Veröffentlichungsdatum: 29. Januar 2026
[Bastian Elsner] (0:01 - 3:08)
Hallo und herzlich willkommen zur ersten Ausgabe der dritten Staffel von "Menschen, Lebensräume & Technik", deinem Podcast von Elsner Elektronik. Mein Name ist Bastian Elsner. Diese Folge haben wir bereits am 21. November 2025 aufgenommen, also zu einem Zeitpunkt an dem viele der Themen, über die wir heute sprechen, bereits hochrelevant waren. Und genau deshalb ist mir diese zeitliche Einordnung wichtig, denn sie zeigt, die Fragen, um die es hier geht, sind keine kurzfristigen Trends, sie sind struktureller Natur. In dieser Folge spreche ich mit Frank Schröder und Fabian Naethbohm über die Zukunft des Gebäudebetriebs.
Frank ist Director of Efficient Technologies im Corporate Facility Management bei Phoenix Contact. Er kommt ernstklar aus der Praxis, hängt in Wirkung, in Betrieb und in Ergebnissen. Aber er macht vor allen Dingen eins, er macht einfach.
Fabian ist Leiter des Smart Building Reallabors an der Hochschule in Mainz. Er bringt die forschende, strukturierende Perspektive mit und bewegt sich an der Schnittstelle zwischen BIM, Facility Management und Digitalisierung. In Projekten wie zum Beispiel Scan2BIM VFM arbeitet er genau daran, abstrakte Konzepte in die Welt von Gebäuden zu bringen.
Was sich durch unser gesamtes Gespräch gezogen hat, war ein Bild, das ich persönlich sehr hilfreich finde. Ein Bild, das Komplexität rausnimmt und Dinge plötzlich etwas greifbarer macht. Wir haben nämlich über Gartenschläuche gesprochen.
KNX ist zum Beispiel einer dieser Gartenschläuche, BugNet ein anderer und MQTT ist auch nichts anderes als ein Gartenschlauch. Und am Ende ist es auch eigentlich völlig egal, welches Label auf diesem Schlauch steht. Entscheidend ist nur, wohin er führt.
Denn all diese Schläuche laufen idealerweise in einer gemeinsamen Zisterne zusammen. Und in dieser Zisterne passiert die eigentliche Magie. Dort werden Daten gesammelt, strukturiert, verstanden und genutzt.
Für den Betrieb, Energieeffizienz und für die Wirtschaftlichkeit und natürlich für den digitalen Zwilling eines Gebäudes. Diese Folge ist also keine Techniker- Rolle, sondern sie ist ein Gespräch über Systemverständnis und über die Frage, wie Gebäudeautomation und Facility Management endlich als das gedacht werden können, was sie eigentlich sind. Nämlich Teile eines gemeinsamen Systems.
Und damit möchte ich die Folge mit einer Frage eröffnen, die mir Fabian mitgegeben hat und die ich wirklich sehr treffend finde. Brauchen wir ein neues Mindset, wenn wir über Gebäudeautomation und Facility Management sprechen? Frank, Fabian, gefühlt war das Facility Management ja lange so die unsichtbare Macht im Hintergrund.
Corona, Energiekrise, Lieferkettenprobleme und allem, was wir so seit 2020 erlebt haben, hat sich das meiner Meinung nach komplett verändert. Könnt ihr mir sagen oder aus eurer Perspektive, warum steht Facility Management heute so stark im Fokus und wie hat sich die Wahrnehmung dadurch in eurer Branche verändert?
[Frank Schröder] (3:09 - 4:14)
Ja, Bastian, danke für die Frage. Ich versuche es mal aus meiner Rolle zu beantworten. Ich bin eigentlich sehr lange schon Facility Manager bei Phoenix Contact und wir haben über 300 Gebäude.
Ja, das ist nachvollziehbar, was du gerade sagtest. Wir hatten früher ein etwas anderes Ansehen. Eher so die Kosten mehr müssen dann irgendwas machen.
Auch häufig so gesagt der Billigheimer und wir verändern uns glaube ich gerade in die Perspektive, dass der Gebäudebetrieb immer mehr in den Fokus kommt. Da hattest du schon die Perspektive geliefert, dass Corona sicherlich ein Beschleuniger war, aber das Thema ESG trägt auch dazu bei, bis zu der Perspektive, dass wir Gebäude bauen für die Nutzer. Also muss der Nutzer auch in den Vordergrund kommen und dafür sind nun mal wir Facilities da, dass wir den Nutzerkomfort in den Immobilien so darstellen, dass der Nutzer zufrieden ist und ich glaube, da sind wir richtig gut angekommen und ich glaube, ihr kennt mich als ein blühender Verfechter zum Thema Facility Management, weil der Gebäudebetrieb kommt glaube ich immer mehr in den Fokus.
Da werden wir in den nächsten Minuten auch glaube ich darüber sprechen.
[Bastian Elsner] (4:15 - 4:38)
Auf jeden Fall. Ich danke dir schon mal sehr. Das war für mich auch ganz klar schon so, die Perspektive aus der Industrie und heute sind wir ja zu dritt, um da auch noch eine andere Perspektive reinzubringen.
Deswegen Fabian, vielleicht die klitzekleine Frage nochmal an dich, aber vielleicht mehr aus dem Forschungsblickwinkel. Siehst du das genauso, dass gerade diese Branchen das Facility Management noch mehr in den Fokus gerückt haben?
[Fabian Naethbohm] (4:39 - 5:08)
Ja, wir sehen das ganz klar seitens der Hochschule. Ja, die Fachkräfte brauchen immer mehr Digitalisierungskenntnisse. Das ganze Thema BIM, IoT muss in die Forschung und Lehre gebracht werden und ja, man sieht es auch an der Regulatorik.
Gerade das ganze Thema EPBD, EU Data Act, der digitale Produktpass in Verbindung mit dem Smart Readiness Indicator. Wir haben so viele Impulse, auch von der Regulatorik, dass wir gar nicht mehr dran vorbeikommen, das Ganze auch fest in Forschung und Lehre zu etablieren.
[Bastian Elsner] (5:08 - 5:50)
Ich finde es super spannend, weil du hast gerade eben schon das Stichwort gebracht, dass wir müssen heute ganz, ganz viel über Daten sprechen, weil das ist im Prinzip die Grundlage für alles andere, was folgt. Und ich würde da vorweg noch gerne erst mal was droppen. Und zwar, ich würde einfach mal sagen, es gibt gerade einen Trend, der mehr in Richtung Agilität geht und nicht so wirklich in Richtung Perfektion.
Also ich habe da auch euch beide so kennengelernt, weil ihr einfach sagt, ja, wir müssen einfach mal machen, auch wenn wir nicht wissen, dass es jetzt die perfekte Lösung ist. Selbst wenn wir durch irgendein Thema nur fünf bis zehn Prozent Energieeinsparung haben, dann ist es etwas, was wir schon lernen konnten. Aber wie seht ihr das?
Agilität über Perfektion?
[Frank Schröder] (5:51 - 7:10)
Ich glaube, das eine schließt das andere nicht aus. Die Wunschvorstellung ist immer die Perfektion, aber ich glaube, wir kommen mit unseren heutigen Methoden gar nicht mehr so dazu. Ich war diese Woche wieder unterwegs bei uns im Facility Management.
Ich habe eine ähnliche Metapher dafür verwendet. Früher Lichtschalter hinbohren, draufdrücken, Licht geht an. Ganz klar.
Heute ISG-Datenmodell, MPC-Schnittstelle, Cloud. Da haben wir alleine schon ein unterschiedliches Verständnis zu dem, was wir denn davon sehen. Und da komme ich jetzt mal zu der Perspektive, da werden wir gleich noch mal reinschauen.
Wir sprechen immer von unterschiedlichen Silos im Gebäude. Diese unterschiedlichen Silos haben nicht nur eine unterschiedliche Datenhoheit, Deutungshöhe, sondern auch ein unterschiedliches Verständnis. Wenn ich Datenpunkt sage, dann spreche ich von Gebäudeleittechnik.
