei der sich das so ein bisschen arbeitsteilig aufteilt. Es gibt einen Elektriker, es gibt einen Fachbetrieb, der nimmt natürlich die Installation vor, der nimmt es in Betrieb und der übergibt es dann irgendwann an den Kunden und dann entwickelt der aber sein eigenes System selbst weiter und entscheidet selbst, welche Geräte er da reinnimmt, wie er sie miteinander vernetzt, welche Automationen er haben will.

Und ich meine, da kommen wir nachher vielleicht im Gespräch noch drauf und dabei wird er in Zukunft dann auch noch durch Lösungen wie KI und digitale Assistenten unterstützt. Das heißt, dieses One-Shop-Szenario, das wir vielleicht in der traditionellen Gebäudeautomatisierung bislang hatten, das löst sich bis zum gewissen Grad auf und wird natürlich dann auch wahrgenommen von Unternehmen, die sagen, okay, wir machen jetzt Gebäudeautomatisierung für unsere Kunden mit Matter und da ist dann letztendlich Kunden in China oder in Hongkong ein Beispiel dafür, wie sowas läuft.

Es gibt auch in Europa Unternehmen, die sagen, wir wollen unsere Kunden, unsere Fachbetriebe in die Möglichkeit oder in die Situation versetzen, mit Matter eine Gebäudeautomatisierung aufzustellen für genau die Fälle, wo KNX halt nicht in Frage kommt, weil es zu, sagen wir mal, zu aufwendig, zu groß, zu komplex ist.

Im Nachrüstmarkt, der riesig ist, wo man sagt, da wird jetzt keiner kommen und ein Bussystem, ein kabelgebundenes installieren. Genau in diesen Bereichen schleicht sich natürlich Matter so ein bisschen ran im Augenblick.

[Bastian Elsner] (9:29 - 11:11)
Vielen Dank für die Einordnung. Also unsere Zuhörer haben mich gerade leider nicht nicken sehen können, aber ich stimme dieser Entwicklung total zu. Also ich sehe da wirklich, dass da so eine gewisse Änderung der Logik an der Gebäudeautomation eigentlich stattfindet.

Ein weiterer Aspekt ist zum Beispiel noch, das hat mir auch die Kundin mitgegeben, in Hongkong ist es zum Beispiel total üblich, dass du relativ oft umziehst und das ist wohl in ganz China so und sie sucht eben auch nach einem System, womit die Kunden im Prinzip umziehen können. Also sie kaufen sich im Prinzip die Installation, die über Thread läuft und dann mit einem zum Beispiel M3-Klebeband wirklich wird da ein Sensor an die Decke geklebt und mit dem kann man eben auch umziehen. Das ist auch schon ein riesiges Unterscheidungsmerkmal, wenn ich da zum Beispiel an KNX denke und da gehe ich komplett mit.

Für diese Anwendungsfälle, da trifft Matter aktuellen Markt und kann eine Lücke füllen, die es die klassischen Protokolle noch nicht geschafft haben zu besetzen. Ich würde jetzt gerne noch etwas tiefer in das Thema Thread einsteigen. Ich habe ja auch schon gesagt, dass meine Kundin, die setzt extrem stark auf Thread, weil sie eben sagt, du brauchst diese klassische Verkabelung nicht.

Aber ich höre eben auch, dass es immer mal wieder so ein bisschen Probleme mit Thread gibt, also vor allen Dingen im Aufbau mit der Integration und dass es eben doch nicht so einfach ist, wie das Nutzerversprechen aktuell von Matter vielleicht auch noch so ein bisschen kommuniziert wird. Ich denke da ganz konkret an Beispiele, die ich gelesen habe mit Ikea zum Beispiel, Verbindungsabbrüche jetzt gerade mit den neuen Produkten und da würde mich natürlich wahnsinnig interessieren, wie bewertest du Thread aktuell wirklich? Wie ist der Stand?

Ist es schon da, wo es sein soll und wo es kommuniziert wird oder haben wir da noch so ein bisschen Startschwierigkeiten und Luft nach oben?

[Frank-Oliver Grün] (11:11 - 14:55)
Also wenn man das mit dem Matter-Produktversprechen abgleicht, also so wie Matter eigentlich sein soll, kann man natürlich sagen, nein, da ist Thread im Augenblick noch nicht, weil diese vollkommene Plug-and-Play-Geschichte, ich nehme irgendein Produkt von irgendeinem Hersteller, nehme das nach Hause, schalte das ein und es funktioniert. Da sind wir in vielen Fällen im Augenblick noch nicht oder in einigen Fällen im Augenblick noch nicht. Ich muss dazu sagen, ich habe diese ganzen Thread-Probleme nicht.

Ich bin allerdings auch schon ein paar Jahre jetzt mit Thread-Netzwerken unterwegs. Ich habe ein relativ sauber aufgebautes und auch sehr schlichtes Netzwerk, also da ist letztendlich nur ein Fritzbox-Router und ansonsten ist das Ganze im Kern ein Thread-Netzwerk von Apple mit HomePods und Apple TVs, ergänzt um eine ganze Reihe anderer Border-Router von Home Assistant, von SmartThings und so weiter, die aber alle problemlos zusammenspielen, weil ich letztendlich weiß, wo so ein bisschen die Stolpersteine liegen.

Das kann man aber von einem, sagen wir mal, typischen Ikea-Kunden, der einen Sensor für 7,99 €, ein Fensterkontakt oder eine Fernbedienung für 5,99 € oder was auch immer die mittlerweile kosten, kann man das nicht erwarten. Zumal auch die Kommunikationspolitik von Ikea ja so war, dass sie gesagt haben, okay, wir reden über Thread überhaupt nicht. Wir haben nur ein Matter-Logo auf unseren Produkten drauf und der Rest funktioniert automatisch.

Und dann hat man halt festgestellt, nein, es funktioniert nicht immer automatisch, weil einfach eine ganze Menge Sachen schiefgehen können. Wenn ich das Produkt in Betrieb nehme und ich habe aus welchen Gründen auch immer ein Timeout oder ich bin nicht nah genug am Border-Router oder was auch immer und es läuft irgendwie schräg, dann wissen die normalen Endkonsumenten nicht, okay, ich muss das jetzt natürlich auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Ich muss es irgendwie, wenn ich mit Apple Home in Betrieb genommen habe, aus der Apple Home ablöschen.

Ich muss aber außerdem noch in den Einstellungen bei den Matter-Produkten das aus der Keychain löschen. Dann muss ich das Ganze irgendwie neu initialisieren und so weiter. Das kann man im Augenblick einfach nicht voraussetzen, dass das jeder Endkonsument weiß.

Und okay, diese ganze Ikea-Geschichte ist ziemlich hochgekocht. Sie basiert aber im Wesentlichen auf natürlich schon zahlreichen Klagen von Nutzern, die auf Reddit was geschrieben haben. Und dann hat The Virgin, ein amerikanisches Magazin, zweimal Artikel darüber gemacht, weil eben auch die Redakteurin dort, die ich gut kenne von verschiedenen Treffen auf Messen, die auch Probleme hat irgendwie damit.

Und natürlich auch Ikea sagt, das ist nicht der gewünschte Zustand. Das wollen wir irgendwie nicht haben. Aber dass das dann natürlich auch nochmal zusätzlich eine Welle macht, liegt daran, dass ganz viele Medien darüber schreiben.

Jeder, ich will jetzt niemanden, ich habe selber irgendwie eine Seite über Matter. Aber es ist halt so, einer schreibt was und ganz viele schreiben natürlich auch einfach, stürzen sich drauf, schreiben davon ab, ohne eigene Erfahrungen zu haben, ohne auch irgendwie eigene Expertise vielleicht noch mit reinzubringen. Und deswegen ist es natürlich schon ein ziemliches Thema in den letzten Wochen gewesen.

Ich kann, wie gesagt, das Thema, also die Problematik nicht reproduzieren bei mir. Bei mir funktionieren ein Dutzend Ikea-Produkte einwandfrei. Aber ich weiß, dass es diese Probleme gibt.

Ich habe sie auch in anderem Kontext früher schon selber erfahren. Und das ist natürlich was, was ich noch lösen muss, damit es wirklich so eine richtige Plug-and-Play Lösung wird.

[Bastian Elsner] (14:55 - 15:12)
Würdest du da so einen Blick in die Glaskugel werfen wollen, was da eine mögliche Lösung ist? Muss man irgendwie den Kenntnisstand von den Endkonsumenten, von der Zielgruppe erhöhen, was ich mir extrem schwierig vorstelle? Oder muss die Technologie tatsächlich noch irgendwie ein Stück weit nachkommen, dass es wirklich noch einfacher wird?

[Frank-Oliver Grün] (15:12 - 16:31)
Also die Technologie muss noch nachlegen, definitiv. Also ich kann jetzt nicht, sagen wir mal, Produkte auf den Markt bringen, wo ich sage, also der Endkonsument muss schon irgendwie genug informiert sein, damit er sie benutzen kann. Also so funktioniert gerade auch insbesondere der Endkonsumentenmarkt nicht.

Nee, also da sind auch ganz maßgeblich die Hersteller gefragt. Und da sind natürlich nicht nur die Endgerätehersteller gefordert. Die machen schon relativ viel und haben ja auch außerdem eine Zertifizierungspflicht, wo sie bestimmte Sachen abtesten lassen müssen, dass es funktioniert.

Da sind aber vor allen Dingen im Augenblick die großen Matter-Plattformen gefragt, die ja schon von Anfang an eigentlich so ein bisschen einen Hinderungsgrund dargestellt haben, weil sie individuell vorgehen, jeder sein eigenes, sagen wir mal, Geschäftsmodell logischerweise hat und seine eigenen Prioritäten setzt. Und letztendlich in erster Linie darauf schaut, funktioniert das in meinem Ökosystem mit meinem Works with XY-Label, funktioniert das da gut? Und was passiert, wenn die unterschiedlichen Ökosysteme aufeinandertreffen, hat nicht so die allerhöchste Priorität?

[Bastian Elsner] (16:31 - 17:01)
Okay, alles klar. Das ist, um da den Vergleich zum KNX-System zu ziehen, etwas anders. Da steht wirklich die Interoperabilität an einer sehr hohen Stelle und wird entsprechend auch durch die Zertifizierung abgesichert.

Aber da möchte ich jetzt gar nicht so tief reingehen in das Thema. Du hast eben noch von Matter-Plattformen gesprochen. Einfach nur noch mal, um das für die Hörer so ein bisschen einzuordnen. Da sprechen wir dann entweder von Google Home, Apple Home oder von Samsung SmartThings. Ich habe jetzt garantiert noch einen der Großen vergessen. Aber das ist schon das, was gemeint ist, wenn wir über Matter-Plattformen sprechen.

[Frank-Oliver Grün] (17:02 - 19:27)
Ja, leider würde ich sagen. Also zum einen müsste man noch Amazon irgendwie dazu nehmen als vierten Großen, sage ich mal. Aber leider deshalb, weil es natürlich in der Wahrnehmung ganz oft immer noch so ist, dass Matter eigentlich eine Veranstaltung von diesen Konzernen ist.