Ein Kollege meint aber vielleicht den Mietvertrag in der Perspektive und das, was dann sehe ich gerade so in dieser Perspektive der Agilität, nicht mehr so einen klaren Arbeitsauftrag zu erkennen, sondern in der Agilität. Und hier schmeiße ich mal gleich den Ball nach Fabian rüber, weil das ist für mich das Spannende an dem Podcast, aber auch im Leben, weil ich komme aus dem Corporate-Facility und Fabian ist ja eigentlich schon so an der Uni oder einer Hochschule und kann da genau auch mal erproben, was denn richtig ist.
[Fabian Naethbohm] (7:11 - 7:54)
Ja, das merkt man vor allem auch, wenn man sich jetzt Startups anschaut, dann haben wir genau das Problem, diese Startups machen letztendlich Lösungen für den Markt und wir haben gerade einen Wandel, dass man vielleicht alles auch einfach mal neu denken muss und ja, da haben wir an der Hochschule auch die Möglichkeit zu. Und was meiner Meinung nach auch sehr wichtig ist, ist, wir brauchen vielleicht auch einfach mal eine 80-prozentige Lösung in Verbindung mit einer guten Fehlerkultur, die wir dann zu einem skalierbaren Ansatz entwickeln und das Ganze dann ausrollen können, anstatt eine 100-prozentige Lösung zu haben, die sonst nur in den Piloten wieder endet und gar nicht in die Skalierbarkeit kommt. Und das ist, denke ich mal, der Ansatz, den wir heutzutage brauchen in so einer schnelllebigen Welt und in so einer schnelllebigen Industrie.
[Bastian Elsner] (7:55 - 8:56)
Da gehe ich komplett mit, auch wenn ich gerade den technologischen Wandel sehe, bei uns in der Branche, neue Produkte und was damit alles möglich ist. Vielleicht dazu noch eventuell ein abgedroschenes Zitat, aber in Schönheit sterben bringt keinem etwas und wenn die ganzen tollen Konzepte, die man sich überlegt, nur auf PowerPoint-Folien landen und eben dann nicht in die Realität kommen, dann haben wir leider wenig bis gar nichts gewonnen. Deswegen bin ich da auch voll der Meinung, ja, 80 Prozent reichen und die bringen uns meistens auch schon extrem weiter.
Frank, du hast in deiner einleitenden Ausführung schon angefangen, über den Betrieb zu sprechen. Das war für mich wirklich so ein Eye-Opener, als ich das mal gelernt habe, wie viele Kosten eigentlich entstehen im Errichten von einem Gebäude und dann über die Lebenskostenzyklus-Betrachtung. Und da habe ich für mich so ein bisschen verstanden, eigentlich ist der Betrieb gar nicht so der Kostenblock, sondern eigentlich ist der Betrieb der Wertschöpfungsort, aber da brauchen wir gewisse Grundlagen.
Ich gebe einfach mal das Stichwort Daten.
[Frank Schröder] (8:57 - 10:03)
Ja, ich nehme den Betrieb erst mal noch auf, weil wir stehen ja bei den Gebäuden vor der Perspektive, der eine plant die Gebäude, der nächste baut die Gebäude und der nächste betreibt die Gebäude. Die drei Facetten in der Perspektive. Da haben wir sicherlich als Freundeskontakt Glück, weil wir dürfen unsere Gebäude größtenteils selber planen, dann bauen und dann auch selber betreiben.
Diese Durchgängigkeit müssen wir nochmal festhalten, auch für die nächsten Minuten, weil das ist glaube ich ein Asset und da muss man natürlich auch sagen, dass am Markt das nicht unbedingt überall so ist. Da gibt es auch viele, die planen ganz billig, bauen ganz billig und dann suchen sie noch einen, der das betreibt. Und an der Stelle hängt eigentlich das Datenmodell, weil die Durchgängigkeit ist da durch die Stakeholder nicht unbedingt gegeben.
Das ist meiner Ansicht nach aber der Game Changer. Ich glaube, wir können es als Unternehmen beweisen, viele Corporates können das so aufzeigen, dass das Mehrwerte liefert und an der Stelle muss man sich dann halt die Frage stellen, wenn ich über ESG und Betrieb nachdenke, wie komme ich denn dahin? Fabian, was ist deine Perspektive auf dieses Thema?
[Fabian Naethbohm] (10:04 - 11:03)
Ich denke, das größte Problem ist auch, dass ja wir sind sicherlich in den Gewerken schon gut und da auch optimiert, aber wir müssen größer denken, vernetzt denken und auch Use Cases, an die wir heute noch gar nicht denken, über die Gewerke denken. Und aus meiner Perspektive, wenn wir dann von dem ganzen Thema Quartiere, Smart City darüber hinaus denken, brauchen wir standardisiertes, intelligentes Gebäude, standardisierte Daten und dann auch Sektorenkopplung in der Vision. Also der Wandel geht für mich ganz klar weg von einem reinen Kostenblock.
Also für mich ist Facility Management, der Gebäudebetrieb, die Optimierung des Gebäudebetriebs ist ein Partner zur Dekarbonisierung, um den Lebenszyklus neu denken zu können und die Branche, ja die erzeugt erst echten Mehrwert, wenn wir über Silos hinaus denken und da ist genau das Problem, ja Gewerke an sich sind sicher schon gut optimiert und haben auch gute Standards, aber wir müssen ja über die Gewerke hinaus denken und eine Vernetzung. So ergeben sich auch neue Use Cases, über die wir aktuell noch gar nicht nachdenken.
[Bastian Elsner] (11:04 - 11:48)
Ich fand es in unserem Vorgespräch total spannend, beziehungsweise was wir vorhin kurz gequatscht haben. Ich bin ja gestern erst aus Mailand zurückgekommen und ich finde die Messen, die sind auch wirklich wieder ein Prime Beispiel dafür, wie es in der Realität aussieht, war in Mailand die Smart Building Expo. Dort gab es eine Halle für Security, eine für Gebäudeautomation, eine für SHK und es ist wenig Wechsel zwischen den Hallen.
Man bleibt eben so ein bisschen in seinem Gewerk, in seiner Bubble drin und ich würde behaupten, das ist auch ein Problem, warum wir nicht noch nicht diese übergreifenden Datenmodelle haben, weil wir eben auch so ein bisschen das mögen, in unserer eigenen Suppe rumzuschwimmen. Die kennen wir ja schon gut und kennen uns da ziemlich gut aus und da über einen Tellerrand hinaus zu schauen, fällt da glaube ich schwierig, aber gerade auf der Messe hat es mir wieder gezeigt, wir werden ja auch räumlich komplett getrennt.
[Fabian Naethbohm] (11:49 - 12:14)
Das sieht man ja auch beispielsweise beim Thema Türlisten. In jedem Gewerk, in jeder Applikation finden wir eine Türliste und jeder baut so letztendlich seine Datenstruktur, seine Prozesse und seinen Use Case herum und wir müssen aber vernetzt denken und da fängt es schon an, wir pflegen teilweise Merkmale, dieselben Merkmale doppelt in verschiedenen Systemen und ich glaube, das ist so ein Pain-Point, den wir immer wieder im Gebäudebetrieb wiederfinden oder wie siehst du das, Frank?
[Frank Schröder] (12:14 - 13:21)
Ja, danke für den Ball. Zwei Perspektiven, einmal noch von Bastian, die Sache mit der Messe sehe ich ähnlich. Wo kann ich denn als Gebäudebetreiber in Deutschland, zu welcher Messe kann ich denn sehen, um das Zusammenspiel der unterschiedlichsten Geräte, der Gewerke erlebbar zu machen?
Da muss, glaube ich, noch was in Deutschland passieren oder in Europa passieren, dass man das auch dann erleben kann, erkennen kann. Das Engineering dazu ist dann auch die Herausforderung. Da weiß ich gar nicht, wer denn das zukünftig machen soll oder will, denn ich gebe mir noch mal ein Beispiel zu den Gewerken.
Ich formuliere es immer so, was nützt mir die effizienteste Wärmepumpe, wenn die effizienteste Heizungspumpe danach zwar optimal ist, aber ich im Besprechungsraum keinen drinnen habe und das ist die Perspektive, die man betrachten muss und ein Besprechungsraum sieht bei uns gerade im Industrieumfeld Freitags extrem anders aus als Mittwoch. Also der Mittwoch ist ein guter Tag, der Freitag ist oft eher ein Wochenendtag, weil die Nutzer sind kaum in den Gebäuden drin und wenn ich diese Daten halt habe, dann entsteht für mich ein gewisser Mehrwert. Heißt, über die Gewerke hinaus auch das Engineering zu synchronisieren.