Und es aber mittlerweile jede Menge andere Plattformen gibt. Also Plattformen oder Ökosystemen und so weiter bezeichnet eigentlich immer ein System oder eine Lösung, mit dem ich Matter-Produkte in Betrieb nehmen kann, sie automatisieren und einfach im Alltag betreiben. Über eine App, über eine Sprachsteuerung, was auch immer.

Okay, das sind natürlich, fallen einem da als erstes Apple, Google etc. ein. Aber es gibt natürlich eine Open-Source-Software wie Home Assistant, die letztendlich genau dieselbe Funktionen erfüllen kann.

Ich kann einen Smart Home mit Matter-Produkten aufbauen, ohne überhaupt irgendeinen Großen auf die großen Plattformen zurückgreifen zu müssen. Ohne auf die großen Plattformen zurückzugreifen. Es gibt kleinere Plattformen, es gibt zum Beispiel Homie, die letztendlich Matter-Controller, das ist so die Funktionalität, die ich da brauche, sind.

Es gibt im professionellen Bereich, es gibt den 1-Home-Server, es gibt den Elsner-Server, die sowas können. Simcon hat gerade die Matter-Controller-Funktionalität in seine Simcon 9.0 Software aufgenommen. Also es gibt letztendlich Alternativen zu den großen Konzernen und das ist auch wichtig und das sollte auch noch wesentlich mehr werden und mehr in den Fokus rücken, weil mich das dann natürlich unabhängiger macht von den großen Konzernen.

Es wird in der letzten Zeit immer so, war auch viel davon geredet, wie abhängig wollen wir uns von großen Konzernen machen, insbesondere wenn die im Ausland sitzen. Wie sieht das aus? Achso, ja genau, Ausland.

Acara beispielsweise ist auch ein Ökosystem des Matter-Controllers. Ist ein chinesischer Anbieter, genau. Aber also die Idee von dem Matter-Standard ist ja eben nicht, dass ich auf eine Plattform festgelegt bin, sondern ich soll irgendwann souverän entscheiden, welche Lösung zur Hausautomatisierung benutze ich und die unterstützt hoffentlich Matter und dann kann ich eben Matter-Produkte in diese Lösung integrieren.

[Bastian Elsner] (19:27 - 20:47)
Stark, vielen Dank für die Einordnung. Da durfte ich jetzt auch noch das eine oder andere mitnehmen und es war auch eigentlich die perfekte Überleitung zu meiner nächsten Frage. Ich möchte nämlich gerne auf die CES in Las Vegas und auf die Light + Building in Frankfurt zu sprechen kommen und auch so den einen oder anderen geografischen Unterschied, den ich doch wahrnehme.

Da würde mich gerne mal deine Meinung dazu interessieren. Wenn ich mir nämlich anschaue, was rund um die CES zu sehen war. Also ich habe mir da auch den Bericht von dir durchgelesen mit den neuen Produkten, die da veröffentlicht worden sind.

Und da waren extrem viele Produkte, extrem viele Logos, aber noch relativ wenig so dieses saubere Matter und vor allen Dingen ganz viel in dem Bereich Staubsaugroboter, Tür- und Schlossanlagen. Und da sehe ich schon irgendwie eine andere Entwicklung auf dem amerikanischen Markt, wie zum Beispiel auf dem deutschen Markt. Weil das habe ich zum Beispiel an der Light + Building auch nirgends entdeckt.

Ich meine, klar, es ist auch so ein bisschen eine andere Zielgruppe, aber eben die Matter-Aktorik, die war eben schon extrem stark auf der Light + Building. Also du hast zum Beispiel WAGO schon als Beispiel gebracht. Da könnte ich jetzt noch mit El Taco weitermachen und noch ganz viele andere.

Ich habe schon Matter-Controller als Werbegeschenke auf anderen Messen der Gebäudeautomation bekommen. Also da gibt es schon wirklich, wirklich extrem viel. Aber die eigentliche Frage, die ich mir dabei stelle, wird Thread tatsächlich in den USA stärker vorangetrieben, als jetzt zum Beispiel in Europa?

[Frank-Oliver Grün] (20:47 - 23:15)
Würde ich nicht sagen. Ich glaube sogar, Thread wird im Augenblick eher von so einem globalen Konzern wie Ikea vorangetrieben, die ja sowohl in den USA als auch in Europa, als auch auf anderen Kontinenten unterwegs sind. Und der unterschiedliche Fokus bei der CES und bei der Light + Building liegt natürlich schon auch ein bisschen daran, dass die CES mehr so ein, sage ich mal, Technik-Schaufenster mit vielen Endkonsumenten Produkten ist.

Also da kann man dann wahrscheinlich die CES eher mit der IFA in Berlin vergleichen. Was das vorgestellte Produktsortiment angeht und die Light + Building ist ja letztendlich einfach eine knallharte, sage ich mal, Fachmesse. Und deswegen fand ich das eigentlich in diesem Jahr auch interessant, weil man gemerkt hat, im Unterschied zur Light + Building vor zwei Jahren, wo ich mich auch mit Ausstellern unterhalten habe, die damals schon Matter gemacht haben und die einem dann so ein bisschen, sage ich mal, ernüchtert erzählt haben, ja, wir haben da zwar was entwickelt und wir haben dann zwar Produkte, aber eigentlich interessiert es nicht so viele, weil alle reden über KNX. War das in diesem Jahr komplett anders?

Weil plötzlich haben alle, sage ich jetzt einfach mal, oder sehr, sehr viele über Matter geredet, nicht nur über KNX. Und man hat eben auch gesehen, dass da Thread-Produkte aus dem professionellen Bereich kommen, was eine neue Entwicklung ist, weil, okay, wir haben natürlich traditionell so Thread-Verfechter wie eSystems, die ja zu ABB gehören mittlerweile, die aber eigentlich ursprünglich auch aus dem Endkonsumenten-Bereich kommen. Also hatte man eigentlich, dann gab es erste Produkte von Nanoleaf und so, also letztendlich alles Endkonsumenten-Marken, wo man gedacht hat, okay, das ist der Bereich, der Thread treibt und voranbringt.

Und jetzt stellt man plötzlich fest, ja, nee, also es gibt, du hast schon genannt irgendwie El Taco, es gibt Wago, Hager hat eine Schalter-Serie vorgestellt. Und es tut sich da gerade im professionellen Bereich jetzt erstaunlich viel. Wir haben Warema, die mit Jalousie-Aktoren und so weiter draußen sind.

Das fand ich sehr interessant auf der diesjährigen Light + Building zu sehen. Nee, also Thread ist gar nicht so sehr das reine Endkonsumententhema, sondern das kommt jetzt im professionellen Bereich. 

[Bastian Elsner] (23:16 - 23:29)
Und was ich jetzt auch vernommen habe, das kann man nicht so sagen, dass es wirklich ein amerikanisches Thema ist, dass es dort viel mehr gepusht wird als in Europa, sondern wirklich ein globales Thema, wenn ich das nochmal so wiedergeben kann, was du eben gesagt hast.

[Frank-Oliver Grün] (23:29 - 24:46)
Also es ist natürlich schon so, dass durch die Gründungsmitglieder Apple, Google, Amazon und so weiter da ein, sagen wir mal, traditioneller USA-Stempel drauf ist. Und es erzählen einem auch, sagen wir mal, nicht-USA-Unternehmen, die mitarbeiten in der Standardentwicklung, dass es manchmal schwierig ist in dieser CSA, auch letztendlich typisch, sagen wir mal, europäische Problemstellungen.

Also das ist beispielsweise was, was die Smartlock-Hersteller, die ja anders als die amerikanischen Deadbolt-Riegelschlösser, gibt es bei uns eben drei Schließzustände aufgesperrt, zugesperrt und Falle gezogen. Und das war dann letztendlich ein bisschen ein Act, bis man, sagen wir mal, die amerikanischen Kollegen in der CSA, in den Arbeitsgruppen überzeugt hatte, dass man sowas auch im Standard irgendwie haben will. Also das ist schon so, dass es da eine gewisse USA-Affinität gibt.

Aber China ist sehr, sehr aktiv, Asien insgesamt, auch Japan. Das aktuelle Member-Meeting von der CSA war jetzt gerade, glaube ich, in Yokohama oder sowas. Also Asien ist sehr, sehr stark, was Matter angeht.

Und wie gesagt, Europa sieht man jetzt auf der Light + Building, ist auch ein bisschen aus dem Pushen gekommen. Da gehe ich auf jeden Fall mit.

[Bastian Elsner] (24:47 - 26:46)
Die nächste Frage, die ich dir eigentlich stellen wollte, ich stelle sie trotzdem, aber ich glaube, die hast du eben schon perfekt beantwortet. Und zwar, ich habe das Gefühl gehabt, wir sehen gerade so ein bisschen zwei Welten. Auf der einen Seite eben Lampen, Staubsaugroboter, smarte Schlösser und auf der anderen Seite Beschattung, Aktorik und ich sage es mal ganz böse, so eine echte Gebäudefunktion, wie man das so aus der KNX-Welt rauskennt.

Und da wird auch, glaube ich, so ein bisschen die Use Cases werden so ein bisschen aus der Welt übertragen und versucht, nach Matter rüberzubringen. Und da kann ich eben doch die Unterschiede feststellen. Was kommt mehr aus den Staaten und was kommt mehr aus Europa?

Und das finde ich schon extrem spannend zu beobachten, weil ich sage, du brauchst beides. Du hast vielleicht den ersten Entry Point über den Staubsaugroboter und dann gehen im Prinzip die Gedankenkreise los. Wie kann ich das Ganze noch erweitern?

Und dann werden eben die System Komponenten auf einmal viel spannender, wo man vielleicht auch nicht auf den ersten Blick als Endkunde versteht. Was soll das denn machen? Wird damit ein Schloss geöffnet oder saugt das meine Wohnung?

Oder Fensterputzroboter von Aquara habe ich jetzt ganz neu entdeckt. Finde ich auch total cool, dass es so etwas gibt. Ob es schon eine Matter-Anbindung hat, bin ich mir gar nicht sicher. 

Ich glaube nicht. Dann wird es Zeit. Genau.

Du hast ja eben auch schon das Beispiel Warema gebracht. Da habe ich auch viel Zeit am Stand verbracht. Arbeiten wir auch schon eine gewisse Weise zusammen.

Also die Firma Elsner und Warema, da gibt es immer einen sehr regen Austausch, weil es sind natürlich die absoluten Profis, was Beschattung angeht. Und da kommt unsere Sensorkompetenz, die passt da ganz gut zusammen. Und das freut mich natürlich extrem, dass sich da auch diese, sage ich mal, diese traditionellen Firmen dann wirklich auf dieses Thema stürzen.

Aber was, das sind noch die Ausnahmen, muss ich sagen. Du hast jetzt zum Beispiel noch Hage genannt, Vargo und El Taco. Aber es gibt auf der Light + Building viele hunderte Aussteller und die Liste sind eben nicht viele hunderte, die sich jetzt in dieses Matter-Thema reinwagen.

Deswegen die Frage, was braucht es aus deiner Sicht, damit mehr klassische Gebäudetechnikhersteller wirklich ernsthaft auf Matter aufspringen?