[Bastian Elsner] (13:21 - 14:19)
Verstanden, vielen Dank für die Perspektive und ich glaube, da sind wir auch schon relativ tief im nächsten Thema, weil gerade das, was ihr macht bzw. im Facility Management allgemein, wenn die Datenbasis nicht stimmt, dann haben wir eigentlich keine Chance, entsprechend zu optimieren. Also Sensoren, Energiedaten, Anlagenzustände, Türlisten, wie du eben das Beispiel gebracht hast, Fabian.
Ohne diese verlässlichen Daten können wir kein Gebäude sinnvoll betreiben, aber ich glaube für unsere Zuhörer sollten wir erstmal noch kurz so ein bisschen die Basics klären. Für mich ist es ja auch eigentlich ein ganz neues Thema bzw. wir machen da ja Grundlagentechnik mit unseren KNX Komponenten und ich habe da ein bisschen Probleme gehabt, meine KNX Brille abzusetzen und ihr habt mir da aber in den Vorgesprächen total cooles Beispiel gegeben.
Da habt ihr ein Bild für mich gezeichnet, da ging es um Gartenschläuche und um eine Zisterne. Könntet ihr dieses Beispiel vielleicht noch mal zum Besten geben? Da ist bei mir so richtig der Groschen gefallen.
[Frank Schröder] (14:19 - 15:20)
Ja, gerne. In einem Industrieumfeld sprechen wir ja mehrere Sprachen. Das ist eine KNX, das kann ein BACnet sein, das sind die unterschiedlichsten Bussysteme und die haben alle ihre Berechtigung.
Ich formulierte dieses Thema Gartenschlauch so, dass die Aufgabe des Bus-Systemes ist, super die Information des Devices bis dorthin zu transportieren, wo wir denn unterwegs sind im Gebäude. Das ist häufig die Gebäudeleittechnik, die die unterschiedlichsten Werke vernetzt. Es ist nicht mehr wie früher nur die Heizung und die Lüftung, sondern das kann auch eine Kaffeemaschine sein oder eine Ladestation, eine PV-Anlage und da möchte ich natürlich möglichst sauber strukturierte Daten und da kommt auch die Perspektive mit rein, dass das Asset, das Gerät, das Gewerk Informationen mitbringen muss, sehe ich vielleicht sogar noch als ein Gamechanger für die Zukunft, weil schlaue Geräte erkenne ich nicht an einer Bedienungsleitung in Papier, sondern vielleicht über eine Schnittstelle bringen sie die Informationen dann gleichzeitig mit.
[Fabian Naethbohm] (15:21 - 15:48)
Und wir kommen ja auch immer weiter weg von dem Thema, ja nur die Busebene bringt die Daten. Ich meine, wir kennen die ganzen neuen Protokolle, wir kennen 5G-Technologie, wir kennen Lorawan, die uns auch wichtige, ja gerade für Bestandsgebäude überhaupt mal eine Datenbasis liefern können, ohne teure Nachrüstung und ich denke, da ist es immer wichtiger und es wird immer wichtiger, dass die miteinander kommunizieren und über die Silos hinaus kommunizieren, um wirklich neue Use Cases und ja auch skalierbaren Mehrwert schaffen zu können.
[Bastian Elsner] (15:49 - 16:29)
Das finde ich auch gerade euer Thema extrem spannend, weil ihr denkt eben über die Protokolle hinweg, euch ist es eigentlich völlig egal, welchen Aufdruck der Schlauch hat, solange die Daten verwertbar in einen Datenraum einfließen können, dass sie für euch nutzbar gemacht werden. Das ist natürlich für mich als KNX-Hersteller, ich hätte am liebsten eine andere Antwort, aber ich kann da total gut mitgehen mit eurer Begründung, weil in der Realität sieht es einfach anders aus. Da haben wir immer einen Flickenteppich von unterschiedlichen Protokollen, weil eben auch nicht ein Protokoll alles perfekt abdecken kann.
Jeder hat so ein bisschen das Steckenpferd und das müssen wir unter einen Hut bringen und da dürfen wir dann auch nicht so strikt immer nur sein, ja es darf nur BACnet, es darf nur KNX sein. Der Mix macht nämlich am Ende die Musik und der macht es erst so richtig gut.
[Fabian Naethbohm] (16:30 - 16:54)
Und auch der Mix, wenn man noch weiter denkt, wir reden hier von der technischen Betriebsführung auf Busebene, aber erst beim Zusammenspiel zwischen Facility, Asset Management und der technischen Betriebsführung können wir ein Gebäude ganzheitlich betrachten und hier wird es dann interessant, sich einfach mal von dieser reinen, ich muss das oder das Protokoll lösen, nein wir brauchen einen Datenraum, wo das Zusammenspiel letztendlich entscheidet, welche Mehrwerte wir bekommen.
[Frank Schröder] (16:54 - 17:57)
Den Ball würde ich aufnehmen Fabian, Datenraum, weil ich glaube, das ist für den einen oder anderen Hörer gar nicht so nachvollziehbar, wenn man klassisch aus dem Gebäude von gestern kam. Aber ich gebe mal zwei Perspektiven, bei uns in den Produktionsgebäuden stehen Maschinen. Wichtig, da möchte ich nicht nur einmal in der Woche den Strom ablesen, sondern die sollen natürlich live ihre Daten, ihre Produktionsdaten, ihre Energiedaten live zur Verfügung stellen, ich nenne es mal zur Verfügung stellen und dann Mehrwerte dazu generieren.
Eine zweite Perspektive, ich habe einen Standort, da fließt ein Fluss dran vorbei, da haben wir Risikomanagement, frühzeitige Hochwassermahnung, da frage ich die Pegelstelle außerhalb des Gebäudes ab und arbeite dann mit dem Datenpunkt bei mir weiter. Da ist es genauso, wie wir es eben formuliert haben. Die Sprache der Busprotokolle kann ich darüber entscheiden, mit wem ich spreche.
Ich muss möglichst viele Informationen reinkriegen und ich gebe noch mal die Perspektive rein, umso besser, umso besser, genauer und sicherer mir das Busprotokoll die Daten liefert, umso mehr Spaß habe ich an der Sache. Geht so ein bisschen in einfach, Engineering, Plug and Play.
[Bastian Elsner] (17:57 - 18:18)
Wenn wir noch mal bei diesem Bild von der Zisterne bleiben, wir haben ja gerade eben jetzt noch den Begriff Datenraum mit reingebracht. Für mich habe ich das so ein bisschen, so ein bisschen gleichgestellt. Seht ihr das auch so für unsere Hörer, da laufen erst mal die Daten zusammen und wir befinden uns dann in dieser Zisterne und arbeiten weiter, da geht dann eure Arbeit los.
Kann ich das so richtig zusammen, habe ich das so richtig zusammengefasst?
[Frank Schröder] (18:18 - 19:07)
Ich könnte mit dem Bild leben dieser Zisterne, das könnte auch der Data Lake sein, wo die verschiedensten Informationen drin sind in dieser Zisterne. Wir kommen dann gleich noch mal an einer spannenden Perspektive dran vorbei. Wer definiert denn diesen Data Lake?
Weil klassischer weise bauen häufig Architekten für uns Gebäude und sagen, hier ist das Gebäude und mit dem Gebäude bekomme ich dann auch wieder ein Datenmodell und da bin ich wieder bei Fabians Tür, wenn ich nachher pro Gebäude wieder die Tür 1 bekomme, kriege ich keine Systematik in der Datenbenahmensung meiner Assets hin und das ist dann genau die Herausforderung in diesem Data Lake oder in deiner Zisterne, dass ich mehrere Assets von unterschiedlichen Benahmensungen habe. Kommen wir gleich vielleicht noch mal dran vorbei, was das für die Zukunft bedeutet.
[Fabian Naethbohm] (19:08 - 19:57)
Da sieht man ja jetzt schon die Tendenz auch noch mal aufs Thema Forschung und Lehre. Jetzt haben wir die ganze Zeit immer von Busprotokollen gesprochen, ich sage mal HATA TGA, jetzt hat der Frank schon, ich sage mal das Wort Data Warehouse, Data Lake, Data Mesh, von was reden wir jetzt? Wir reden hier von HATA IT und es wird immer wichtiger, dass wir uns mal öffnen letztendlich für eine skalierbare Plattform, in der wir auch Daten miteinander vergleichen können, Auswertung wirklich skalierbar fahren können und ja, da würde ich auch direkt noch mal kurz den Ball zum Thema KI, KI als Passwort, KI in der PowerPoint, also unsere Einstellung dazu, das kann ich glaube ich für den Frank mit sagen, wirklich KI als Mehrwert, als skalierbaren Hebel anzusehen.
Dafür brauchen wir standardisierte Daten, sonst brauchen wir überhaupt nicht damit anfangen.
[Bastian Elsner] (19:57 - 20:34)
Vielleicht bevor wir in das Thema KI einsteigen, weil da hast du mir ja auch schon eine kleine Demo zeigen können, die ich extrem spannend fand, aber ich würde gerne erst mal noch das Thema digitaler Zwilling klären, weil für mich ist auch so ein Ergebnis, wenn wir dann ein Datenmodell erst mal erzeugt haben, dass wir dann auch eigentlich einen digitalen Zwilling erstellen können. In der Vergangenheit war für mich ein digitaler Zwilling eigentlich jetzt mal ganz böse gesagt, eigentlich so ein hübsches 3D-Modell, wo man vielleicht noch irgendwie durchlaufen kann. Dann kann ich mir das Gebäude vorher schon so ein bisschen vorstellen, aber ich glaube ihr zwei, ihr habt da ein bisschen andere Vorstellungen von dem digitalen Zwilling.
Könnt ihr das mal zum Besten geben?
[Frank Schröder] (20:35 - 20:42)
Ja klar, gerne, aber dann schmeiße ich erst mal kurz den Ball zurück. Was ist denn der Mehrwert von einem digitalen Zwilling, wo du mal eben so durchlaufen kannst?
[Bastian Elsner] (20:43 - 20:45)
Man kann sich das vorstellen als Bauherr, wie es hinterher mal aussieht.
[Frank Schröder] (20:45 - 21:50)
Das ist übrigens richtig. Das ist schon eine Perspektive, aber nicht das Ultimative. Aus dem Leben sage ich dir mal, wir haben vor Jahren bei uns an einem Standort ein Blockerzkraftwerk gerichtet und es war die Aufgabe natürlich möglichst treffsicher diese Infrastruktur darauf zu adaptieren.
Und zum Glück haben wir dann viele Daten gehabt und haben aus unserer, die sich damals schon diesen digitalen Zwilling von dem Gebäude gebaut und haben einfach mal so getan, als ob wir dieses Blockeizkraftwerk virtuell da rein laufen lassen. Mit der Stromproduzierung am Wochenende, als Abfallprodukt Wärme, von der Wärme Kälte gemacht und dieses hier hat uns damals in dem digitalen Zwilling die Perspektive eröffnet, dass wir nachher, als wir das Blockeizkraftwerk ausgewählt haben und implementiert haben, sehr treffsicher auf eine Punktlandung gekommen sind. Weil das ist schon noch spannend, dass ich auch dann diese Infrastruktur effizient einsetze.
Und das war für mich fern, so wie du es gerade sagtest, dass ich durch das Gebäude durchgehen kann, aber noch mal ein Erlebnis, wie ich denn einen digitalen Zwilling vom Gebäude nutzen kann und darüber Mehrwerte generiere.
[Bastian Elsner] (21:50 - 22:02)
Das ist ein heftiges Beispiel. Sowas hatte ich bei mir, also hatte ich ehrlich gesagt nicht in der Vorstellungskraft, als ich über einen digitalen Zwilling nachgedacht habe. Fabian, wie siehst du das Thema digitaler Zwilling?
[Fabian Naethbohm] (22:02 - 22:34)
Also ich persönlich würde dazu sagen, jeder definiert den digitalen Zwilling anders. Wenn man jetzt den Architekten fragt, wird er sagen, für mich ist IFC, ich sage jetzt einfach mal die Bibel, das BIM-Modell muss erst Bild sein, dann habe ich den digitalen Zwilling. Ja, für Frank ist die Gebäudeautomation und letztendlich die Prozesse im Gebäudebetrieb die Applikation hintendran der digitale Zwilling in Anführungszeichen.
Und ich denke, erst wenn wir das Ganze vernetzen, bekommen wir wirklich einen digitalen Zwilling, der auch alle Use Cases und alle Stakeholder mit Daten beliefern kann.
[Bastian Elsner] (22:34 - 23:14)
Danke für die Ergänzung. Ich glaube, das Thema IFC, Revit, da haben wir uns ja auch schon so ein bisschen darüber unterhalten. Ich glaube, da müssen wir aber unsere Zuhörer noch so ein bisschen abholen.
Da kommen noch so ein paar andere Begriffe dazu. Ich würde sagen, mit dem digitalen Produktpass können einige schon was anfangen. Das ist glaube ich schon ziemlich in der breiten Maße angekommen, aber ich denke, um zum digitalen Produktpass zu kommen, da gehört noch um einiges mehr dazu.
Könnt ihr das mal vielleicht aus dieser Standardisierungsperspektive so ein bisschen wiedergeben, was wir denn brauchen, um überhaupt zu diesen Datenmodellen und damit auch zum digitalen Zwilling zu kommen?
[Fabian Naethbohm] (23:14 - 24:35)
Ja, also zum digitalen Produktpass vielleicht nochmal kurz was gesagt. Das Datenmodell. Wir planen in IFC und importieren dann letztendlich unsere Daten in den Gebäudebetrieb.
Das ist so der gleiche Ablauf aktuell. Wir kennen das Ganze mit dem Schlagwort BIM2FM und hier entsteht genau schon das Problem. Wir versuchen dann vielleicht noch eine Beziehung zum BIM-Modell im Betrieb herzustellen, dass man beispielsweise im CFM-Tool auf die Objekte klicken kann.
Aber hier ist eben genau das Thema. Greenfield geht das Ganze gut. 1 bis 2 Jahre ist das BIM-Modell noch S-Bild.
Dann kommt der erste Umbau. Dann wird beispielsweise eine Tür ausgebaut, zwei Räume werden zusammengezogen und das Asset, das ist im CFM dann vielleicht noch gepflegt. Die Tür wird dort de-inventarisiert.
Und ja, im BIM-Modell muss ich jetzt letztendlich das Ganze wieder nachzeichnen. Und hier ist eben genau die Thematik, dass BIM-Modelle dann oftmals nach 1 bis 2 Jahren schon wieder in der Schublade verschwinden, weil wir kennen die Problematik BIM-Modellierer, vor allem TGA-BIM-Modellierer. Wenn man das Geld hat, findet man sie nicht auf dem Markt.
Und hier müssen wir hinkommen, dass wir eine Automatisierung hinbekommen, dass der digitale Zwilling automatisiert gepflegt wird. Sonst sind wir immer wieder in der datentechnischen Einbahnstraße. Und das schöne BIM-Modell oder das IFC-Modell ist zukünftig in der Schublade.
[Bastian Elsner] (24:36 - 24:55)
Und wird höchstwahrscheinlich auch nicht mehr rausgeholt. Ich möchte einhaken wegen einem Begriff und zwar CAFM. Das muss ich tatsächlich nachgucken, als mir das im Vorgespräch mal gefallen ist.
Deswegen würde ich es kurz mal wiedergeben. Es ist im Prinzip einfach nur eine Software für den Betrieb, die Wartung, Flächentickets und den Lebenszyklus von Gebäuden. Geht das auch mit mit der Erklärung so?
[Frank Schröder] (24:56 - 26:24)
Ja, aus meiner Sicht passt das so. Der Punkt, den mir beim CFM-Modul fehlt, sind die Live-Daten. Weil das verändert sich, glaube ich, gerade.