[Frank-Oliver Grün] (26:47 - 31:59)
Naja, zum einen braucht es wahrscheinlich noch mehr Druck vom Kunden, aus dem Endkonsumentenmarkt, weil mit der Zahl der, sage ich mal, Matter-Produkte oder Matter-Anwendungen, die in den Haushalten unterwegs sind, steigt natürlich auch der Bedarf und der Wunsch, so was in irgendeiner Art und Weise integriert zu haben. Weil das ist ein klassisches, sage ich mal, IoT-Thema. Also das hatten wir früher auch schon ohne Matter.

Also ganz viele Leute haben sich irgendwann eine Philips Hue-Lampe oder ein paar davon geholt mit einer Hue-Bridge und waren dann irgendwie ganz happy, dass sie sich da Licht Stimmungen machen konnten und letztendlich das Licht so gestalten, wie sie sich das vorstellen. Und waren dann immer so ein bisschen verdutzt, dass es, naja, aber jetzt würde ich doch eigentlich ganz gerne die Deckenleuchte, die ich nicht Hue-fähig machen kann, weil da halt vielleicht irgendwelche Leuchtmittel drin sind, die es von Hue nicht gibt, die würde ich jetzt irgendwie doch gerne auch mit einbinden in die Lichtszene. Oder ich würde gerne mein ganzes Haus im Licht steuern und nicht nur die drei Räume, in denen ich irgendwie Philips Hue habe.

Also das und was hat das letztendlich ausgelöst? Das hat ausgelöst, dass immer mehr Anbieter eine Schnittstelle zur API von Philips Hue irgendwie hergestellt haben und dann konnte man halt Philips Hue als Lösung in eine traditionelle Gebäudeautomatisierung reinholen. Als Ergänzung.

Als Ergänzung. Und ich glaube, letztendlich wird es in diese Richtung bei Matter noch in viel stärkerem Maße gehen, weil einfach der Endkonsument, der Kunde nicht versteht, warum bestimmte Funktionalitäten, die ihm, jetzt haben wir es vorher schon genannt, ein Ikea-Produkt für 7,99 € bietet, warum das mit seiner professionellen Gebäudeautomatisierung irgendwie nicht geht. Oder warum ihm dann irgendwie der Fachbetrieb erklärt, ja, dazu müssen wir aber diese und jene Infrastruktur machen und dann brauchst du noch irgendwie ein zusätzliches Gateway auf der Hutschiene und da muss noch dies und jenes passieren.

Macht irgendwie, keine Ahnung, 1.600 €, damit du diese Lichtlösung da irgendwie noch mit drin hast. Oder deinen Staubsaugerroboter da irgendwie mit drin hast, dass der automatisch losläuft, wenn du aus dem Haus gehst und nicht irgendwie, wenn du abends auf dem Sofa sitzt, plötzlich irgendwie anfängt, den Wohnzimmerboden zu saugen.

Also von daher, in diese Richtung, glaube ich, wird es noch viel stärker gehen und deswegen wird die traditionelle Gebäudeautomatisierung das fast zwangsläufig adaptieren müssen und überlegen müssen, wie gehe ich mit Matter um, weil Matter ist halt nicht, das wird schon sehr oft natürlich, wird es auch diese ganzen Saugroboter und die smarten Birnen und so weiter, wird halt immer gerne als Gadget gesehen, als Spielzeug und abgetan, aber das ist halt, okay, die einen sagen Gadget, aber ich sage immer, das ist das Leben irgendwie der Leute, weil die leben mit diesen Produkten und eine Gebäudeautomatisierung muss letztendlich das Leben der Leute berücksichtigen und das quasi mit aufnehmen und nicht sagen, ich bin eine tolle Gebäudeautomatisierung und ich definiere, wie dein Leben auszusehen hat, sondern halt idealerweise umgekehrt.

Und deswegen wird es schon letztendlich sich aufeinander zu bewegen und ich würde mir manchmal wünschen, weil da sehr oft auch so ein Lagerdenken oder Lagerkampf noch stattfindet. Du hast vorher von KNX gesprochen, da ist auch natürlich bis zum gewissen Grad, das ist ein total tolles System.

Ich mag KNX. Ich finde, man kann wahnsinnig viel machen. Es hat Vorteile, was irgendwelche Inbetriebnahmen über alle Objekte hin angeht mit einer standardisierten ETS und so weiter.

Alles schön und gut, aber also immer zu sagen, okay, das ist der Goldstandard und wir machen alles irgendwie mit dem Goldstandard oder wir machen es nicht so ungefähr, ist keine Option auf Dauer, finde ich. Und von daher würde ich mir oftmals wünschen, dass man sagt, okay, wir versuchen nicht irgendwie das, was die andere Seite macht mit unseren eigenen Möglichkeiten, sei es nun KNX IoT oder was auch immer, irgendwie nochmal zu replizieren und das mit unserer eigenen Technologie zu machen, sondern dass man sagt, okay, wo kommt denn der meiste Benefit irgendwie für den Kunden dabei raus und vor allen Dingen auch so, dass es vom Preis- Leistungsverhältnis für den Kunden attraktiv ist, weil wir reden jetzt, jetzt haben wir gerade wieder natürlich steigende Benzinpreise.

Wir haben irgendwie insgesamt sowieso eine Situation, dass viele Leute sagen, ich muss schauen, ich kann mein Geld nur einmal ausgeben, wofür gebe ich es denn irgendwie aus? Und also in diesem Spannungsfeld wäre es eigentlich ab und zu mal gut, wenn der eine oder andere das Gefühl hätte, da gibt es ein Angebot von der Gebäudetechnik, das macht genau das, was ich mir irgendwie wünschen würde. Super, nehme ich, mache ich.