Da kommen wir sogar noch fast vom digitalen Produktpass, weil darüber kriege ich vielleicht sogar eine gewisse Information des Produktes irgendwo mit in mein System rein. Denn wenn ich die Live-Daten habe, komme ich von der zyklusbasierten zur bedarfsgerechten Wartung. Ich hatte es vorhin schon mal angedeutet, dass gerade unsere Office-Gebäude sich Freitags anders anfühlen, als Mittwochs anfühlen.
Und wenn ich genau diese Informationen habe, kann ich die Sache auch so dann durchaus spielen, weil ich Live-Daten im CFM-Modul oder in der Gebäudeleittechnik habe. Was denn jetzt kommen wir langsam zu der Perspektive, dass wir unterschiedliche gute Systeme im Betrieb haben. Das kann ein ERP-System sein, das kann der Gebäudeleittechnik sein, CFM-Modul und wir müssten vielleicht im Gebäudebetrieb die gesamte Wertschöpfungskette betrachten und diese Daten dann zusammenführen.
Jetzt sind wir wieder bei unserer Zisterne im Garten, wo alle Informationen im Data Lake denn liegen. Und wenn ich die dann auch sauber habe, könnte ich mir sogar vorstellen, dass ich Optimierer drauf schalte von draußen außerhalb der Zisterne, weil ich vielleicht einen flexiblen Strompreis habe oder ich habe einen Wetterbericht über Third-Party-Anbieter und jetzt wird unsere Gebäudewelt schon ein bisschen größer und auch unsere Zisterne erkennen wir, dass da gerade noch eine etwas größere Landkarte haben.
[Fabian Naethbohm] (26:24 - 27:13)
Genau, hier würde ich auch noch mal kurz was ergänzen und zwar, wir sprechen immer von dem Thema BIM-to-FM. Das heißt, wir haben den Bruch zwischen Bau und Betrieb. Jetzt sollen wir natürlich lebenszyklusorientiert denken.
Jeder sagt, wir müssen das Gebäude im Gesamten denken und da hört es schon auf, warum soll ich dann noch importieren. Und wir haben in der Hochschule jetzt beispielsweise mal den Begriff BIM vor FM ins Leben gerufen und klar, BIM ist so ein, ich sag mal, verbrannter Begriff. Der eine sagt, das ist eine Software, der andere sagt, das ist Revit.
Nee, BIM ist nichts anderes als Informationsmanagement und das ist genau das Thema, wo wir ein Umdenken machen müssen und mal einen lebenszyklusorientierten Ansatz. Das heißt, wir müssen nicht schauen, wo können wir den Prozess, den wir jetzt aktuell haben, digitalisieren, sondern müssen wir den Prozess vielleicht neu denken und wirklich lebenszyklusorientiert das Gebäude auch denken zu können.
[Bastian Elsner] (27:13 - 27:36)
Ich finde es super spannend, aber ich denke, auch wenn wir noch mehr reinbringen, ich muss wieder auf diese Schläuche zurückkommen. Auch je mehr Schläuche wir haben, je komplexer das wird. Da haben wir ja auch entsprechende Security-Mechanismen, die wir bedenken müssen.
Also Stichwort OT-Security. Du hast vorhin auch schon eine Steilvorlage dazu gegeben. Das ist harte IT inzwischen.
Wie seht ihr das? Wie geht ihr damit um?
[Fabian Naethbohm] (27:36 - 27:51)
Da würde ich vielleicht mal ein Zitat von Frank aufgreifen. Ja, Frank, es kann nur das geschützt werden, was wir auch kennen im Asset-Management. Das heißt, wenn wir hier die Türlisten oder andere Assets in unserem Excel-Listen auf dem Privatlaufwerk haben, wie sollen wir die schützen?
[Frank Schröder] (27:51 - 28:34)
Oder Frank? Absolut. Das Thema Schützen ist, glaube ich, auf der Top-Liste bei uns im Facility-Management im Betreiben der Gebäude ziemlich weit oben.
Wir kennen schon lange das Thema Brandschutz, aber ich glaube, das Thema Security hat eine ganz andere Dimension. Ob es von der Technologie her ist, vom Know-how her ist, wir müssen erst mal festhalten, dass das Gebäude in Richtung IT wandert, haben wir schon gerade eben erlebt. Wir holen uns Informationen aus Third-Party-Lieferanten.
Ich hatte es eben angedeutet, der Pegelstelle vom Fluss oder der Wetterdienst von morgen oder ein flexibler Strompreis. Und von daher gesehen kommt das Thema Security immer mehr in unsere Perspektive im Gebäudeumfeld rein.
[Bastian Elsner] (28:34 - 29:19)
Auch von der europäischen Normung her, Cyber-Resilience-Act, Cyber-Security-Act, das sind alles Themen, die kommen Ende 2027, kommt es schneller, als manchen Herstellern lieb ist. Also da müssen wir einiges nachziehen, auch in der KNX-Welt zum Beispiel. KNX Secure, ein ganz neuer Standard, der dem entspricht.
Aber es sind eben genau diese notwendigen Maßnahmen, die getroffen werden, um Gebäude wirklich zukunftssicher zu machen. Und ich finde es auch extrem wichtig, dass die Security ein anderes Thema bekommt. Das fängt ja auch schon an bei NIST 2.
Da wurde ja zum Beispiel erklärt, man kann nicht mehr einen IT-Beauftragten dafür machen, sondern es ist wirklich Geschäftsführertätigkeit. Und das finde ich auch völlig richtig so. Und dass ihr das im Facility-Management auch so betrachtet, das ergibt ein rundes Bild für mich und auch wohin die Zukunft geht.
[Frank Schröder] (29:19 - 30:06)
Ja, ich glaube, da habe ich auch echt einen Vorteil, weil wir genau diese Produkte und diese Lösung auch selber aus der Welt von Führungskontakt ins Leben rufen. Wir haben halt Experten, die auch sich zum Thema Security auskennen. Von denen lerne ich viel.
Aber unter der Sicht würde ich auch mal den Ball wieder nach Fabian hinschmeißen, weil wie geht die Hochschule mit der Fachkräfteperspektive nach? Also ich kann mit einem gewissen Stolz sagen, der letzte duale Student, den wir uns ausgesucht haben, das war ein Data Science-Mensch, der genau sich mit Daten im Gebäude auskennt. Das erwarte ich eigentlich zukünftig noch mehr aus der Hochschule, aus der Ausbildung, natürlich ein gewisses Domainwissen, aber auch die Richtung, wie wir gerade angesprochen haben.
[Fabian Naethbohm] (30:07 - 30:43)
Genau, das versuchen wir aktuell in der Hochschule auch wirklich in die Lehre zu bringen. Thema Cybersicherheit, Datenbanken, schon mehr als Datenbanken. Ja, wie gehen wir mit dem Thema um, weil letztendlich ist es aktuell so, die meisten Hochschulen, die meisten Universitäten haben noch, ich sage jetzt einfach mal die konventionelle Denkweise, wo wir einfach auch noch nicht diese, ja die Vielfältigkeit dieser Cybersecurity im Gebäudeumfeld brauchen.
Und das versuchen wir jetzt in die Module einzubringen, dass ein Grundverständnis auch geweckt wird und vor allem auch das Grundverständnis, dass ja ein Gebäudedurchschnitt auch ein kritischer Pfad sein kann, in der Betrachtung hinsichtlich der Cybersecurity.
[Bastian Elsner] (30:43 - 31:14)
Ich finde es total spannend, die Diskussion rund um die Kompetenzen, die wir auch in Zukunft brauchen. Vielleicht ein wunderbares Beispiel dafür ist auch noch, dass eben eine ganz neue Ausbildung geschaffen worden ist und zwar Fachinformatiker für die Systemintegration und das beschreibt meiner Meinung nach vielleicht auf einem anderen Level wie jetzt ein Data Scientist zum Beispiel, aber es ist eben die Person, die dann im Feld auch wirklich dieses gewerke-übergreifende Verständnis schon in der Ausbildung vermittelt bekommt und das war für mich wirklich ein total wichtiges Zeichen, dass es da jetzt auch solche Themen gibt.
[Fabian Naethbohm] (31:14 - 31:51)
Ja und vielleicht auch noch mal auf den digitalen Zwilling zurückzukommen. Wir haben hier auch genau dasselbe Problem. Aktuell ist es so, das Gebäude wird geplant von diversen Fachplanern, dann wird die Gebäude ja Dokumentation übergeben.
Aktuell sind das bei Großprojekten vielleicht noch 120 Ordner. Ja und wenn zukünftig der digitale Zwilling übergeben wird als, ich sag mal, Dokumentation des Gebäudes, spielen natürlich Datenstrukturen eine wichtige Rolle. Das heißt auch hier an Fachplanern, Architekten, an Ingenieure auch der Appell, sie müssen sich mit Datenstrukturen beschäftigen im Wandel des Gebäudes und hin zu einem digitalen Zwilling.
[Bastian Elsner] (31:51 - 32:35)
Gerade diese Wandelbarkeit von Gebäuden, das finde ich total spannend. Also du hast vorhin das Beispiel gebracht, dass man zum Beispiel eine Tür umsetzen muss, dass eine Wand abgerissen wird, weil ein Großraumbüro aus Einzelbüros gemacht wird. Das sind ja alles Themen, die passieren in der Realität die ganze Zeit.
Wenn wir jetzt vielleicht aber auch noch mal an die Privatwirtschaft denken zum Beispiel. Es gibt mehr als genug Häuser, da hat irgendwann mal eine Familie drin gelebt und irgendwann fliegen die Kiddies aus und dieses Gebäude muss komplett umgerüstet werden. Und ich denke, da ist auch das Praxisprojekt, worüber du mir schon ein bisschen erzählt hast, genau so ein Thema, was da vielleicht angreifen könnte, um auch die Gebäude später noch viel flexibler zu machen und auch auf zukünftige Nutzungsszenarien besser und schneller anzupassen.
[Fabian Naethbohm] (32:36 - 33:42)
Genau, da haben wir jetzt aktuell in der Hochschule einmal den Prozess, wir haben ihn genannt Scan-to-BIM-4FM, nicht 2FM und wir testen das Ganze aktuell in Reallaboren. Wir haben uns hier wirklich auch Bestandsgebäude ausgesucht, weil ja ich sag mal Neubau, das kriegt man noch irgendwie abgewickelt, aber ja im Bestandsgebäude sind dann die großen Herausforderungen und da wollen wir genau das testen. Wie kriegen wir ein Bestandsgebäude zu einem digitalen Zwilling mit möglichst wenig Aufwand, weil das ist natürlich immer das Wichtige, um das Ganze auch dann skalierbar in die Wirtschaft zu bringen.
Und ein kleines Beispiel vielleicht noch mal dazu. Ich bring immer das Beispiel, ja wir haben einen Heizkörper, das Thermostat ist kaputt. Was passiert aktuell?
Wir holen uns den Hausmeister, der Hausmeister tauscht das Thermostat und dann ist uns wieder warm. Ja, aber wenn jetzt das Thermostat zukünftig smart ist und aufs Energiemanagement aufgestellt ist, für irgendein Reporting, was benötigt wird, ja da muss der Hausmeister mit möglichst einfachen Wortmitteln in der Lage zu sein, die Daten aufzuschalten und ich denke, das beschreibt das Kernproblem, dass wir auch nicht mehr in unseren alten Prozessen festhalten können.
[Bastian Elsner] (33:43 - 34:00)
Gehe ich komplett mit, aber kannst du vielleicht noch einmal erläutern, was sie denn wirklich ganz konkret macht? Kann ich mir das so vorstellen, ihr lauft durch dieses Bestandsgebäude mit Kameras durch, macht da vielen Bildern, ihr habt da irgendwelche Papierpläne, ich weiß nicht aus welchem Jahr dieses Gebäude ist, aber mal so ganz ganz konkret, was passiert da?
[Fabian Naethbohm] (34:01 - 35:28)
Ja, also Bestandsdokumentation gibt es, gab es so gut wie gar nichts. Ja, wir haben das Ganze untergliedert in das einmal das Thema Scan-to-BIM und jetzt nicht unbedingt nur Scan-to-Modell, sondern ja, wie kann der digitale Zwilling aussehen? Muss das ein BIM-Modell sein, kann das auch ein Gossen-Splett-Modell sein?
Es gibt ja auch neue Technologien, die wir aktuell dort natürlich austesten. Wir arbeiten ja mit dem BIM-Labor zusammen und ja, der nächste Schritt ist dann diesen digitalen Zwilling, also letztendlich das Modell mit der Gebäudeautomation zu vernetzen, um einen dynamischen digitalen Zwilling letztendlich dann zu haben und das erforschen wir, wir schauen uns die neuen Technologien an und ja, gucken einfach, was die Zukunft im Gebäudeumfeld bringt. Vielleicht nochmal auf die Hersteller zu sprechen zu kommen.
Wir arbeiten hier mit Partnern zusammen von großen Firmen bis zum Mittelstand bis zu Startups, die uns Devices liefern und wir versuchen hier aktuell wirklich jeden mitzunehmen und zu sagen, bringt uns euer offenes Device, wir schauen, was wir datentechnisch machen können im Gebäudebetrieb und da muss die Welt auch meiner Meinung nach hingehen, von der Betrachtung, ja, wir nehmen jetzt hier BACnet oder wir nehmen KNX, nein, wir nehmen beides als Gartenschläuche und verarbeiten die Daten dann hinterher smart in einer offenen Datenstruktur und ich denke, das Thema Asset Administration Shell, das passt ganz gut, aber da werden wir, glaube ich, später auch nochmal drauf zu sprechen kommen.
[Frank Schröder] (35:28 - 36:09)
Ich würde sagen, wenn meine Kinder hier zuhören würden, die würden sagen, Papa, das matcht mit euch beiden, weil der Fabian von der Hochschule, was der gerade Spannendes berichtet hat, das kann ich natürlich im Industrieumfeld nicht so ganz mal eben so locker machen. Bei mir kommt es darauf an, dass am Ende des Tages ein gewisser Mehrwert da ist und von daher gesehen passt die Zusammenarbeit zwischen Fabian und mir extrem gut. Das machen wir aber nicht nur unter uns, sondern wir dürfen auch ein Arbeitskreis Gebäudebetrieb 4.0 bei der GEFMA führen. Die GEFMA ist so die Verband der Facilities in Deutschland und daran merkt man, glaube ich, auch welche Motivationen wir gerade haben, für die Zukunft genau den Betrieb in den Fokus zu stellen.
[Bastian Elsner] (36:10 - 37:10)
Ich finde es total spannend, dass es vor allen Dingen auch im Bestand unterwegs ist, weil Frank, du hast ja vorhin vor allen Dingen die Perspektive gebracht, wenn es jetzt, sage ich mal, ein Großprojekt ist, das komplett auf der grünen Wiese gebaut wird und Fabian bringt dann noch die Perspektive vom Bestand rein. Ich habe mal gelernt, Deutschland ist eigentlich gebaut, wir haben mehr als genug Wohnraum, wir haben eher ein Systemproblem, dass der Wohnraum eben nicht genutzt wird, dass wir total viele Einfamilienhäuser haben, wo nur ein Viertel von dem Haus irgendwie besetzt ist, weil man eigentlich einfach nicht auf die Nutzung für die nächste Generation vorbereitet ist und das ist, glaube ich, ein grundsätzliches Problem. Ich meine, von den Wohnraumproblemen brauche ich gar nicht erst anfangen. Wie seht ihr eure Rolle da für diese Themen?
Bleibt das komplett im kommerziellen Kontext, in einem Laborkontext für Hochschulen zum Beispiel oder seht ihr da auch Möglichkeiten, wie das irgendwann mal das 0815 Einfamilienhaus irgendwie auch betreffen kann, diese Themen, weil gerade sind wir wirklich, sage ich mal, in den sehr besonderen Projekten und Objekten unterwegs.
[Fabian Naethbohm] (37:11 - 37:42)
Ja, da würde ich gerade kurz eingreifen, gerade das Thema, ich werfe es jetzt mal hier in den Raum, nachhaltiges Quartier. Wenn wir jetzt nur das Gebäude an sich betrachten als Einzelnes und das Gebäude funktioniert vielleicht schon sehr gut in sich, haben wir genau das Problem, dass wenn wir nicht offen denken mit offenen Schnittstellen, dass die Gebäude nicht miteinander funktionieren können. Da sind wir dann im Thema Smart Grid und ja, da würde ich zum Frankenball auch noch mal drüber spielen.