[Bastian Elsner] (31:59 - 32:54)
Ja, echt spannend. Also vielen Dank für die Einordnung auch an der Stelle. Interessiert mich natürlich auch immer extrem brennend, was die Nutzer und Kunden draußen im Markt eigentlich mit unseren Produkten machen.

Und du hast es vorhin schon erwähnt, wir haben ja auch einen KNX Matter-Server im Prinzip, um diese zwei Welten zusammenzubringen, weil die Annahme war bei uns und ich glaube, also das würde ich mich auch freuen, wenn du es mir bestätigen oder widerlegen könntest. Ich denke, die Annahme bei vielen Herstellern ist im Prinzip, Matter ist im Prinzip so als reine Ergänzung zu sehen. Ich habe eine bestehende KNX-Installation, da wurde irgendetwas vergessen, also möchte ich im Nachgang noch etwas integrieren, zum Beispiel einen 7,99 € Fensterkontakt von Ikea, dass ich eben den Zustand von meinen Fenstern auch auf dem KNX-Bus habe.

Das war die Annahme. Und nochmal zu der Frage, würdest du sagen, das haben sich andere Hersteller auch so gedacht?

[Frank-Oliver Grün] (32:54 - 34:31)
Das hängt ein bisschen vom Hersteller ab, denke ich. Also jetzt die Hersteller, die eine Matter-Aktorik schon entwickelt haben und irgendwie auf dem Markt haben, die gehen glaube ich nicht in erster Linie davon aus, dass diese Matter-Schaltaktoren, Jalousie-Aktoren, was auch immer das irgendwie alles ist, nur so quasi als Ergänzung von einer anderen Gebäudeautomatisierung irgendwie eingesetzt werden, die sehen das schon auch irgendwie als eigene Lösung. Und ich könnte mir vorstellen, dass die Leute, die jetzt so eine Matter-KNX-Bridge-Lösung, wie auch immer wir die nennen wollen, haben, dass die auch in erster Linie dabei die Usability im Blick haben, weil halt dadurch das Matter von solchen Konzernen wie Apple, Google etc. getrieben wird und die Leute ja schon letztendlich ganz viele von diesen UIs zu Hause haben.

Die haben schon ein iPhone mit einer Apple Home App oder die haben schon ein, was weiß ich, Samsung Smart TV mit einem SmartThings-App, wo sie sich bis hin zur Grundrissdarstellung ihres Smart Homes irgendwie alles anzeigen lassen können. Also dass sie mit der Erwartungshaltung kommen und das irgendwie über Matter realisieren wollen.

[Bastian Elsner] (34:32 - 35:22)
Also das finde ich echt heftig, weil wir haben tatsächlich eine Umfrage genau diesbezüglich gemacht. Was machen unsere Kunden mit dem KNX Matter-Gateway? Da haben wir auch echt tolles Feedback bekommen, aber ich war wie gesagt wahnsinnig überrascht.

Weil der größte Anwendungsfall ist nämlich gar nicht das Einlernen neuer Matter-Geräte, sondern ganz einfach die Darstellung, also eine Apple Home-Oberfläche, wie du es eben im Prinzip schon gesagt hast. Also das Ansinnen war im Prinzip, dass der Endkunde eine zugängliche, moderne Bedienoberfläche für sein Profisystem hat. Und das will er auch die ganze Zeit mit sich rumtragen und auch entsprechend zeigen können.

Und das war für mich wirklich so ein Shift irgendwie, auch wie ich über das Thema Matter nachgedacht habe. Also zumindest wie unsere Produkte eingesetzt werden. Das war ein guter Erkenntnisgewinn für mich.

[Frank-Oliver Grün] (35:22 - 36:18)
Ja, weil letztendlich die Leute haben diese Produkte und stellen fest, ich kann damit wie ganz einfach umgehen. Die sind intuitiv und so weiter. Und sie sehen auf der anderen Seite, das war ja auch letztendlich früher schon in traditioneller Gebäudetechnik möglich.

Aber wenn dann letztendlich die Frage ist, möchte ich das mit meinem iPad oder mit meinem iPhone bedienen oder lasse ich mir ein, keine Ahnung, 7-Zoll-Touchscreen für vierstellige Beträge aus der traditionellen Gebäudeautomatisierung irgendwie an die Wand hängen, dann ist halt ganz oft die Entscheidung so, ja, aber wenn ich das doch sowieso schon mit meinem Smart-Device irgendwie machen kann, dann will ich das damit auch machen.

Und dann kommt natürlich nicht zuletzt die Sprachsteuerung in vielen Fällen dazu, dass die Leute sagen, ja, aber ich will das mit meiner Alexa oder mit meiner Siri steuern können.

[Bastian Elsner] (36:19 - 38:55)
Das war auch tatsächlich eine der ersten Use Cases, die wir auf Messen gezeigt haben, dass ich im Prinzip über einen Apple HomePod meine Jalousie über eine klassische KNX-Installation fahren kann. Und das sehe ich auch heute noch als einer der größten Mehrwerte von der Lösung, die wir dann in den Markt gebracht haben. Ich möchte versuchen, noch mal einen ehrlichen Vergleich zwischen KNX und Matter heute zu ziehen.