Ja, Smart Grid, Frank, Industrieperspektive, Industrie- und Gebäudekopplung, da spielt natürlich auch viel Musik, oder?
[Frank Schröder] (37:42 - 39:14)
Genau, gerade bei dem Thema Nachhaltigkeit treibt uns die Vernetzung der Sektoren, wir nennen es Sektorenkopplung. Sektorenkopplung ist genau eine Perspektive, wo wir von den einzelnen Gebäuden in die Liegenschaften reinkommen, unterschiedlichste Gewerke, unterschiedlichste Gebäude miteinander vernetzen. Ich glaube, das ist ein hehres Ziel, dass wir auch das Thema Energie und Energiewende an der Stelle neu denken müssen, dürfen.
Ich möchte aber noch mal eine kleine Zukunftsvision aus meiner Schublade rausholen. Ich würde es mir wünschen, dass ein Gebäude so funktioniert wie ein Handy. Es hat ein geschlossenes Betriebssystem, es sind alle Informationen drauf und ich kann mir morgen eine App runterladen und ich habe einen gewissen Mehrwert auf dem Gebäude.
Bastian, das war ja deine Perspektive eben, wir nutzen Gebäude relativ lange und wir müssen flexibel sein und dafür sage ich, müsste das Gebäudebetriebssystem alle Daten aus dem Gebäude zur Verfügung haben, standardisiert und ich lade mir jetzt eine App runter und auf einmal hat mein Gebäude einen Mehrwert drin und das erwarte ich eigentlich von der Immobilie. Du sprachst es eben an, kleine Einfamilienhäuser oder Einfamilienhäuser, da stelle ich sogar manchmal fest, dass die ein Tucken weiter sind als wir im Industrieumfeld, weil es ist doch fast gängig, dass wir uns am Wochenende unterhalten und wir challengen uns, das ist mein Batteriespeicher, das ist meine PV-Anlage und unsere Waschmaschine läuft gerade. Will ich nicht sagen, dass wir davon der Industrie hinterherhinken, aber so ein bisschen in der Perspektive ist es schon, also es ist nicht die Größe, das was denn da macht.
[Bastian Elsner] (39:14 - 40:01)
Ich finde es total geil, was du gerade gesagt hast mit dem geschlossenen Betriebssystem. Ich sage, offene Betriebssysteme gefallen mir noch ein bisschen besser, aber ich glaube im Gebäudekontext muss es irgendwo in die Richtung gehen. Aber worauf ich hinaus möchte, das habe ich mal ein cooles Zitat gehört.
Warum hat Apple gegen Nokia irgendwann gewonnen? Die Begründung dafür war, Apple hat eine skalierungsfähige Benutzeroberfläche, wo neue Geschäftsmodelle darauf entstehen können. Das ist der App Store.
Ich kann mir im Prinzip neue Sachen über den App Store kaufen und allein von der Businessperspektive, welche Modelle und welche Themen dort dann entstehen können, wenn wir eben diese skalierungsfähige Benutzeroberfläche nicht für Handys, aber eben für Gebäude haben. Predictive Heating, sonstige Sachen. Aber ich glaube, da habt ihr mehr als genug Beispiele.
Ja, stimmt.
[Fabian Naethbohm] (40:01 - 40:15)
Und das noch sicher wie bei Apple. Wir brauchen natürlich einen sicheren Rahmen, aber da macht es uns Apple ja auch vor. Und ich denke, was wir da für Use Case entwickeln können, an die wir aktuell noch gar nicht denken, das ist gigantisch.
[Frank Schröder] (40:16 - 40:32)
Oh, was denn jetzt knallt es aber. Jetzt stell dir mal vor, es hört einer diesen Podcast mit und wir fangen an, ein skalierbares Geschäftsmodell ins Gebäude als Betriebssystem einzuphasen mit unterschiedlichen Services, die wir dann automatisch anbieten. Fantastisch.
Woran scheitert es?
[Fabian Naethbohm] (40:33 - 40:48)
Ja, voll. Und aktuelles Dekarbonisierung ist ein trockenes Wort. Wir müssen es machen. Wenn wir dann in die Rolle kommen, dass wir spielend die Dekarbonisierung vorantreiben, ja, dann kommen wir dazu, dass wir wirklich Skalierbarkeit haben, die noch Spaß macht.
Und ich denke, da wollen wir alle hin.
[Frank Schröder] (40:49 - 41:33)
Ah, jetzt kommen wir alle rein. Es muss sicher sein wie Apple. Es muss leicht sein wie Apple. Es muss einfach funktionieren. Das ist das Gebäude von morgen. Und Mehrwert.
Ich glaube, jeder möchte so ein Apple-Gebäude haben, wo man mitspielen kann. Ich schmeiße noch mal einen Begriff gerade in diese Runde rein, Fabian: Gamification.
Wie cool wäre es denn, dass ich mit meinem Gebäude interagiere? Nach jedem Teams-Call fragt Teams mir, hey, wie zufrieden warst du? Und warum fragen wir nicht mal unsere Nutzer, wie zufrieden waren sie mit den Gebäuden?
Ich verrate euch noch ein Geheimnis. Wir bauen diese Gebäude für die Nutzer. Dann sollten wir doch mit denen mal sprechen.
Habt ihr irgendein Gebäude in Deutschland, wo der Sonnenschutz das macht, was der Nutzer will? Ich habe es noch nicht gesehen.
[Fabian Naethbohm] (41:33 - 41:51)
Und Frank, im Arbeitskreis haben wir da auch noch einige Kollegen. Da hatten wir das Thema ja auch schon mal. Da ging es dann um die, ging es dann darum, dass man das natürlich auch ausweiten könnte, auf Nachunternehmer oder Dienstleister das Thema Gamification reinzubringen.
Frank, da habe ich auch noch was in Erinnerung.
[Frank Schröder] (41:52 - 42:18)
Ja, da absolut, Fabian. Daran merkt man, dass du drei Tage jünger bist als ich. Aber dieses spielerische Erleben von Gebäuden, das sehe ich genauso wie du.
Und stellt euch mal vor, jetzt wo wir gerade so in diesem Flow sind. So ein Handy, du hast eine Bedienbarkeit des Gebäudes, du kannst mitspielen, du kriegst Pluspunkte, du kriegst Scores. Vielleicht gewinnst du sogar bei mir im Gebäude eine Tasse Kaffee.
Wenn du dich gut benommen hast, spendier ich sie dir. Ganz neu gedacht, aber durchaus meiner Ansicht nach fit für die Zukunft.
[Bastian Elsner] (42:19 - 42:32)
Ich meine, im ganz Kleinen gibt es das ja sogar schon im Facility Management. Ich war heute Morgen erst am Flughafen unterwegs und auf jeder Toilette darf ich da Gamification betreiben, indem ich im Prinzip sage, wie zufrieden war ich denn mit der Toilette. Also so weit weg ist das ja gar nicht von der Realität.
[Frank Schröder] (42:33 - 42:52)
Absolut, ich glaube, das kann eine spannende Perspektive werden. Wichtig ist immer der Data Lake und unsere Zisterne. Wir erhalten unseren roten Faden hier im Podcast.
Wenn ich diese Perspektive aber zur Verfügung habe, kann ich den Nutzer einbinden, ich kann meine Handwerker einbinden und kann genau darüber dann Mehrwerte schaffen. Also eigentlich steigern wir uns doch hier gerade in so einen richtigen Rausch rein. Das könnte alles gut werden.
[Bastian Elsner] (42:53 - 43:28)
Ich denke auch, die Zukunft kann wunderbar schön werden. Vielleicht jetzt mal so eine Frage an euch zwei. Wenn ich jetzt total Bock habe, ich komme in mein Gebäude rein und will jetzt einfach fragen, Gebäude XYZ, wie hoch ist jetzt gerade dein Energieverbrauch?
Einfach mal so als Zukunftsvision. Wie lange dauert es, bis ich dahin kommen könnte und wirklich mal so mit meinem Gebäude sprechen könnte, wie ich auch mit meinem Handy, wenn wir im Apple-Beispiel bleiben, mit Siri fragen. Hey Siri, wie wird das Wetter morgen? Etc. Wie weit sind wir weg? Ist das irgendwie in greifbarer Nähe oder müssen wir da noch eine Dekade warten?