Wenn ich das für mich bewerte, dann muss ich sagen, KNX hat heute noch ganz klare Stärken. Das ist zum Beispiel die Stabilität, aber auch die Planbarkeit und die Tiefe, wo ich überhaupt in das Protokoll eindringen kann. Also ich sage das immer gerne so schön im KNX-Bereich, da ist der größte Hemmschuh im Prinzip die eigene Kreativität, weil für jeden Anwendungsfall gibt es im Prinzip ein Produkt, das entsprechend zertifiziert ist, die Kompatibilität ist gegeben und ich habe auch eben nicht diese Einzelsüppchen, dass ich sage, wenn ich ein ABB-KNX-Gerät konfigurieren möchte, dann muss ich irgendein ABB-Tool nehmen. Nein, du hast eine standardisierte Oberfläche, wo du im Prinzip parametrieren kannst.

Also wir sprechen da auch ganz bewusst von einer Parametrierung und nicht von einer Programmierung. Aber da sind natürlich auch schon die ersten Hemmschuhe mit dabei, wie wir es eben besprochen haben und ich sehe KNX ganz klar weiterhin in den Profi-Installationen, aber ich denke, da wird sich mit noch mehr Produkten, mit noch mehr Funktionen, wird sich da einiges in Zukunft ändern und das beobachte ich total gespannt. Auch wenn ich in KNX, du hast es eben schon angesprochen, es gibt eine ganz ganz neue Entwicklung und das ist im Prinzip KNX-IoT.

Da wurde schon 2024 drüber gesprochen und was mir ein bisschen Sorge bereitet, ist auch aktuell, sage ich mal, die Entwicklungsgeschwindigkeit, weil es gibt einfach noch viel zu wenig Produkte, um das wirklich mal gut auszuprobieren. Aber die Vorteile, die wir vorhin auch schon besprochen haben, also Thread, dass es einfach von Haus aus ein Mesh-Netzwerk ist und eben die ganzen Problemchen, die man bei anderen Funksystemen hat, je mehr Teilnehmer, desto chaotischer wird es eigentlich. Genau das ist bei Thread eben anders und da sehe ich schon extreme Chancen, dass sich KNX auch noch weiter in den IoT-Bereich einarbeiten kann.

Aber was mir eben Sorge macht, ist ganz klar der Speed. Also wir haben einfach nicht die Geschwindigkeit, die man zum Beispiel in Matter beobachten kann. Das kann sich in den nächsten Jahren ändern, aber das sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt ehrlich gesagt noch nicht.

Genau, mich würde da auch deine Meinung dazu noch interessieren zu KNX-IoT. Wir haben es ja auch im Vorgespräch auch noch mal kurz angesprochen. Denkst du, dass wir da mittelfristig eher vor einer Annäherung stehen oder bleiben das zwei komplett getrennte Welten?

[Frank-Oliver Grün] (38:55 - 42:32)
Das müsste vielleicht eher die KNX Association beantworten, die Frage. Ich weiß es nicht so richtig. Ich sehe halt ein bisschen die Gefahr, dass letztendlich, weil KNX-IoT versucht, zumindest in Teilen Probleme zu lösen oder Aufgaben zu erfüllen, die Matter auch irgendwie versucht zu lösen.

Und Matter im Augenblick natürlich noch nicht so hundertprozentig einheitlich voranschreitet. Wir haben das ja schon gehabt, dass die Plattformen da unterschiedliche Tempi, sagt man glaube ich, haben. Aber das ist natürlich bei KNX anders und das ist auch gut so bei KNX, dass das alles so weitestgehend strukturiert läuft.

Da gibt es natürlich auch Unterschiede zwischen den Produkten und so weiter. Das ist klar. Aber dieses Tempo, das Matter an den Tag legt, wird natürlich, glaube ich, schon zum Problem werden, weil die Zahl der Produkte steigt von Woche zu Woche und von Monat zu Monat.

Und wir haben es da – es ist so eine Entwicklung, wie wir sie in vielen Bereichen haben, wenn es digitale Disruption gibt. Ich komme aus der Verlagsbranche. Das Internet hat ganz viel verändert. Die klassischen Medien haben mit Social Media ein Stück ihrer Deutungshoheit verloren und versuchen da heute noch ihren Platz zu finden. Und keiner bedauert das ab und zu mehr als ich.

Aber es ist halt einfach so und man muss sich dieser Situation stellen. Die Automobilindustrie und gerade wenn es um die Elektromobilität und die Entwicklungen in diesem Bereich gibt, steht auch vor massiven Herausforderungen. Und da hat sich ja jetzt schon irgendwie viel geändert, weil man festgestellt hat, okay, bislang, also früher war das so, dass die Entwicklung eines vernünftigen Verbrenners irgendwie x Jahre irgendwie gedauert hat.

Und China macht das jetzt mit irgendwelchen Elektroautos in der Hälfte der Zeit oder noch weniger. Also es ist letztendlich immer ein Zeitthema, das natürlich die, sagen wir mal, die etablierten Strukturen unter Druck setzt, weil der Markt wartet nicht. Der sitzt nicht da und wartet bis quasi sich das traditionelle Geschäftsmodell zurechtgerüttelt hat, sondern im schlimmsten Fall disruptiert er oder er schreitet halt irgendwie voran.

Und das ist was, was man letztendlich, glaube ich, sich überlegen muss. Das ist das, was ich vorher meinte mit Lagermentalität. Die Frage ist dann immer, okay, ab welchem Punkt versuche ich dagegen anzugehen mit einer eigenen Lösung und ab welcher Situation ist es besser zu sagen, okay, wenn ich den Feind nicht besiegen kann, dann umarme ich ihn oder ich hole ihn irgendwie mit rein und ich versuche irgendwie einfach eine gute Lösung draus zu machen.

Und nachdem es ja bei Matter schon um offene Standards geht, also nicht um irgendeine proprietäre Technologie, die jetzt wieder unter der Fuchtel von irgendeinem einzelnen Konzern irgendwie wäre, würde ich sagen, sind die Chancen da gar nicht so schlecht.