Bastian, warst du schon mal bei uns am Standort?
[Frank Schröder] (43:28 - 44:36)
Leider nein, aber ich warte noch auf die Einladung. Hier ist ausgesprochen. Na genau, das ist nämlich die Perspektive.
Also daran merkt man auch vielleicht, dass wir gewisse Sachen noch zusammenbringen müssen. Grüße gehen raus an meinen ehemaligen auszubildenden dualen Studenten Niklas Kleinjohann. Der hatte 2001 schon damals eine Sprachsteuerung gebaut, wo er abgefragt hat, was ich denn fragen könnte.
War damals noch so ein bisschen zum Lachen. Du konntest damals aber schon über einen Raspberry Pi fragen, wie viel Energie verbraucht das Gebäude heute gerade. Aber es war noch immer ein bisschen schwierig, weil die Fragen vorher definiert werden mussten.
Wir sind gerade mit dem Fraunhofer Institut zusammen unterwegs, dass wir Large Language Modelle bauen. Der Beschleuniger war für mich das Office. Wenn ich mir überlege, was der Co-Pilot mittlerweile bei uns im Office alles anrichten kann an positiven Sachen, würde ich das gerne transportieren, so wie du es gerade formuliert hast, ins Gebäudeumfeld.
Dass das Gebäude mit mir spricht und dass ich auch Antworten kriege, um gewisse Mehrwerte zu generieren. Diese ganze Welt ist aber genau diese Welt, was wir eben schon mal angedeutet haben, mit Gamification, mit Datendurchgängigkeit, mit Datenmodellen. Was ist deine Perspektive darauf, Fabian?
[Bastian Elsner] (44:36 - 44:36)
Wie siehst du das?
[Fabian Naethbohm] (44:37 - 45:55)
Ja, das Thema KI sieht man ja auch oft in der PowerPoint. So jetzt ist natürlich die Sache, oftmals wird gesagt, ja wir können KI machen, dann steckt eigentlich nur ein schlauer Algorithmus im Hintergrund. Ich denke grundsätzlich, KI hat Mehrwert und auch Abfragen in natürlicher Sprache, an die wir aktuell noch gar nicht denken.
Wird zukünftig auch mit KI möglich, aber meiner Meinung nach aktuell noch in der Vision, weil für eine explainable AI brauchen wir strukturierte Daten. Ich habe hier mal das Beispiel von Brandschutzklappen. Wenn ich jetzt im Pilotgebäude sage, ja KI, sag mir mal bitte, wie viele Brandschutzklappen habe ich denn?
Dann kommt zwölf raus. So, dann ist das Ganze wirklich eine coole Sache. Jeder wird auch sagen, das will ich auch.
Sobald aber jemand die Unterschrift drunter machen muss über ein Brandschutzkonzept, was irgendeine KI letztendlich am Rande gemacht hat, ja, da wird die Unterschrift nicht kommen. Und ich denke, hier ist für mich aktuell der Ansatz, erst strukturierte Daten, dann skalierbare KI. Aber ja, wir haben auch schon KI-Anwendungen bei uns im Einsatz, um einfach mal zeigen zu können, was schon geht und wie die Welt wirklich von übermorgen aussehen könnte.
Und ich denke, der Frank, da ist er auch schon tief in den Forschungen drin. Und ja, es gibt schon sehr coole Ansätze und sehr coolen Mehrwert. Aber skalierbarer, ja, sicherer Mehrwert funktioniert aktuell und zukünftig nur mit standardisierten Daten.
[Bastian Elsner] (45:55 - 46:56)
So schließt sich der Kreis. Wir sind wieder beim Datenmodell, wir sind bei den Schläuchen, wir sind bei der Asset Administration Shell als wirklich die Standardisierung, die das alles im Prinzip unter einen Hut bringt. Mit so einem kleinen Blick auf die Zeit, wir sind schon ganz gut vorangeschritten in unserer Aufnahme.
Ich nehme aus unserem Gespräch heute vor allen Dingen eins mit. Also ein guter Gebäudebetrieb ist ganz sicher kein Zufall. Er kann im Prinzip nur entstehen, wenn wir Daten, Standards, Menschen und Prozesse alle zusammenfinden und wenn wir es schaffen, die Komplexität irgendwie so zu erklären, dass es auch wirklich jeder versteht.
Ganz ähnlich wie mit dem Gartenschlauch-Bild. Dann wird aus Digitalisierung, aus diesem abstrakten Konzept, auf einmal etwas Greifbares. Zum Abschluss würde ich euch zwei gerne noch eine letzte Frage stellen.
Wenn ihr euch etwas wünschen könntet, dass die Branche morgen eine Sache anders macht, was wäre euer Wunsch? Wer möchte loslegen?
[Fabian Naethbohm] (46:56 - 47:35)
Ja, dann würde ich mal anfangen. Ja, für mich ist es wichtig, vor allem sollten sich die Leute wirklich mit IT beschäftigen und mal wegkommen von Freitagsfelder reichen uns noch aus. Und zum anderen finde ich es ganz wichtig, dass man auch mal über den Tellerrand und aus seinem Gewerk, aus seiner Domäne hinausschaut und vielleicht mal schaut, wie macht es denn die Industrie 4.0. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Es gibt Ansätze von Semantik, Web, über Data Mesh etc. Und ich denke, wir sollten einfach mal schauen, was geht schon in anderen Industrien, wie beispielsweise der Industrie 4.0 und können wir uns das Ganze nicht zum Vorbild nehmen.
[Frank Schröder] (47:36 - 48:41)
Cool, danke. Mein Wunsch, mein Input wäre, wir müssen als Betreiber daran arbeiten, dass wir ein durchdachtes, durchgängiges Datenmodell zur Verfügung haben, was wir dann dem Architekten zur Verfügung stellen, wo er rein arbeitet. Das spricht sich leicht aus, aber das muss glaube ich so sein, weil sonst können wir nicht in die Durchgängigkeit rein.
Im Daily Business viel mit Leuten sprechen, was im Ersten anscheinend erstmal uninteressant ist. Ich nehme mal so ein Beispiel. Wenn der Fußballer sich mit dem Fußballer unterhält, das ist nicht die Challenge hier im Gebäudebetrieb, sondern wir müssen über das Silo hinausdenken und dann ins Gespräch kommen.
Dann nicht sagen, das ist ja Quatsch, was er sagt, sondern auf Augenhöhe ihn wahrnehmen, versuchen diesen Prozess dann abzustimmen und vielleicht auch noch kleine Fehler zulassen. Da muss ich sagen, wenn Fabian in der Hochschule einen Fehler macht, dann tut das nicht so doll weh wie in der Industrie. Da sind wir immer gerade in Deutschland auch sehr stark auf Genauigkeit und Projektplan ausgerichtet.
Da würde ich uns so eine gewisse Lockerheit wünschen.
[Bastian Elsner] (48:42 - 48:44)
Einfach mal machen. Ich danke euch zwei.
[Frank Schröder] (48:45 - 48:59)
Ja, danke. Mir hat es Spaß gemacht, mit euch mich zu unterhalten. Es war ein spannender Freitag und lass uns die Daumen drücken.
Gerade Bastian, deine Vision, die du gerade aufgezeigt hast, mit dem Handy als Applikation zum Gebäude, dass wir daran arbeiten.
[Fabian Naethbohm] (49:00 - 49:06)
Ja, auch nochmal von mir. Vielen Dank, Bastian. Ich sage zum Abschluss, einfach nur machen und auch mal Fehler zulassen.
[Bastian Elsner] (49:06 - 49:36)
Sehr cool. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann abonniert am besten direkt Menschen, Lebensräume und Technik, damit ihr keine weitere Episode verpasst. Und wenn ihr jemanden kennt, der sich mit Automation, Facility Management oder dem Betrieb von Gebäuden beschäftigt, dann empfiehlt diesen Podcast gerne weiter.
Ich danke euch fürs Zuhören und freue mich schon auf die nächste Folge von "Menschen, Lebensräume & Technik", deinem Podcast von Elsner Elektronik.
Stand: 02/2026