[Bastian Elsner] (42:34 - 44:27)
Super, danke für die Einordnung. Auch mit einem kleinen Blick auf die Zeit müssen wir tatsächlich unser Gespräch schon so ein bisschen zu Ende bringen. Ich würde gerne für mich nochmal versuchen, das zusammenzufassen, was wir heute besprochen haben.

Fahr mir da super gerne in die Parole, wenn du das anders wahrgenommen hast. Ich lege einfach mal los. Also ich fand es erstmal wieder extrem wertvoll, weil wir das Thema eben nicht nur, also wir haben es versucht, nicht nur aus der Theorie zu betrachten, sondern wirklich auch aus der aktuellen Marktperspektive raus.

Und wenn ich die Folge für mich zusammenfasse, dann sind es eigentlich drei Punkte, die für mich stehen bleiben können. Erstens, Matter Gewicht gewinnt sichtbar an Fahrt. Es kommen immer mehr Hersteller dazu, es gibt neue Anwendungsfälle und mit Technologien wie Thread entsteht eine Grundlage, die gerade für neue Märkte, kleinere und flexiblere Anwendungen extrem spannend sind.

Zweitens, der Standard ist noch nicht ganz da, also Matter ist noch nicht ganz da, wo viele ihn vielleicht schon sehen oder ihn sich wünschen. Da gibt es Themen wie Diversionierung, da haben wir heute leider nicht so viel drüber sprechen können, aber zum Beispiel auch die Produktreife und überhaupt das Vertrauen in die Systeme sind eben noch nicht sauber gelöst. Da gibt es noch entsprechende Vorurteile im Markt draußen.

Und drittens, zum Abschlusspunkt, das ist auch anknüpfend an deine letzten Ausführungen, es zeigt sich eigentlich immer klarer, dass Matter und KNX keine Gegenspieler sein müssen, sondern sich hier zwei Welten entwickeln, die perspektivisch zusammenfinden können. Das ist noch in den Sternen, da ist die Glaskugel, also meine zumindest, noch ziemlich getrübt, aber ich sehe das nicht als ein unabdingbares Thema an. Und ich denke auch gerade mit KNX IoT oder auch Lösungen wie die KNX Matter Gateways zum Beispiel, sieht man wie so eine Brücke ganz konkret aussehen kann.

Habe ich das so ganz gut wiedergegeben?

[Frank-Oliver Grün] (44:28 - 45:16)
Ja, ich würde sagen, da kann ich jetzt wenig hinzufügen, um das letzte Wort zu haben, aber ich glaube, dass wir, also vor einem Jahr haben wir uns, glaube ich, hier getroffen, zur ersten Folge. Jetzt haben wir sozusagen den aktuellen Status Quo behandelt und ich glaube, wenn wir uns in einem weiteren Jahr oder sowas wieder treffen würden und uns unterhalten, dann würden wir wahrscheinlich feststellen, dass immer noch nicht alles so hundertprozentig so läuft, wie der Matter-Standard wahrgenommen werden möchte, aber dass wieder wahnsinnig viel passiert ist und dieses Tempo ist, finde ich, schon auch ein bisschen bemerkenswert.

[Bastian Elsner] (15:16 - 15:29)
Frank, vielen Dank für das Schlusswort deinerseits. Wenn man sich jetzt noch intensiver mit dir oder dem Thema Matter allgemein beschäftigen möchte, wo findet man dich denn am besten?

[Frank-Oliver Grün] (45:30 - 46:32)
Naja, man findet mich am besten auf meiner Seite matter-smarthome.de, auf der ich sozusagen seit Beginn des Standards versuche, die Entwicklung zu begleiten und über neue Produkte zu berichten, aber auch ab und zu mal den Finger in die Wunde zu legen. Ich mache regelmäßig sozusagen Bestandsaufnahmen zum Matter- Standard, wo es noch hakt und wo vielleicht auch noch die großen Konzerne das eine oder andere nachlegen müssen. Neulich habe ich einen Beitrag geschrieben, der heißt irgendwie, ist Thread die Achillesferse von Matter?

Nach den jüngsten Entwicklungen würde ich sagen, muss nicht sein, aber es bleibt spannend und von daher kann ich eigentlich nur sagen, ich finde das Thema interessant, ich beschäftige mich weiter damit und freue mich natürlich, wenn andere sich das auch wünschen würden, dass da noch ein bisschen mehr passiert und weiter darüber berichtet wird.

[Bastian Elsner] (46:32 - 47:29)
Sehr schön, ich danke dir recht herzlich fürs Gespräch heute, hat mir wieder richtig viel Spaß gemacht und genau, jetzt noch an euch, also an alle, die zugehört haben bei unserer Folge heute. Die Links zu Frank und zu seiner Website packen wir euch wie immer unten in die Shownotes, da könnt ihr dann auf die ganzen Informationen zugreifen. Wenn euch die heutige Folge gefallen hat, dann würde ich mich wahnsinnig über eine Fünf-Sterne-Bewertung auf Spotify, Apple Music, Deezer, wo ihr auch immer den Podcast hört, freuen und natürlich auch über Feedback, was war ein bisschen zu viel, was war zu wenig, was sind die Themen, die wir komplett vergessen haben, die ihr euch noch gewünscht hättet.

Ihr könnt mich super auf LinkedIn erreichen und ich bedanke mich an der Stelle ganz recht herzlich fürs Zuhören und sage schon mal bis zur nächsten Folge bei "Menschen, Lebensräume & Technik", deinem Podcast von Elsner Elektronik.

Stand: 04/2026

Jetzt Folge #26 gratis auf Spotify anhören!